| 02:40 Uhr

Misserfolge, Missverständnisse und Missstimmung bei Schwimm-WM

Auf Chefbundestrainer Henning Lambertz prasselt viel Kritik ein.
Auf Chefbundestrainer Henning Lambertz prasselt viel Kritik ein. FOTO: dpa
Budapest. Nach dem Olympia-Debakel in Rio sollte es wieder aufwärts gehen für den DSV. In Budapest kam bis auf Silber für Franziska Hentke aber nichts Zählbares heraus. Holger Schmidt und Thomas Eßer

Es passte ins Bild dieser aus deutscher Sicht so unglücklichen Schwimm-WM in Budapest, dass nicht einmal Retterin Franziska Hentke ein Happy End vergönnt war. Als die Vize-Weltmeisterin nach der einzigen Siegerehrung mit deutscher Beteiligung vom Podium stieg, verpasste sie die letzte Treppenstufe und zog sich eine schmerzhafte Bänderdehnung zu.

Dabei war Hentke der mit Abstand größte deutsche Lichtblick einer ansonsten von Misserfolgen, Missverständnissen und Missstimmung geprägten WM für den DSV. Mit ihrem zweiten Platz über 200 Meter Schmetterling hatte die 28-Jährige verhindert, dass der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) nach zwei Nullnummern in Folge bei Olympia auch die erste WM ohne Medaille der Beckenschwimmer erlebte.

Die Bilanz ist dennoch die schlechteste in der WM-Geschichte des DSV. Bei 25 Starts an acht Wettkampftagen war der DSV in nur fünf Endläufen vertreten und damit nur halb so vielen wie 2013, als ebenfalls nur einmal Silber im Medaillenspiegel stand. Niemand außer Hentke war besser als Siebter, die einzigen deutschen Rekorde stammen von Aliena Schmidtke über 50 Meter Schmetterling - einer nicht-olympischen Disziplin. Von den drei Staffeln, die alle das Finale erreichen sollten, schaffte es nur eine - als Nachrücker wegen einer Disqualifikation.

Chefbundestrainer Henning Lambertz rückte aufgrund des ausgebliebenen Aufschwungs, seines neues Trainingskonzepts und angeblicher Kommunikationsprobleme in den vergangenen Tagen vermehrt ins Zentrum mancher Kritik. Der DSV steht derzeit aber felsenfest hinter ihm.

Das Abschneiden in Budapest wertete Lambertz überraschend positiv. "Manches ist nicht optimal gelaufen, aber insgesamt macht uns das Auftreten hier Mut für die Zukunft", sagte er: "Natürlich wünscht man sich von dem ein oder anderen einen Tick mehr. Aber im Grunde genommen wurden die Erwartungen erfüllt. Von daher ist alles erstmal so in Ordnung."

Auf die Nachfrage, ob er seinen Führungsstil überdenken müsse, antwortete Lambertz: "Mein Team bestätigt mir jeden Tag ein wahnsinnig harmonisches, kommunikatives und freundliches Miteinander. Und ich glaube nicht, dass mich alle anlügen."

Philip Heintz hatte dem Bundestrainer nach seinem enttäuschenden siebten Platz über 200 Meter Lagen falsche Trainingsgestaltung und mangelndes Vertrauen vorgeworfen. Kurz darauf kam durch die "Süddeutsche Zeitung" an die Öffentlichkeit, dass im Frühjahr 20 Schwimmer ein Schreiben an DSV-Präsidentin Gabi Dörries unterzeichneten, in dem unter anderem Kritik an den Rahmenbedingungen und am Führungsstil geäußert wurde.