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| 16:06 Uhr

Fußball
Mr. Unantastbar: Minge gewinnt Machtkampf

Dynamos Fußball-Legende und Sportgeschäftsführer Ralf Minge ist für die mächtige Fanszene unantastbar. Nach den internen Querelen ist der Machtkampf in Dresden damit entschieden.
Dynamos Fußball-Legende und Sportgeschäftsführer Ralf Minge ist für die mächtige Fanszene unantastbar. Nach den internen Querelen ist der Machtkampf in Dresden damit entschieden. FOTO: Eibner Pressefoto / Schueler / Eibner - Pressefoto
Dresden. Der Machtkampf bei Dynamo Dresden ist entschieden, das Präsidium hat ihn verloren und wohl auf Druck der organisierten Fans hingeschmissen. Die hatten sich klar hinter Sportgeschäftsführer Ralf Minge positioniert.

Es war mal wieder eine Machtdemonstration der Dynamo-Fans. Nachdem das komplette Präsidium des Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden am Sonntag sein Amt niederlegte, war klar, dass der seit Sommer tobende Kampf zwischen den Geschäftsführern Ralf Minge (Sport) und Michael Born (Kaufmännisches) nur einen Sieger hervorbringen wird. Denn für eine Seite war er schwer zu gewinnen, weil er auch gegen die ausgetragen wird, die dem sächsischen Traditionsclub seit jeher die Treue halten und eine Schlüsselposition im Verein innehaben: die aktive Fanszene.

Die hat sich klar positioniert, steht geschlossen hinter Sportgeschäftsführer Minge, um dessen Ablösung es Bestrebungen gegeben haben soll. Auch wenige Stunden vor dem Rücktritt des Präsidiums zeigten sich die Fans während der Partie gegen Greuther Fürth mithilfe von Spruchbändern solidarisch – für Minge.

Im von den Ultras herausgegebenen Magazin „Zentralorgan“ ging es noch weiter: „Sollten in den nächsten Tagen und Wochen hier weitere Intrigen aufgedeckt werden, könnte es ungemütlich für die betreffenden Personen werden.“ Aufsichtsratschef Jens Heinig gab zwar „große atmosphärische Herausforderungen“ zu, er betonte aber auch: „Der Verein ist im Tagesgeschäft weiter voll handlungsfähig.“ Das Präsidium um Ex-Chef Andreas Ritter besitzt im Klub hauptsächlich repräsentative Aufgaben. In einer außerordentlichen Sitzung sollen Schritte zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit des Gremiums eingeleitet werden.

Der Einfluss der aktiven Fanszene ist groß. Bereits in der Vereins-Satzung ist die Mitgliederversammlung als das oberste Vereinsorgan benannt. Minge ist einer von ihnen, er ist authentisch, lebt den Verein. Ihm hat man viel zu verdanken. Zusammen mit seinen Mitarbeitern hat der 57-Jährige nach dem Zweitliga-Abstieg 2014 einen kompletten Neuanfang gewagt und den einst hochverschuldeten Chaos-Club grundlegend saniert. Vier Jahre später ist Dynamo schuldenfrei, erwirtschaftet Gewinne und spielt inzwischen die dritte Zweitliga-Runde in Serie. Der Ex-Präsident Andreas Ritter bezeichnete Minge einst als „Vater des Erfolgs“.

Erst Ende Juli war der ehemalige Dynamo-Mittelstürmer (111 Tore in 241 Spielen) nach seinem krankheitsbedingten Ausfall zurückgekehrt, fehlte rund vier Monate aufgrund eines Burnouts. In einer ersten Amtshandlung holte er den langjährigen Mannschaftsleiter Martin Börner zurück, der zuvor entnervt gekündigt hatte. Auch soll sich Minge schützend vor die Mitarbeiter der Geschäftsstelle gestellt haben, die in einem Brief an den Aufsichtsrat Borns Führungsstil kritisierten. Auch soll ihm die Verpflichtung vom neuen Trainer Maik Walpurgis vorgeworfen worden sein, die habe der Sport-Boss ohne Rücksprache mit Born und dem Aufsichtsrat vorgenommen – handelte somit in seinem Aufgabenbereich. Kapitän Marco Hartmann hatte zuletzt öffentlich Minge den Rücken gestärkt und dabei im Namen der Mannschaft gesprochen: „Es gibt für uns keinen anderen, der in diesem Verein wichtiger ist. Das weiß jeder.“

Der Versuch von seiner Ablösung wirkt wie ein Affront gegen all das, wofür Dynamo Dresden eigentlich stehen möchte. „Wir sind die Sportgemeinschaft Dynamo Dresden. Unsere Urkraft liegt im Zusammenhalt, erwachsen aus Erfolgen, Niederlagen und Umbrüchen“, heißt es bereits im ersten Punkt des selbstverordneten Leitbildes. „Probleme und Meinungsverschiedenheiten lösen wir im aktiven Dialog“, heißt es in Punkt neun.

Auch wegen der besonderen Emotionalität hatte sich Trainer Maik Walpurgis vor wenigen Wochen für Dynamo als neuen Verein entschieden – jetzt bekommt er diese mit voller Wucht zu spüren. Abgeschreckt ist er deswegen nicht: „Ich bin davon überzeugt, dass wenn es mal Probleme gibt, was auch völlig menschlich ist, sich alle größte Mühe geben und gewillt sind, die Reihen in Zukunft zu schließen.“

Geschäftsführer Michael Born soll versucht haben, Minge zu entmachten.
Geschäftsführer Michael Born soll versucht haben, Minge zu entmachten. FOTO: dpa / Maja Hitij
Ex-Präsident 
Andreas Ritter erhielt unmissverständliche Drohungen aus der Fanszene.
Ex-Präsident Andreas Ritter erhielt unmissverständliche Drohungen aus der Fanszene. FOTO: dpa / Arno Burgi
Der neue Trainer 
Maik Walpurgis 
wurde auf 
Minges Willen hin verpflichtet.
Der neue Trainer Maik Walpurgis wurde auf Minges Willen hin verpflichtet. FOTO: Eibner-Pressefoto / Mario Hommes /Eibner-Pressefoto
Dynamos 
Kapitän Marco 
Hartmann sprach sich pro Minge aus.
Dynamos Kapitän Marco Hartmann sprach sich pro Minge aus. FOTO: Eibner Pressefoto / Eibner-Pressefoto/Harry Langer
(dpa)