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| 17:16 Uhr

Kanu
Nach dem missglückten Fehlstart geht Kiraj auf Weltreise

Stefan Kiraj (Potsdam) erreicht im CI 200m das WM-Finale von Moskau.Foto: Eibner
Stefan Kiraj (Potsdam) erreicht im CI 200m das WM-Finale von Moskau.Foto: Eibner FOTO: Eibner Pressefoto / Freise/ Eibner-Pressefoto
Hamburg. Für den Spremberger Kanuten Stefan Kiraj ist die Saison nach der WM nicht beendet. Über Hamburg geht es nach Übersee. Dort steht auch ein Roadtrip an. Von Jan Lehmann

 Stefan Kiraj hatte sich einen Fehlstart vorgenommen – doch der ist ihm missglückt. Beim WM-Finale am Sonntag in Montemor/Portugal über 200 Meter versuchte der 29-Jährige mit einem Trick, besser vom Start wegzukommen. „Weil ich sowieso immer so spät dran bin, wollte ich einfach so früh wie bei einem Fehlstart reagieren.“

Gesagt, getan, gelungen – eigentlich. Kirajs Reaktionszeit war gut, richtig gut sogar – und dennoch kam er im Achterfeld nur als Fünftbester vom Start weg. Auf der 200-Meter-Sprintstrecke eine zu große Hypothek, verbessern konnte er diese Position nicht mehr und verpasste so die erhoffte WM-Medaille. „Warum ich den ersten Schlag nur ins Wasser gestippt und nicht richtig  durchgezogen habe, kann ich nicht erklären. Den hätte ich eigentlich ganz lassen können“, so Kiraj, der bei der SG Einheit Spremberg das Paddeln gelernt hatte und inzwischen in Potsdam lebt und trainiert.

Doch der Ärger über den missglückten Fehlstart und die verpasste Medaille hält bei dem Sportler mit dem sonnigen Gemüt nicht lange an. Sein Credo: „Weiter an den Schwächen arbeiten, und weiter angreifen.“ Nach der Rückkehr aus Portugal freut sich Kiraj nun auf die Deutschen Meisterschaften in Hamburg. Dort startet er im Einer, Zweier, Vierer – und im Achter. Dieses Rennen ist immer der heimliche Höhepunkt der Meisterschaften. Doch in diesem Jahr sollte es ausfallen,  weil es vermeintlich zu wenig Interesse daran gab. Mitnichten: Die deutschen Elite-Kanuten um Kiraj mobilisierten deutschlandweit mehr als 300 Paddler – inzwischen gibt es so viele Boote, dass sogar Vorläufe gefahren werden müssen. Kiraj, der im Achter „Potsdam 1“ sitzen wird, freut sich: „Das wird ein schöner Saisonabschluss.“

Dabei ist das Kanu-Jahr für den 29-Jährigen damit noch keinesfalls vorbei. Nach Hamburg steht in Potsdam der traditionelle Kanalsprint an, dann geht es für den Spremberger weiter nach Kanada. Dort wird Kiraj seinen US-amerikanischen Kumpel Ian Ross trainieren. Der US-Kanute war den ganzen Sommer über in Potsdam, hat bei Kiraj gewohnt und mit den deutschen Elitefahrern trainiert. Jetzt bereitet er sich auf die Qualifikation für die PanAm-Spiele vor, dort geht es auch um die Olympia-Qualifikation. Für Kiraj steht damit ein kleines Abenteuer bevor: „Wir wollen erst in Kanada trainieren und dann machen wir noch einen Roadtrip zu Ian nach Hause nach Washington.“

Damit nicht genug, die Tour des Sprembergers geht noch weiter. Aus Washington will er nach Rio de Janeiro fliegen. Dort ist er zu einem 500-Meter-Rennen eingeladen. Dort wird er unter anderem mit dem alten und neuen Doppel-Weltmeister Sebastian Brendel im Zweier fahren. Von Portugal über Deutschland nach Kanada, in die USA und nach Brasilien – der missglückte Fehlstart in Montemor war für Stefan Kiraj gleichzeitig der Startschuss für eine kleine Weltreise.