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| 20:16 Uhr

Fußball
Nach Spielabbruch in Hohenleipisch: Was ist wirklich passiert?

 Auf Drängen der SG Großziethen pfiff Schiedsrichter Uwe Schultz die zweite Halbzeit in Hohenleipisch nicht mehr an.
Auf Drängen der SG Großziethen pfiff Schiedsrichter Uwe Schultz die zweite Halbzeit in Hohenleipisch nicht mehr an. FOTO: Rüdiger Wiedemann
Hohenleipisch/Großziethen. Das Fußball-Spiel zwischen Hohenleipisch und Großziethen sorgt für großen Wirbel. Nach tätlichen Angriffen, dem Abbruch der Partie noch in der Halbzeitpause und diversen Strafanzeigen bleibt die Frage: Was ist wirklich vorgefallen? Von Steven Wiesner

Für den Aufreger des Spieltages hat am Wochenende das Spiel in der Fußball-Landesliga zwischen dem VfB Hohenleipisch und der SG Groß­ziethen gesorgt. Auf tätliche Angriffe und einen Spielabbruch in der Halbzeitpause folgt jetzt eine große Kontroverse mit Schuldzuweisungen und außerordentlichen Stellungnahmen. So hat die Partie zwar keine Tore oder sportlichen Highlights geliefert – dafür aber mehrere Strafanzeigen und jede Menge Gesprächsstoff.

Das war passiert: Schiedsrichter Uwe Schultz hatte gerade eine umkämpfte erste Halbzeit mit drei Gelben Karten beim Stand von 0:0 beendet, als die Dinge auf dem Sportplatz in der Bahnhofstraße eskalierten. Der Gang in die Kabinen wurde dann von Beleidigungen und Handgreiflichkeiten überschattet. Daraufhin teilte der Großziethen-Trainer dem Unparteiischen mit, dass seine Spieler das Spiel nicht mehr fortsetzen.

Die Aufarbeitung der Geschehnisse dürfte für die zuständigen Gerichte und Instanzen eine große Herausforderung werden. Denn die Versionen der beteiligten Vereine widersprechen sich in den entscheidenden Punkten erheblich.

Die Gäste aus Randberlin behaupten, schon vor dem Anpfiff „mit einer bemerkenswerten Grundaggression“ erwartet worden zu sein im Elbe-Elster-Kreis. Ein Großziethener Spieler erklärte gegenüber FuPa Brandenburg sogar, dass ein VfB-Akteur vor dem Spiel alle gegnerischen Spieler beleidigt haben soll. Dem widerspricht der Vorstand des VfB Hohenleipisch in einer öffentlichen Stellungnahme entschieden. „Niemand von uns begrüßt elf Gegner als Hurensohn ... das ist absurd!“, schreibt der Klub auf seiner Vereinsseite. „Wir möchten uns hier nicht als Unschuldslämmer hinstellen und wissen auch um die Problematik mit Pöbeleien einiger einzelner Zuschauer in Hohenleipisch.“ Trotzdem erachtet der Lausitzer Siebtligist viele Unterstellungen aus Großziethen als haltlos und hält auch die Entscheidung, das Spiel abzubrechen, für überzogen.

Während man nun Groß­ziethen vorwirft, „die Opferrolle perfekt umgesetzt“ zu haben, da auch ein Spieler aus Hohenleipisch mit einem Tritt in den Rücken attackiert worden sei, steht man in Schönefeld zu dem Entschluss, die zweite Halbzeit zu sabotieren. Trainer Simon Rösner sagt: „Das war eine Schlägerei und nicht nur ein paar Schubser.“ Zwei seiner Spieler seien verletzt worden. „Wir hatten Bedenken um unsere Sicherheit. Also habe ich den Schiedsrichter gefragt, ob er das Spiel abbricht. Das verneinte er, so blieb mir nichts anderes übrig, als ihm die Entscheidung abzunehmen. Damit habe ich ein reines Gewissen.“

Wie das Spiel nun gewertet wird und wie über die gestellten Strafanzeigen gegen einzelne Personen entschieden wird, bleibt abzuwarten. „Ich sehe jedenfalls keinen Sinn darin, in zwei Wochen nochmal nach Hohenleipisch zu fahren, um das Spiel eventuell zu wiederholen“, sagt Rösner. Und zumindest in einem Punkt waren sich beide Parteien einig: „Das war kein schöner Tag für den Fußball in Brandenburg.“