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Neymar-Transfer: "Das ist obszön"

Mit dem 222-Millionen-Euro-Transfer von Neymar nach Paris ist für einige der "Gipfel der Unanständigkeit erreicht".
Mit dem 222-Millionen-Euro-Transfer von Neymar nach Paris ist für einige der "Gipfel der Unanständigkeit erreicht". FOTO: dpa
Berlin/Paris. Der Wechsel des Fußball-Stars von Barcelona nach Paris für 222 Millionen Euro löst größtenteils Empörung und Unverständnis aus. Sogar von 500 Millionen ist die Rede. Jens Marx und Sebastian Kunigkeit

Der 222-Millionen-Euro-Transfer des Fußball-Stars Neymar hat größtenteils Empörung und Unverständnis ausgelöst. Manchester Uniteds Trainer José Mourinho scheint einer der wenigen zu sein, der sich nicht an der hohen Ablösesumme stößt. "Teuer sind die Spieler, die einen bestimmten Rahmen erreichen, ohne die nötige Qualität dafür zu haben. 200 Millionen Pfund sind für Neymar nicht teuer", sagte der Portugiese.

Der Sportphilosoph Professor Elk Franke sieht angesichts des bevorstehenden Megatransfers die Werte des Sports allerdings in Gefahr. "Wir sind Zeitzeugen einer Erosion der Fußball-Kultur", sagte der Wissenschaftler am Donnerstag. Franke kritisierte die 222 Millionen Euro von Paris Saint-Germain an den FC Barcelona als moralisch verwerflich. "Menschen sind keine Hedgefonds. Das ist obszön", meinte er. Der Sport würde "in Größenordnungen aus dem wirtschaftlichen Bereich" vordringen, wo "realitätsferne Geldverschiebungen" mittlerweile normal seien.

Durch eine solche Ablösesumme könne der Sport seine "moralische und ethische Dimension nicht mehr glaubhaft vertreten", bemängelte Franke. Ein normaler Arbeitnehmer müsse mehrere Hundert Jahre für eine solche Summer arbeiten. Doch der Markt würde diese Geldbeträge hergeben, "und somit läuft das Karussell immer schneller". Den reinen Konsumenten unter den Fußball-Anhängern sei das egal, vermutete Franke. "Doch der treue Vereinsfan, hat eine feine Antenne dafür, womit er sich identifizieren kann", erklärte der Sportphilosoph: "Bei solch einer Transferpolitik kann er das aber nicht mehr."

Auch der frühere Dortmunder Meistertrainer Jürgen Klopp verfolgt den sich abzeichnenden Rekordtransfer mit Sorge. "Ich dachte, das "Financial Fairplay" wäre dafür erfunden worden, dass so etwas nicht geht", wunderte sich der Coach des FC Liverpool, der hofft, dass dies "nicht der nächste Schritt" ist. Freiburgs Trainer Christian Streich kommentierte das Thema mit gewohnt deutlichen Worten: "Wir sind in einem irrealen Bereich angekommen, aber der ist gerade Realität. Der Gott des Geldes wird immer größer, und irgendwann verschlingt er alles."

Schon zuvor hatte sich Profi Julian Baumgartlinger ähnlich geäußert wie Sportphilosoph Professor Franke. "Der professionelle Fußball hat sich der globalisierten Weltwirtschaft angepasst und sich dabei weit von der Basis entfernt", sagte der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen und österreichische Nationalspieler dem Magazin "11 Freunde". "80 bis 100 Millionen Euro Ablöse? Das kann man gar nicht mehr begreifen." Der Markt sei "komplett aus der Fassung".

Nach dem wochenlangen Wechsel-Theater wurde am Donnerstagabend vermeldet, dass Neymar die vom FC Barcelona festgelegte Ablöse in Höhe von 222 Millionen Euro bezahlt habe. Diese vertraglich festgeschriebene Sonder-Vereinbarung "Ablöseklausel" musste der abwanderungswillige Profi selbst ziehen. Das Geld dürfte er von PSG zurück bekommen.

Damit ist der Vertrag des Brasilianers mit dem spanischen Club beendet, wie Barcelona mitteilte. Der Club habe die Details des Transfers der Europäischen Fußball-Union (Uefa) übergeben, die nun über mögliche disziplinarische Konsequenzen entscheiden müsse. Perfekt ist der Transfer nach Paris noch nicht. Zuvor hatte die spanische Fußball-Liga erklärt, das Geld aus dem Rekordtransfer wegen Verstoßes gegen das Financial Fairplay nicht annehmen zu wollen und hatte Neymars Anwälte abblitzen lassen. Statt an die Liga wurde das Geld nun direkt an den Club gezahlt.

Der geplante Transfer löste neben Euphorie in Frankreich auch Empörung und Unverständnis aus. "Im Fußball gibt es seit einiger Zeit Unanständigkeit. Und hier wird ein Gipfel erreicht", schrieb "Le Journal de la Haute-Marne". In der Tat erscheinen die Zahlen irrwitzig, über die internationale Medien neben der festgeschriebenen Ablösesumme berichten. Der britische Sender Sky UK schrieb von einem Gesamtvolumen von rund 500 Millionen Euro, darin sollen Ablösesumme, Bonuszahlungen und Gehalt enthalten sein. Dem Bericht zufolge hat Neymar einem Vertrag über fünf Jahre zugestimmt. Pro Jahr soll der 25 Jahre alte Brasilianer 30 Millionen Euro bekommen.