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Neymar sagt Barcelona "Adiós"

Letzte Fahrt zum Barcelona-Trainingsgelände: Am Mittwochvormittag verabschiedete sich Neymar von seinem Team.
Letzte Fahrt zum Barcelona-Trainingsgelände: Am Mittwochvormittag verabschiedete sich Neymar von seinem Team. FOTO: dpa
Barcelona. Neymar sagte in der Kabine seinen Mitspielern Adios, der Vereinsführung des FC Barcelona teilte er zusammen mit seinem Vater seine Entscheidung mit. Der 222-Millionen-Euro-Wechsel und mit Abstand teuerste Transfer der Fußball-Geschichte steht kurz vor dem Vollzug. Emilio Rappold und Jens Marx

Der 25 Jahre alte Brasilianer will künftig mit Paris Saint-Germain Europas Fußball-Bühne erobern. Neymar habe dem Verein mitgeteilt, ihn verlassen zu wollen, teilte Barça in einer Stellungnahme mit.

Damit nahm der Transfer fußball-historischen Ausmaßes weitere und diesmal auch wohl entscheidende Fahrt auf. Neymar wurde vorerst vom Training der Katalanen freigestellt, er soll seine Zukunft klären. Der FC Barcelona erinnerte den Spieler, der 2013 für 83,5 Millionen Euro vom FC Santos nach Barcelona gekommen war, und dessen Berater-Vater allerdings daran, dass der neue Club die festgeschriebene Ablösesumme komplett zu zahlen habe. Der katarische Chef des französischen Clubs, Nasser al-Chelaifi, ist dazu offenbar bereit.

Damit stößt der Club, der seit Jahren immer wieder vergeblich versucht, ins Champions-League-Endspiel einzuziehen, geschweige denn, sie zu gewinnen, in neue Dimensionen vor. Noch gilt der Franzose Paul Pogba als teuerster Spieler der Welt. Er war im vergangenen Jahr von Juventus Turin zu Manchester United gewechselt - für nicht mal die Hälfte, aber immer noch atemraubende 105 Millionen Euro.

Neymar selbst schwieg außerhalb des Barça-Büros ebenfalls zunächst. Nachdem er am Vorabend von einem Werbeauftritt aus China nach Barcelona zurückgekehrt war, fuhr der Mann aus Mogi das Cruzes morgens gegen neun Uhr mit einem blauen deutschen Sportwagen auf dem Trainingsgelände Ciutat Esportiva Joan Gamper vor. Wie die Zeitung "AS" berichtete, war der Kurzbesuch samt Abschied schon nach 42 Minuten zu Ende.

In Barcelona will man dem Stürmer, der mit Messi und Luis Suárez den gefährlichsten Sturm der Welt gebildet hat, keine Träne nachweinen. Er werde nicht mal als einer der besten Brasilianer des Clubs in Erinnerung bleiben, da er unter anderem von Rivaldo, Ronaldo und Romario übertroffen werde, schrieb "Sport"-Kolumnist Xavier Muñóz. Der künftige Pariser werde aber wohl als erster Brasilianer gelten, für den "der Fußball erst nach dem Marketing kommt". Andere katalanische Medien beschimpften den trickreichen Fußballer als "Söldner" und "Egoisten", der "alle veräppelt" habe.

"Mundo Deportivo", so etwas wie ein Hausblatt des Clubs, schrieb, bei der Suche nach einem Neymar-Ersatz sei der Dortmunder Ousmane Dembélé inzwischen Favorit bei den Funktionären am Camp Nou. Der BVB hat den Franzosen jedoch für unverkäuflich erklärt. Philipppe Coutinho - trotz des heftigen Widerstandes von Liverpool-Coach Jürgen Klopp - Monaco-Sturmwunderkind Kylian Mbappé sowie die Argentinier Paulo Dybala (Juventus) und Ángel Di María (Paris SG) werden laut Medien ebenfalls heftig umworben.

Die von Medien unter Berufung auf die katarischen Ölscheichs genannten Zahlen machen schwindlig: Neben der Ablösesumme von 222 Millionen soll Paris "Ney" eine Wechselprämie von 100 Millionen und ein Nettogehalt von 30 Millionen Euro pro Jahr angeboten haben. Und auch Neymar senior soll 40 Millionen kassieren.

Aber wie war das nochmal mit dem viel beschworenen Financial Fairplay, wonach Clubs nicht mehr Geld ausgeben dürfen als sie einnehmen? Nach französischen Medienberichten erwägen die Katarer verschiedene Möglichkeiten, um eventuelle Strafen zu umgehen. Am einfachsten wäre es, die Inflation auf dem Markt auszunutzen und zwei oder drei Profis für (sehr) gutes Geld zu verkaufen. Auf der Liste sollen "Les Bleus"-Mann Blaise Matuidi, Serge Aurier, Di María und last but not least auch Fußball-Weltmeister Julian Draxler stehen.