ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:54 Uhr

Nach der Erpressung ist vor dem Weltcup

Claudia Pechstein fühlt sich mit 44 Jahren noch jung genug.
Claudia Pechstein fühlt sich mit 44 Jahren noch jung genug. FOTO: dpa
Berlin. Der Start beim Weltcup in Berlin ist für Claudia Pechstein die Generalprobe für die WM auf der Olympia-Bahn. Sie testet neues Material, doch ein Podestplatz scheint außer Reichweite. Ein skurriler Erpressungsversuch hat ihre Vorbereitung behindert. Frank Thomas / dpa/noc

Das Heimspiel in Berlin ist für Claudia Pechstein natürlich nur eine Zwischenstation. Zum 16. Mal tritt die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin an diesem Wochenende zu einem Weltcup in ihrer Trainingshalle an, der zwölfte Podestplatz seit ihrem Weltcup-Debüt in Berlin am 22. November 1991 scheint ihr aber unrealistisch. "Ziel ist ein sehr gleichmäßiger Lauf mit einer hoffentlich starken Schlussrunde", verkündete die 44-Jährige als Ziel: "Ich habe sehr starke Konkurrentinnen aus den Niederlanden, aus Japan, Russland und vor allen die überragende Martina Sablikova. Daher wäre ich mit einer Top-8-Platzierung zufrieden, möchte aber auf jeden Fall beste Deutsche sein."

Sie schiele nicht auf einen Podestplatz. "Ich muss einfach akzeptieren, dass mir mit fast 45 Jahren im Vergleich zur deutlich jüngeren Konkurrenz die Grundschnelligkeit fehlt, um über 3000 Meter ganz vorne mitzumischen. Nur bei ganz schnellem oder extrem schwierigem Eis hätte ich darauf eine Chance. Da könnte mir meine Erfahrung helfen, solche Bedingungen zu meistern."

Als sie vor über 25 Jahren erstmals im Sportforum um Weltcup-Punkte lief, waren die meisten ihrer heutigen Konkurrentinnen noch nicht geboren. 32 Weltcup-Rennen absolvierte sie auf heimischem Eis, bestieg elfmal das Podest (2/7/2). Der letzte Sieg - im Massenstart - liegt schon fast fünf Jahre zurück.

Wichtigstes Ziel sei es, "die Möglichkeiten für meine Spezialstrecke über 5000 Meter bei der WM in Gangneung zu checken. Zudem werden ich die 1500 Meter laufen, um die Chance auf einen Startplatz bei der Mehrkampf-WM in Hamar zu wahren", sagte Pechstein. Mit einer nicht unrealistisch scheinenden Medaille in Südkorea könnte Pechstein als bislang älteste Läuferin der Welt eine WM-Plakette entgegennehmen.

Sie testet in Berlin unter Wettkampfbedingungen ein neues Kufenmaterial, mit dem sie im Training schon gut zurecht gekommen war. "Sollte ich danach ein gutes Gefühl haben, werde ich auf diesen Kufen auch die WM laufen", meinte Pechstein. "Natürlich freue ich mich auf die Rennen in Berlin, vor meinen Fans, meinen Freunden, der Familie und meinen Kollegen von der Bundespolizei. Das ist immer etwas ganz Besonderes."

Getrübt worden war ihre Vorbereitung durch einen skurrilen Erpressungsversuch gegen ihren Lebensgefährten, den Pechstein via Facebook vor drei Tagen selbst öffentlich gemacht hatte. Sie wollte sich dazu nicht äußern, um sich auf das Sportliche zu konzentrieren. "Ich habe alles getan, um sie da rauszuhalten", erklärte ihr Lebensgefährte Matthias Große. Ein ehemaliger Mitarbeiter seines Immobilien-Unternehmens hatte versucht, Große über Facebook unter Druck zu setzen: "Der Lebens gefährte von Claudia Pechstein ist ein Lügner und Betrüger", hatte er geschrieben. Während Pechstein via Facebook konterte, dass ihr Lebenspartner von "einem vermutlich psychisch Kranken öffentlich erpresst, verleumdet und denunziert" werde, erklärte Matthias Große der Deutschen Presse-Agentur: "Angriff ist die beste Verteidigung. Natürlich habe ich dem Typ gekündigt, der vier Monate keine Miete gezahlt, Geld aus der Kasse und einen Laptop gestohlen hat. Nun will er mich unter Missbrauch von Claudias Popularität provozieren. Ich habe mehrere Anzeigen erstattet."

Pechstein versucht, beim Wettkampf die belastenden Geschehnisse auszublenden. In Berlin geht es um viel, ihr Kurs Richtung WM soll möglichst nicht weiter gestört werden.