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| 02:29 Uhr

Michel/Piersig lösen Olympia-Ticket

In Peking dabei (v.l.): Sebastian Piersig, Bundestrainer Jürgen Köhler und Felix Michel.Mit kräftigen Paddelschlägen von Spremberg nach Peking: Felix Michel (r.) und Sebastian Piersig haben sich seit Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele ist für die Deutschen Meister der vorläufige Höhepunkt ihrer Laufbahn.
In Peking dabei (v.l.): Sebastian Piersig, Bundestrainer Jürgen Köhler und Felix Michel.Mit kräftigen Paddelschlägen von Spremberg nach Peking: Felix Michel (r.) und Sebastian Piersig haben sich seit Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele ist für die Deutschen Meister der vorläufige Höhepunkt ihrer Laufbahn. FOTO: Lutz BroseFoto: camera 4
Felix Michel und Sebastian Piersig von der SG Einheit Spremberg haben die Olympia-Qualifikation des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) im C2-Canadier gewonnen und die Fahrkarte nach Peking gelöst. In dem bis zum achten und letzten Rennen offenen Ausscheid mit vier Booten auf Augenhöhe setzte sich das Duo in einer Nervenschlacht am Ende im Kanupark Markkleeberg sogar deutlich durch. Jetzt dürfen Michel/Piersig von einer Olympiamedaille träumen. Aus Markkleeberg berichtet <br> Thomas Juschus

Nach einem spannenden Wettbewerb löste sich um 11.04 Uhr am Ziel des 270 Meter langen Eiskanals im Süden Leipzigs die fast schon unerträgliche Spannung. In diesem Moment stand fest: Michel/Piersig haben die Qualifikation gewonnen. Nachdem beide Sportler das Ergebnis realisiert hatten, flossen Tränen des Glücks. Vor vier Jahren waren die Junioren-Weltmeister von 2002 bei den Olympischen Spielen in Athen als Vorfahrer dabei, in knapp 100 Tagen werden die Lausitzer Deutschlands Farben in Peking vertreten. „Ich bin überglücklich, einfach bombastisch“ , jubelte Felix Michel. Sebastian Piersig herzte Ehefrau Dana und seinen kleinen Sohn Elias, Felix Michel nahm Glückwünsche von Vater Lutz entgegen, mitgereiste Eltern und Großeltern, Freunde und Wegbegleiter aus Spremberg stimmten spontan das Ständchen „Hoch soll'n sie leben“ an. „Wir haben eine große Tradition in Spremberg, aber dieses Ergebnis ist für unseren Verein ein einmaliges Erlebnis“ , sagte Entdecker und Heimtrainer Armin Kießlich.
Vor dem Triumph mussten Michel/Piersig und ihre Anhänger allerdings ein Wechselbad der Gefühle durchleben. Die amtierenden Deutschen Meister waren mit einem kleinen Vorsprung von den ersten beiden Wettkampftagen in Augsburg nach Markkleeberg gereist (die RUNDSCHAU berichtete), verteidigten diese Führung auch am Samstag mit einem zweiten Platz in der Tageswertung. Im ersten von zwei Rennen des gestrigen Tages machten dann aber die Olympia-Zweiten von 2004, Marcus Becker/Stefan Henze (BSV Halle), fast vier Sekunden auf Michel/Piersig gut. Beinahe schon eine Vorentscheidung bei zuvor Abständen von Sekundenbruchteilen. Aber nur fast. Mit einem nahezu perfekten zweiten Lauf auf dem mit 22 Toren gespickten Kanal wendeten Michel/Piersig das Blatt. Becker/Henze zeigten Nerven, verfehlten ein Tor, kassierten 50 Strafsekunden und fielen in der Gesamtwertung sogar noch hinter David Schröder/Frank Henze (LKC Leipzig) auf Platz drei zurück. Vierte wurden Kay und Robin Simon (BSV Halle). „Wir hatten eigentlich zu viel Rückstand, haben uns im zweiten Lauf selbst übertroffen“ , resümierte Felix Michel. Und der 23-Jährige bekam Zustimmung von seinem Hintermann im Boot: „Wir sind total auf Angriff gefahren, während sich die anderen in Sicherheit gewogen haben. Das war der Schlüssel“ , so Sebastian Piersig.
„Das Ergebnis ist für mich nicht überraschend“ , sagte Bundestrainer Jürgen Köhler, „wir wussten um die Stärke von Michel/Piersig. Becker/Henze haben dagegen Nerven gezeigt. Wer sich hier unter diesen extremen Bedingungen durchsetzt, hat den Olympia-Start verdient.“
Nachdem für die beiden Sportsoldaten der Sportförderkompanie Sonthofen primär zunächst die Qualifikation für die Olympischen Spiele auf dem Plan stand, richtet sich jetzt natürlich verstärkt der Blick gen China. Bereits Ende Mai werden Michel/Piersig zusammen mit der DKV-Flotte zu einem zweiwöchigen Trainingslager nach Peking reisen. Und nachdem sich beide gegen die starke deutsche Konkurrenz durchgesetzt haben, reifen sicher in den nächsten Wochen Medaillenträume. „In Peking sind nur die Top-Boote dabei. Aber wir können mit guten Hoffnungen zu den Wettbewerben fahren“ , sagte Piersig, der zusammen mit seinem Partner bei den vorolympischen Wettbewerben im letzten August schon Platz drei belegte. „Wir werden jetzt natürlich versuchen, vorn mitzufahren“ , schickte Felix Michel hinterher. Zunächst steht aber die Freude über die geglückte Qualifikation im Vordergrund - gestern mit einer spontanen Feier, heute mit einer kleinen Ehrung im Spremberger Bootshaus.
Anne Rosentreter von der SG Einheit Spremberg hat sich gestern für die Junioren-WM qualifiziert.

Zum Thema Olympia-Qualifikation
Enstand C2-Canadier nach vier Wettkampftagen mit einem Streichergebnis:
1. Felix Michel/Sebastian Piersig (SG Eihenit Spremberg) + 0,54 %, 2. David Schröder/Falk Henze (LKC Leipzig) + 2,26, 3. Marcus Becker/Stefan Henze (BSV Halle) + 2,39, 4. Kay Simon/Robby Simon (BSV Halle) + 5,38.
Erklärung: Die jeweiigen Zeitrückstände werden in einen Prozentwert umgerechnet. Der Sieger eines Laufes/Wettkampftages wird mit null Prozent berechnet.
Weiter für Peking qualifiziert: Jennifer Bongardt (Köln), Alexander Grimm (Augsburg/beide Kajak-Einer), Jan Benzien (Leipzig/Canadier-Einer).