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| 06:15 Uhr

Leichtathletik
Mit Anlauf zurück auf die große Bühne

Antje Möldner-Schmidt hat sich in den vergangenen Monaten wieder ein gutes Niveau erarbeitet. Bei den deutschen Meisterschaften zuletzt in Nürnberg – dem Härtetest für die EM – holte die Hindernisläuferin Silber.
Antje Möldner-Schmidt hat sich in den vergangenen Monaten wieder ein gutes Niveau erarbeitet. Bei den deutschen Meisterschaften zuletzt in Nürnberg – dem Härtetest für die EM – holte die Hindernisläuferin Silber. FOTO: Imago Sportdienstfoto GmBH / Julia Rahn
Cottbus. Bei der EM in Berlin gibt Antje Möldner-Schmidt (34) ihr Comeback nach Babypause. Hinter ihr liegt kein leichter Weg. Von Mirjam Danke

Von Nervosität keine Spur. Antje Möldner-Schmidt strahlt große Gelassenheit aus, sie ist ganz im Hier und Jetzt präsent. An das, was da in sechs Tagen bevorsteht, mag die Leichtathletin vom LC Cottbus noch nicht denken. Die markante blaue Bahn im Berliner Olympiastadion – sie ist noch ganz weit weg. „Ich bin froh, dass es vom Kopf her noch so entspannt ist“, erzählt die 34-Jährige. „Ich will jetzt noch keine Gedanken an die EM verlieren, das raubt einem nur Energie. Wenn die Spannung am Wettkampftag da ist, dann passt das schon.“

Eben dieser Wettkampftag wird nicht irgendein Wettkampftag sein. Es ist das Comeback der Hindernisläuferin auf der internationalen Bühne. Sich endlich wieder messen mit den besten Athletinnen Europas, vor großer Kulisse um eine vordere Platzierung kämpfen – das wollte die Europameisterin von 2014 nach ihrer Babypause unbedingt noch einmal erleben.

Vor zwei Jahren und vier Monaten brachte Antje Möldner-Schmidt Töchterchen Lilli Marie zur Welt, am Ostersonntag 2016. Siebeneinhalb Monate später war für die junge Mama klar, dass sie es noch einmal wissen will. „Bei der EM 2018 will ich da anknüpfen, wo ich 2014 aufgehört habe“, verkündete sie fest entschlossen. Für Ehemann Lars war es selbstverständlich, dieses Vorhaben voll und ganz zu unterstützen. „Wenn man eine Sportlerin zu Hause auf der Couch sitzen hat, die signalisiert, dass es noch kribbelt, dann kann man nur mitziehen“, erklärte er damals.

Vor vier Jahren wurde Antje Möldner-Schmidt in Zürich Europameisterin. Seitdem hat sie keine großen internationalen Rennen mehr bestritten.
Vor vier Jahren wurde Antje Möldner-Schmidt in Zürich Europameisterin. Seitdem hat sie keine großen internationalen Rennen mehr bestritten. FOTO: dpa / Jean-Christophe Bott

Nach einer Babypause zurück in den Leistungssport – das haben vor der Cottbuserin zwar schon einige Athletinnen geschafft. Und sie selbst hat schließlich schon einmal ein grandioses Comeback gefeiert, als sie sich nach ihrer überwundenen Krebserkrankung mit unbändigem Willen zurückkämpfte und EM-Gold gewann. Für die Hindernisläuferin war es jedoch eine große Unbekannte,  wie sich der Leistungssport wohl mit dem Muttersein vereinbaren lässt. „Bei den anderen Müttern im Leistungssport sieht das immer so leicht aus“, ist Antje Möldner-Schmidt erstaunt. „Ich habe erwartet, dass es einfacher ist nach einer Schwangerschaft“, räumt sie ein.

Nicht nur, dass das Muttersein sie täglich fordert („Die Kleine braucht mich ja“) und zwischen den Trainingseinheiten nicht einfach nur Ausruhen angesagt ist. Auch von ihrem Körper nahm die Spitzen-Athletin plötzlich ungekannte Signale wahr. „Am Anfang wollte der Kopf ein bisschen mehr“, erzählt sie. „Da musste ich dann langsamer machen und Umfänge reduzieren.“ Schnell wurde ihr klar: „Man kann nur mit dem arbeiten, was man hat.“

Für ihr Comeback schuftete die 34-Jährige in insgesamt vier Trainingslagern, unter anderem in Südafrika. Dort wurde im Stadionrund auf Rasen gesprintet.
Für ihr Comeback schuftete die 34-Jährige in insgesamt vier Trainingslagern, unter anderem in Südafrika. Dort wurde im Stadionrund auf Rasen gesprintet. FOTO: Antje Möldner-Schmidt

Der eine oder andere Infekt kam noch hinzu, zudem Probleme im Beckenbreich – es war ein recht mühsamer Anlauf zurück ins Leistungssportlerleben. Nicht zu vergessen ist, dass Möldner-Schmidt auch schon vor ihrer Schwangerschaft durch eine Fuß-Operation ausgebremst worden war. Im Endeffekt habe sie rund eineinhalb Jahre nichts machen können. Und dennoch: „Nach gut neun Monaten kontinuierlichem Training bin ich froh, jetzt da zu stehen, wo ich gerade bin“, resümiert sie.

Die Athletin des LCC ist zufrieden mit ihrer Ausdauerentwicklung. Dabei wurden nicht nur bei Läufen an der Spree oder Tempoeinheiten im Leichtathletik-Stadion die Pläne ihrer Trainerin Beate Conrad umgesetzt. Ihr früheres Niveau hat sich die Cottbuserin auch in ingesamt vier Höhentrainingslagern in Südafrika und St. Moritz zurückerarbeitet. Und dabei gelernt: „Mein Körper braucht mittlerweile mehr Regeneration, das kommt mit dem Alter.“

34 ist Antje Möldner-Schmidt in diesem Jahr geworden. Genau an ihrem Geburtstag knackte sie die EM-Norm über 3000 Meter Hindernis. Der große Traum von der Heim-EM in Berlin – vier Jahre nach ihrem Gold-Lauf von Zürich – ist damit wahr geworden. „Natürlich wäre es schön, eine Medaille mit nach Hause zu nehmen“, sagt sie gelassen lächelnd. Doch es bleibt dabei: Zu viele Gedanken will sie an diesen Wettkampf noch nicht verschwenden. „Ich lasse das einfach auf mich zukommen.“

Und nach der EM – worauf freut sich Antje Möldner-Schmidt da am meisten? „Ganz für meine Familie da zu sein – und auf Urlaub.“ Für den Kopf sei es wichtig, „abzuschalten und mal was anderes zu machen“. Genaue Pläne für die Wochen nach diesem Comeback auf internationaler Bühne gibt es noch nicht, ein Badeurlaub steht hoch im Kurs. Ehemann Lars hat für den Familienurlaub nur einen einzigen Wunsch, wie die 34-jährige Leistungssportlerin lachend verrät: „Ich darf keine Turnschuhe mitnehmen.“