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| 02:38 Uhr

Mission "Bester Deutscher" läuft

"Ich möchte der beste Deutsche in der MotoGP werden", betonte Jonas Folger nach seinem sensationellen zweiten Platz auf dem Sachsenring.
"Ich möchte der beste Deutsche in der MotoGP werden", betonte Jonas Folger nach seinem sensationellen zweiten Platz auf dem Sachsenring. FOTO: dpa
Hohenstein-Ernstthal. Auf dem Sachsenring gelang Jonas Folger der bislang größte Erfolg seiner Karriere in der weltweit höchsten Motorradklasse. Der neue deutsche Top-Fahrer will mehr. Anke Wieczorek und Sandra Degenhardt

Nach dem größten Erfolg seiner Karriere gönnt sich Jonas Folger erstmal eine Pause. Eine Woche Urlaub in Griechenland soll die Akkus der neuen deutschen MotoGP-Hoffnung aufladen, um ab August in der zweiten Saisonhälfte an seine Sensationsfahrt auf Platz zwei beim Heim-Grand-Prix auf dem Sachsenring anzuschließen. Und Folger will mehr. "Seit Langem konnte kein Deutscher in der MotoGP gut abliefern. Ich habe eine Mission: Ich möchte der beste Deutsche in der MotoGP werden", sagte der 23-Jährige.

Und dass das nicht abwägig ist, zeigte der Schwindegger auf dem legendären Sachsenring mit einer famosen Leistung, inklusive der ersten Führungskilometer in der Königsklasse. "Das war das geilste Rennen meiner Karriere. Der zweite Platz ist mehr wert als meine bisher fünf Grand-Prix-Siege", sagte Folger, für den vor dem Re-Start ab 4. August im tschechischen Brünn noch der Umzug mit Freundin Annamaria ins neugebaute Haus in Oberbergkirchen ansteht.

Vor den motorradfreien Tagen in der Sonne geht es für den Bayern aber erst noch zu seinem Team nach Frankreich, inklusive weiterer Trainingseinheiten. Denn nicht nur Folgers Erkenntnis nach dem Spektakel auf dem Sachsenring ist: Mit ihm hat Deutschland wieder einen Top-Fahrer in der Königsklasse. Auch Folgers Idol, der neunmalige Weltmeister Valentino Rossi, hat den Bayern nun endgültig auf der Rechnung. "Jonas wird auch in Zukunft schnell sein", sagte Italiens Superstar.

Es war nur eine Frage der Zeit, wann Folger auf's Podest in der MotoGP fährt. Dass es aber so schnell passiert, damit hätte niemand gerechnet. Denn bisher hat der Rookie erst neun MotoGP-Rennen auf seiner Yamaha Tech3 absolviert. Das letzte deutsche MotoGP-Podium holte vor vier Jahren Stefan Bradl.

Den bisher einzigen deutschen Sieg in der höchsten Motorrad-Klasse fuhr Edmund Czihak 1974 auf dem Nürburgring ein, vor drei Landsleuten. Aber wohl nur, weil die Top-Fahrer wegen mangelnder Sicherheit damals auf einen Start verzichtet hatten. Die beste WM-Endplatzierung eines Deutschen in der Königsklasse schaffte Walter Zeller, als er 1956 in der 500-cm³-Klasse WM-Zweiter wurde. Er ist mit fünf Podiumsplätzen in der Königsklasse auch bester Deutscher. Folger müsste also auf sechs Podestplätze kommen, um sein Ziel zu erreichen.

Mit Folgers Platz zwei ging für ihn, seine Familie und sein Team ein langgehegter Traum in Erfüllung. Zum Heim-Grand-Prix waren Eltern, Schwester, Onkel und Freunde angereist. Vater Jakob gestand unter Tränen: "Wir haben gezittert. Jetzt ist klar, dass Jonas wirklich das Talent ist, von dem immer gesprochen wurde."

Der Blondschopf wurde schon als Kind als deutsche Nachwuchshoffnung im Motorradrennsport gehandelt. Im Alter von drei Jahren pflügte er bereits über die umliegenden Wiesen seines Elternhauses. Er fuhr mit Minibikes, qualifizierte sich als eines von zwei weltweit ausgesuchten Talenten für ein Jugendförderprogramm in Spanien. Folger absolvierte eine harte Schule und verfolgte immer eisern sein Ziel, in der Motorrad-Weltmeisterschaft fahren zu können. Ein Sieg ist nur eine Frage der Zeit.