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| 17:24 Uhr

Radsport
Mit Schippe, Charme und Optimismus

Steffi Marth arbeitete in den vergangenen mit ihren Mitstreitern vom RSV Plessa an der Rennstrecke auf dem Vereinsgelände.
Steffi Marth arbeitete in den vergangenen mit ihren Mitstreitern vom RSV Plessa an der Rennstrecke auf dem Vereinsgelände. FOTO: Steffi Marth
Plessa. Die Profi-Radsportlerin Steffi Marth organisiert in Plessa das Bike Festival. Dafür packt sie in ihrer Heimat selbst kräftig mit an. Von Jan Lehmann

Was wünscht man sich als Freiluftsportler in diesen Tagen unbedingt? „Regen, wir brauchen dringend Regen“, sagt die mehrfache deutsche Mountainbike-Meisterin Steffi Marth aus Plessa. Die zweifache WM-Medaillengewinnerin will dabei keineswegs das Metier wechseln und zum Wassersport gehen. Doch weil es seit Wochen nicht geregnet hat, müssen bei den Vorbereitungen für das Bike Festival Plessa am 1. September andere Maßnahmen ergriffen werden.

Beim RSV Plessa im Elbe-Elster-Kreis wird in diesen Tagen kräftig geschippt und gebaggert, die Rennstrecken sollen für den großen Tag bereit sein. Doch ohne Regen ist das eine ziemliche Staubwüste, die Piste hält nicht richtig. Am Mittwoch wurden nun schon die ersten Kurven mit Beton weiter verfestigt – damit das Festival nicht ins Wasser fällt.

Die Veranstaltung ist für Steffi Marth eine Herzensangelegenheit. Die 32-Jährige, die als Profi-Radsportlerin um die Welt tourt, Rennen fährt und zudem für Rad-Firmen mit spektakulären Videos und Fotos eine charmante Werbefigur abgibt, hat ihre Heimat nie vergessen. Sie sagt: „Als ich vor 20 Jahren angefangen habe, wurde ich in Plessa großartig gefördert. Jetzt ist der Radsport hier ein bisschen eingeschlafen. Mit dem Festival wollen wir den Leuten bewusst machen, welche Tradition wir hier haben.“

Neben der BMX-Strecke wurde in Plessa im Elbe-Elster-Kreis auch ein Pumptrack angelegt. Dort bewegen sich die Fahrer ohne zu treten nur durchs Schwungholen fort.
Neben der BMX-Strecke wurde in Plessa im Elbe-Elster-Kreis auch ein Pumptrack angelegt. Dort bewegen sich die Fahrer ohne zu treten nur durchs Schwungholen fort. FOTO: Nathan Hughes / NATHAN HUGHES

Tatsächlich ist der kleine 3000-Einwohner-Ort an der B169 ein gutes Radsport-Pflaster. Einst begann hier Axel Peschel seine Laufbahn, um als Sieger der Friedensfahrt (1968) und DDR-Einzelmeister im Straßenfahren (1970) große Erfolge zu feiern.

Schon um 1900 war in Plessa der erste Radsportverein namens „Germania“ gegründet worden und spätestens mit der BSG Aktivist Plessa gab es an der schwarzen Elster sportliche Höchstleistungen. Unter der Leitung von Hans Joachim Weinhold besteht seit 1995 der Radsportverein RSV Plessa 95, welcher sich nunmehr seit über 20 Jahren auf der eigenen BMX-Anlage vorrangig mit der seit 2008 olympischen Sportart BMX Race beschäftigt.

Steffi Marth ist aktuelle deutsche Meisterin im Fourcross, einer Mountainbike-Disziplin. Für das Bike Festival Plessa hat sie auch einen namhaften Mountainbike-Coach eingeladen.
Steffi Marth ist aktuelle deutsche Meisterin im Fourcross, einer Mountainbike-Disziplin. Für das Bike Festival Plessa hat sie auch einen namhaften Mountainbike-Coach eingeladen. FOTO: Nathan Hughes / NATHAN HUGHES

Doch Steffi Marth betont: „Wir haben hier mehr als BMX, auch im Mountainbike gibt es viele verschiedene Disziplinen. Wir wollen den Zuschauern dabei so viel wie möglich bieten.“ Dafür packt Steffi Marth kräftig mit an. Mit etwa zehn Mitstreitern war sie in den vergangenen Tagen immer wieder mit der Schaufel auf der Strecke im Einsatz. Zudem kümmert sie sich darum, dass auch das Rahmenprogramm beim Festival passt. Einige ihrer Sponsoren bauen Stände auf, ein Mountainbike-Fachgeschäft aus Dresden wird ebenfalls vor Ort sein. Zudem ist ein Flohmarkt geplant, auf dem die Fahrer ihr gebrauchtes Equipment anbieten können. Eine Tombola mit einem Mountainbike als Hauptgewinn sowie eine abendliche Party mit DJ Stephan Gold gehören ebenfalls zum Programm.

„Das ist ehrlich gesagt größer geworden, als ich mir das anfangs vorgestellt habe. Und es ist auch mehr zu tun, als ich gedacht habe“, sagt Steffi Marth. Doch sie betont: „Wir kriegen das schon hin.“

Die ehemalige Schülerin der Lausitzer Sportschule in Cottbus ist für ihren Optimismus bekannt – und für ihre Waghalsigkeit. Das stellte sie zuletzt mal wieder unter Beweis. Eigentlich hatten ihr die Ärzte geraten, keine Rennen mehr zu bestreiten. Schwerste Verletzungen an Arm und Handgelenk nach einem Sturz bei der Deutschen Fourcross Meisterschaft in Eisenhüttenstadt vor zwei Jahren schienen das Stoppschild für ihre Karriere zu sein. Doch Steffi Marth ließ sich davon nicht abhalten. Sie startete im Mai bei der Deutschen Meisterschaft und holte sensationell ihren fünften DM-Titel. Bei der WM in Juli in wurde sie dann Fünfte.

In Plessa will Steffi Marth beim Pumptrack-Rennen an den Start gehen –  „wenn ich an diesem Tag dafür Zeit finde“, sagt sie. Steffi Marths großer Wunsch sind viele Zuschauer für ihr Herzensprojekt. Dafür wäre es natürlich praktisch, wenn es am 1. September dann nicht regnet.