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New York feiert die Diva

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New York. Die Rückkehr von Maria Scharapowa beschert den US Open gleich am Eröffnungstag riesigen Rummel. Nach der Dopingsperre mischt der russische Weltstar nun weiter auf der Grand-Slam-Bühne mit. Kristina Puck

Mit ihrem letzten Satz in der größten Tennis-Arena der Welt fasste Maria Scharapowa ihre Erkenntnis aus dem imposanten Comeback auf der Grand-Slam-Bühne nach ihrer Dopingsperre zusammen. "Hinter diesem Kleid und den Swarovski-Steinen hat dieses Mädchen viel Biss - und sie wird diesen Ort nicht verlassen", sagte die 30-Jährige und verschwand erst einmal bis zu ihrem Zweitrunden-Match bei den US Open aus dem Arthur-Ashe-Stadium.

Nach dem beeindruckenden Auftaktsieg gegen French-Open-Finalistin Simona Halep will sich die umstrittene Athletin am Mittwoch von der Ungarin Timea Babos erst recht nicht aufhalten lassen.

Eher zählt sie nun womöglich zum Kreis der Spielerinnen, die bis zum Schluss dabei bleiben könnten. "Ich kann das Niveau nicht als selbstverständlich ansehen", sagte Scharapowa, auch weil sie nach ihrer Rückkehr auf die Tennis-Tour in Stuttgart Ende April von Blessuren zurückgeworfen worden war. "Es schien fast, dass ich nicht das Recht hatte, dieses Match zu gewinnen. Aber ich habe es irgendwie geschafft."

19 Monate nach ihrer zuvor letzten Grand-Slam-Teilnahme nimmt sie nur dank einer diskussionswürdigen Wildcard in New York teil. Am späten Montagabend trat Scharapowa einerseits auf, als wäre sie nie weg gewesen von den bedeutendsten Tennis-Bühnen: mit Unterhaltungskunst, mit einer starken Leistung, mit riesigem Rummel. Andererseits zeigten ihre Emotionen, dass es für sie kein gewöhnlicher Auftritt war.

Als nach einem bangen Blick auf die Anzeigetafel das 6:4, 4:6, 6:3 gegen Halep erschien, kniete sie auf dem Boden, schlug lange die Hände vors Gesicht. Die Fans feierten sie, sie weinte. "Ich dachte, es wäre nur ein Match, eine weitere Möglichkeit, aber es war so viel mehr", sagte die fünfmalige Grand-Slam-Turniersiegerin. "Man fragt sich, warum man so viel Arbeit reinsteckt - dies sind die Momente."

Als lediglich Weltranglisten-146. war der Weltstar nicht direkt für das Hauptfeld qualifiziert. Scharapowa hämmerte in ihrem eleganten schwarzen Kleid mit Glitzer am Rock, das sie selbst mit entworfen hatte, wie eh und je auf die Bälle ein und gewann auch den siebten Vergleich gegen Halep. "Ich habe alles gegeben, was ich hatte. Sie war besser", gestand die rumänische Verliererin. "Ich habe okay gespielt, sie hat gut gespielt, es war gut für die Zuschauer."

In New York hatte Simona Halep die erneute Chance auf die Spitzenposition in der Weltrangliste. Doch die US-Open-Siegerin von 2006 hat ihr diesen Weg verbaut. Zum positiven Test auf Meldonium bei den Australian Open 2016 und der Weigerung der French-Open-Orgnisatoren, ihr eine Wildcard zu gewähren, meinte Scharapowa nach dem Auftaktsieg bloß: "Das ist Vergangenheit."

Aus Sicht der Spielerinnenorganisation WTA hat die Rückkehr der russischen Tennis-Diva immense wirtschaftlich Bedeutung. Rekord-Grand-Slam-Siegerin Serena Williams steht kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes. Kaum einer lockt das Publikum und Werbepartner an wie Scharapowa. Die US Open vermeldeten einen Besucherrekord für einen Eröffnungstag, das Abendprogramm war mit 23 771 Zuschauern ausverkauft und die Show gut.

Zum Thema:
New York (dpa/roe) Angelique Kerber hat den nächsten Tiefpunkt erreicht. Mit einem bitteren 3:6, 1:6 gegen die Japanerin Naomi Osaka (19) scheiterte die Titelverteidigerin bei den US Open überraschend in der ersten Runde und zeigte dabei knapp ein Jahr nach ihrem Triumph in New York eine enttäuschende Leistung. Nach nur 64 Minuten war die Partie gegen die respektlos und stark auftretende Weltranglisten-45. vorbei, die Vorjahressiegerin wehrte sich zu wenig. Die norddeutsche Nummer sechs der Welt setzte damit am Dienstag ihre schwachen Ergebnisse in dieser Saison fort.