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| 16:40 Uhr

Neuer Name? Neue Strecken?
DTM schraubt am Lausitzring an der Zukunft

 Viel zu tun in der Boxengasse am Lausitzring – und hinter den Kulissen. Die DTM will sich internationaler aufstellen und sucht dafür nach der richtigen Abstimmung.
Viel zu tun in der Boxengasse am Lausitzring – und hinter den Kulissen. Die DTM will sich internationaler aufstellen und sucht dafür nach der richtigen Abstimmung. FOTO: DTM / HOCH ZWEI / Thomas Suer
Klettwitz. Neuer Name? Neue Strecken? Neue Teams? Nach dem erfolgreichen Rennen auf dem Lausitzring in Klettwitz muss die Motorsportserie DTM viele Fragen klären. Von Jan Lehmann

An ein paar Stellschrauben will auch Volker Noeske noch drehen. Der Leiter des Technologie-Zentrums der Dekra am Lausitzring hat sehr wohl mitbekommen, dass einige Zuschauer nach dem DTM-Rennen am Samstag auf dem Parkplatz fast eine Stunde lang im Stau standen, weil dort nicht mit so viel Ansturm gerechnet worden war.

Am Sonntag staute es sich erneut, dieses Mal allerdings vor allem auf der Autobahn. Der stockende Verkehr bei der Abreise war gleichzeitig aber natürlich ein Indikator dafür, dass es für den Lausitzring-Inhaber Dekra in Sachen DTM in diesem Jahr richtig flüssig lief. Noeske bestätigte: „Wir sind insgesamt sehr zufrieden mit dem Wochenende, alle hatten ihren Spaß.“

 Großes Gedränge beim Pitwalk: Etwa 60 000 Besucher waren am Wochen­ende in Klettwitz an der Strecke. 
Großes Gedränge beim Pitwalk: Etwa 60 000 Besucher waren am Wochen­ende in Klettwitz an der Strecke.  FOTO: DTM / HOCH ZWEI / Thomas Suer

Tatsächlich hinterlässt die DTM am Lausitzring viele zufriedene Gesichter – obwohl die beiden Rennen mit den problemlosen Audi-Siegen von Nico Müller und René Rast aufgrund der Schwäche der anderen beiden Hersteller BMW und Aston Martin fast schon ein Betriebssportfest der Ingolstädter waren. Die Zuschauer indes erlebten eine glänzend organisierte Veranstaltung, für die es viel Lob gab. Gerhard Berger, der als Chef der Firma ITR die DTM verantwortet, befand: „Tolles Wetter, gute Stimmung, sowohl am Samstag als auch am Sonntag mehr Zuschauer als 2018 – es war eine rundum gelungene Veranstaltung.“

ITR-Geschäftsführer Achim Kostron erläuterte die Hintergründe: „Das lag daran, dass wir in der Vorbereitung ein besseres Modell in der Zusammenarbeit mit der Dekra gefunden haben.“ Im Vorjahr war die ITR als Rennveranstalter aufgetreten, die Dekra hatte den Ring nur vermietet. In diesem Jahr war das anders, der Ringbetreiber übernahm mehr Aufgaben bei der Organisation. Zudem wirkte dieses Mal wieder der ADAC Berlin-Brandenburg als Rennveranstalter mit. Der Automobilclub fehlte 2018, weil er zeitgleich bei der Formel E in Berlin gebraucht worden war.

 Die DTM-Piloten wie der Gesamtführende René Rast (Audi) gaben sich sehr publikumsnah und erfüllten viele Fanwünsche.
Die DTM-Piloten wie der Gesamtführende René Rast (Audi) gaben sich sehr publikumsnah und erfüllten viele Fanwünsche. FOTO: DTM / HOCH ZWEI / Thomas Suer

DTM-Pressesprecher Guido Stahlmann beschreibt: „Wir haben jetzt eine gute Mischung gefunden, in der jeder das macht, was er am besten kann.“ Dabei gebe es trotzdem noch Potenzial für Verbesserungen, betonte Geschäftsführer Kostron, der gemeinsam mit dem einstigen Formel-1-Piloten Berger und den strategischen Partnern an der Zukunft der DTM schraubt.

Am Lausitzring wurde bekannt, dass sich die Serie nach neuen Rennstrecken umschaut und noch internationaler werden will. Während Klettwitz von Gerhard Berger schon ein „gesetzt“ für den Rennkalender 2020 bekam, stehen andere Strecken infrage. Der Gesamtführende René Rast geriet deshalb kurz ins Träumen und erzählte, dass er gern auch mal in Monaco oder ein Nachtrennen in Abu Dhabi fahren würde.

 Das Publikum auf der gut gefüllten Haupttribüne sah zwei DTM-Rennen, in denen die Audis problemlos dominierten.
Das Publikum auf der gut gefüllten Haupttribüne sah zwei DTM-Rennen, in denen die Audis problemlos dominierten. FOTO: DTM / HOCH ZWEI / Thomas Suer

Das Rennen in der Lausitz würde das womöglich sogar aufwerten. Ring-Chef Volker Noeske vermutet: „Dann würden wir als Heimrennen sicher noch wichtiger werden.“

Wahrscheinlich kommt die DTM bald unter neuem Namen zurück nach Klettwitz. Am Renn-Wochenende bekräftigte DTM-Chef Berger erneut den Wunsch, dem Deutschen Tourenwagen Masters einen internationaleren Anstrich zu geben. Besonders der britische Hersteller Aston Martin drängt darauf, aber auch die deutschen Marken Audi und BMW sind dafür offen. Schließlich geht es darum, den Markt für die Traditionsserie zu öffnen.

 Gerhard Berger am Lausitzring
Gerhard Berger am Lausitzring FOTO: DTM / HOCH ZWEI / Thomas Suer

Besonders Japan bleibt interessant: Im Herbst gibt es das „Dream Race“ – als gemeinsames Event mit der japanischen Super GT. Nachdem Honda, Lexus und Nissan beim Saisonfinale in Hockenheim als Gaststarter dabei sind, treten Fahrzeuge der Super GT und der DTM in zwei nach DTM-Format ausgetragenen Rennen am 23./24. November im japanischen Fuji gegeneinander an.

In Japan kommt man allerdings mit dem „D“ in der Marke nicht sonderlich weit. Und auch wenn Gerhard Berger gegenüber „Motorsport total“ betonte: „Wir haben immer den Fokus, den deutschen Kern nicht zu verletzen“, so ist der neue Name derzeit ein echter Knackpunkt. Erst sollte er schon 2020 präsentiert werden, inzwischen ist die Umbenennung auf 2021 verschoben. Auch nach dem Lausitzring-Wochenende stecken die Gespräche dazu im Stau. Für eine Einigung müssen wohl noch etliche Stellschrauben gedreht werden.