| 02:39 Uhr

Nadal kämpft ständig gegen die eigenen Zweifel

Legende seines Sports: Innig feiert Tennisspieler Rafael Nadal seinen historischen zehnten Titel von Paris.
Legende seines Sports: Innig feiert Tennisspieler Rafael Nadal seinen historischen zehnten Titel von Paris. FOTO: dpa
Paris. Eigentlich wäre es der perfekte Moment gewesen, um die Karriere zu beenden. Zu Ehren seines zehnten Titels bei den French Open hatten die Veranstalter im Stade Roland Garros eine pompöse Show auf die Beine gestellt und Rafael Nadal war sichtlich gerührt. dpa/jam

Zehn Siege bei ein und demselben Grand-Slam-Turnier - das hatte vor ihm noch kein Spieler seit Einführung des Profitennis 1968 geschafft. Was soll da noch mehr kommen?

Und als Nadal da mit feuchten Augen und dem Coupe des Mousquetaires in der Hand der spanischen Nationalhymne lauschte, musste man in der Tat für einen kleinen Moment befürchten, dass dieser außergewöhnliche Sportler nach diesem historischen Triumph den Schläger für immer aus der Hand legen würden. Doch wenig später zerstreute Nadal all diese Sorgen. "Ich bin immer noch sehr motiviert", sagte der Mallorquiner. "Ich werde einfach so lange weiterspielen, wie ich Spaß habe."

Spaß - der ist für Nadal nirgends so groß wie in Paris. Bei keinem anderen Turnier auf der Welt schafft es der 31-Jährige in so beeindruckender Regelmäßigkeit, sein bestes Tennis abzurufen. Die Art und Weise, wie er den Schweizer Stan Wawrinka am Sonntag im Finale in drei Sätzen dominierte, war eine Sternstunde für diesen an speziellen Momenten nicht armen Sport. Es war Sandplatz-Tennis in Perfektion.

"Ewiger Nadal!", schrieb die spanische Zeitung "Sport" am Tag danach. "Der beste spanische Sportler aller Zeiten gewinnt Roland Garros zum zehnten Mal. Ein Riese", kommentierte "Marca". Der Weg dorthin war allerdings nicht allein mit Leichtigkeit gepflastert. Vielmehr war es ein ständiger Kampf gegen Verletzungen, Druck und sogar große Zweifel. "Ich habe jeden Tag Zweifel", sagte Nadal. "Auch jetzt nach diesem für mich so emotionalen Triumph."

Unsicherheit, Verletzlichkeit, Zukunftsangst - auch das ist Rafael Nadal, selbst wenn man es am Sonntag im speziellen Moment seines zehnten Paris-Titels nicht glauben mochte. Doch Nadal hat im Laufe seiner Karriere, in der er immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde, gelernt, mit den Zweifeln, wie lange der Körper seine extrem strapaziöse Spielweise noch mitmachen würde, umzugehen. "Ich denke, Zweifel sind wichtig, da sie dir die Möglichkeit geben, mit noch mehr Intensität, mit noch mehr Hingabe zu arbeiten", sagte Nadal.

In drei Wochen steht Wimbledon an. "Ich muss sehen, wie meine Knie halten", sagte der 31-Jährige.