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Mr. E ist nur noch Ehrenpräsident

"Einfach weg":Bernie Ecclestone
"Einfach weg":Bernie Ecclestone FOTO: dpa
London. Bernie Ecclestone ist weg, neue Führung da. Mit einem Trio will der neue Formel-1-Eigentümer Liberty Media die Königsklasse des Motorsports auf einen neuen Erfolgskurs bringen. Ecclestone ist jetzt eine Art Ehren präsident. Sein Rat bleibt jedoch teuer. Martin Moravec, Jens Marx und Christian Hollmann / dpa/noc

Nach der Entmachtung von Bernie Ecclestone hat der neue Formel-1-Chef bereits einen neuen Kurs eingeschlagen und seine gewaltige Macht im Milliardengeschäft der Königsklasse aufgeteilt. Auf das Know-how des vier Jahrzehnte alleinherrschenden Ecclestone will Chase Carey aber auch nicht verzichten. "Er hat einzigartigen Einblick in das Geschäft, versteht es vermutlich besser als jeder andere. Sein Rat wird von unschätzbarem Wert sein", sagte Carey dem britischen TV-Sender Sky Sports.

Ehrenpräsident - mehr bleibt Ecclestone aber letztlich nicht. Sein Lebenswerk ist nun in Händen von Liberty Media, dem neuen Formel-1-Geschäftsführer Carey und dessen beiden neuen Direktoren Ross Brawn und dem langjährigen ESPN-Manager Sean Bratches. "Sich mit Ross, der die Formel 1 genau kennt, und mit Sean, der auf der kommerziellen Seite absolut sattelfest ist, Verstärkung, eine geballte Kompetenz zu holen, das sind generell gute Nachrichten für uns", befürwortete Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff im Interview der Deutschen Presse-Agentur die ersten Weichenstellungen.

Lob für Ecclestones Leistung in 40 Jahren seit der Übernahme der TV- und Vermarktungsrechte - Respekt vor dem, was der Brite danach aus der Formel 1 machte. Der Verkaufspreis von acht Milliarden Dollar sei Beweis genug, meinte Carey anerkennend.

"Bernie, mega Job! Aber ein Wandel war überfällig", kommentierte der nach seinem WM-Triumph im vergangenen Jahr zurückgetretene Nico Rosberg den erwarteten, dann aber doch abrupten Wechsel an der Spitze der Formel 1. Stolz verspürte der 86-Jährige selbst rückblickend in der offiziellen Mitteilung von Liberty Media. Seinen erzwungenen Abgang hatte er aber zuvor schon verraten. "Bin einfach weg", hatte das Fachmagazin "Auto, Motor und Sport" am Montagabend Ecclestone zitiert.

Mr. E ist weg, die Formel 1 soll nun aber eine neue Hoch-Zeit erleben, in rund zwei Monaten startet die Saison mit dem Großen Preis von Australien. Ob dann schon Veränderungen spürbar sind und sich der personelle Wandel auch im Albert Park von Melbourne niederschlägt, bleibt abzuwarten.

Konkrete Pläne sind noch nicht bekannt. Doch Liberty Media wird dem Vernehmen nach durch TV-Rechte, eine bessere Digital-Strategie, verstärkte Bemühungen auf dem US-Markt und Investoren-Modelle die Einnahmen weiter steigern wollen - dabei könnten auch die Rennställe selbst an der neuen Formel 1 beteiligt werden.

Traditionskurse wie Silverstone oder Hockenheim setzen Hoffnungen in die neue Führung. "Es gibt Hinweise, dass die neuen Besitzer auf Traditionsrennstrecken Wert legen und wir hoffen, dass auch Hockenheim im Kalender bleibt", sagte Strecken-Geschäftsführer Georg Seiler. "Wir haben einen Vertrag für 2018 und haben klar gemacht, dass wir kein finanzielles Risiko in einem solchen Vertrag verankert wissen wollen."

Finanzielle Risiken wälzte Ecclestone gerne ab. Die Entwicklung seines Lebenswerks wird er mit Interesse verfolgen. "Meine Tage im Büro werden jetzt etwas ruhiger", sagte der frühere Gebrauchtwagenhändler. "Vielleicht komme ich auch mal zu einem Grand Prix. Ich habe immer noch viele Freunde in der Formel 1. Und ich habe noch genug Geld, um mir den Besuch bei einem Rennen leisten zu können."

Zum Thema:
Dem neuen Formel-1-Chef Chase Carey wird nachgesagt, engster Vertrauter von Medienmogul Rupert Murdoch außerhalb dessen Familie zu sein, dem Hauptanteilseigner des neuen Formel-1-Besitzers Liberty Media. Dessen Vertrauen verdiente sich Carey durch den Aufbau der Fox-Senderkette in den USA in den 80er-Jahren. Carey, Jahrgang 54, ist Harvard-Absolvent und ehe maliger Präsident von 21st Century Fox.