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| 12:04 Uhr

Radsport
Muss Levy für den Bahnvierer bremsen?

Solche Lücken wie hier beim Bahntraining von Maximilian Levy mit dem LKT Team darf es dann beim Vierer nicht geben.
Solche Lücken wie hier beim Bahntraining von Maximilian Levy mit dem LKT Team darf es dann beim Vierer nicht geben. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Das Experiment mit Maximilian Levy als Anfahrer für einen Bahnvierer vom LKT-Team Brandenburg stößt auch beim Sprint-Bundestrainer auf Wohlwollen. Detlef Uibel hat nur eine Sorge. Von Frank Noack und Jan Lehmann

Ein Sprinter im Bahnvierer, dieses Experiment mit Maximilian Levy als geplantem Anfahrer für den LKT-Vierer hat am Rande der International Cycling Days des RK Endspurt Cottbus für Diskussionen gesorgt. Der Cottbuser Sprinter bekam viel Zuspruch für seinen Plan. Selbst Kurzzeit-Bundestrainer Detlef Uibel hat keine Einwände. Er sagte auf der Cottbuser Radrennbahn: „Ich sehe das relativ entspannt. Wir haben mit Max ausgemacht, dass er einen Freibrief dafür hat, wie er seine Vorbereitung auf die Weltcup-Saison gestaltet.“ Der Coach betonte: „Max Levy ist ein Athlet, der mittlerweile genau weiß, was er tun muss, um seine Ziele zu erreichen.“

Dass der 30-Jährige mal umsattelt, empfindet Uibel sogar als „befruchtend“ und erklärte: „Max macht über viele Jahre das Krafttraining und das spezifische Bahntraining. Wenn du da mal rausgehst, ohne dann Urlaub zu machen, ist das positiv zu bewerten.“ Allerdings bemerkte Uibel: „Man muss gegensteuern, wenn man merkt, dass man gewisse Kraftfähigkeiten verliert. Aber da ist Max gefordert. Ich denke, ihm ist genau bewusst, wo seine Grenzen liegen.“

Dass diese neue Taktik mit dem Sprinter als Anfahrer funktionieren kann, davon ist auch der Sprint-Bundestrainer genau wie LKT-Coach Heiko Salzwedel überzeugt. Levy soll als Anfahrer mindestens drei Runden führen und das Team möglichst schnell auf eine hohe Geschwindigkeit bringen. Der Vierer soll durch ihn weniger Führungswechsel machen müssen – die kosten Zeit und sind eine Fehlerquelle. Was nach einer Revolution klingt, war zumindest ähnlich schon vor vielen Jahren in Cottbus zu sehen. Detlef Uibel erinnert daran: „Diese Kombination gab es ja schon zu DDR-Zeiten. Lothar Thoms ist ja beispielsweise als 1000-Meter-Fahrer auch Vierer gefahren.“

Allerdings hat der Sprint-Trainer eine Sorge: „Ich sehe nur das Problem, dass die Männer, die hinter Max fahren, überpacen könnten.“ Uibel berichtete: „Weil international inzwischen so unheimlich hohe Übersetzungen gefahren werden,  haben viele Ausdauerfahrer Probleme mit der Kraft. Die bringt Max als Sprinter ja mit. Da kann er sicherlich für das Anfahren und für das Beschleunigen helfen.“

Die Frage sei eben nur, ob die Fahrer hinter ihm das Tempo halten und später noch weiter beschleunigen können. Doch mit Henning Bommel (35), Stefan Schäfer (32) und Roger Kluge (32), die alle Mitglieder beim RK Endspurt Cottbus sind, ist der geplante Legionärs-Vierer des LKT Team Brandenburg stark besetzt. Der Sprint-Star vom RSC Cottbus sollte also für die Hintermänner nicht bremsen müssen – oder im Training wegen des geringeren Tempos gar seine Explosivität verlieren.

Levy erklärte zur RUNDSCHAU-Berichterstattung über das vieldiskutierte „Levy-Experiment“ via „Facebook: „Es bedeutet nicht, dass ich jetzt ein Ausdauerfahrer im klassischen Sinn werde. Gerade bei diesem Projekt sind meine Fähigkeiten als Sprinter gefragt, und die gilt es nicht zu vernachlässigen.“

Das ist ganz im Sinne von Sprint-Bundestrainer Uibel. Denn für den gilt: Die Qualifikation der Sprinter für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio steht über allem. Der Olympiazyklus beginnt mit der Weltcup-Saison im Oktober in Paris. Dort soll auch Maximilian Levy starten. Weil aus sechs Weltcups die drei besten Ergebnisse im Teamsprint gewertet werden, sagt Uibel: „Der Plan ist es, dass wir zumindest in den ersten vier Weltcups mit unserer ersten Reihe starten.“

Mit der Qualifikation im Teamsprint sichert man sich automatisch auch die Startplätze im Sprint und Keirin. Deshalb ist Levys Explosivität fürs ganze Kurzzeit-Team wichtig – ganz ohne Experimente.

Bundestrainer
 Detlef Uibel sieht Levys 
Ausflug in den Ausdauerbereich entspannt.
Bundestrainer Detlef Uibel sieht Levys Ausflug in den Ausdauerbereich entspannt. FOTO: Frank Hammerschmidt
Bei dem besonderen Wettbewerb in Gera trat Emma Hinze mit ihrem Bahnrad auf der Straße an.  Foto: Hammerschmidt
Bei dem besonderen Wettbewerb in Gera trat Emma Hinze mit ihrem Bahnrad auf der Straße an. Foto: Hammerschmidt FOTO: Frank Hammerschmidt
Nachwuchshoffnung I: Nik Schröter (18/RSC Cottbus) belegte Platz zwei im Junioren-Sprint.
Nachwuchshoffnung I: Nik Schröter (18/RSC Cottbus) belegte Platz zwei im Junioren-Sprint. FOTO: Frank Hammerschmidt