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Mehr als ein Fehler: Banusch muss Meistertrikot zurückgeben

Titelträger für zwei Tage: Richard Banusch (M.) vom LKT-Team Brandenburg muss sein Meistertrikot an Patrick Haller (l./rad-net ROSE) abgeben.
Titelträger für zwei Tage: Richard Banusch (M.) vom LKT-Team Brandenburg muss sein Meistertrikot an Patrick Haller (l./rad-net ROSE) abgeben. FOTO: Roth
Cottbus. Die RUNDSCHAU erklärt die Hintergründe zum Rad-Drama um den jungen Fahrer vom LKT-Team Brandenburg bei den Titelkämpfen in Chemnitz. Frank Noack

Das ist so ärgerlich! Und es ist auch peinlich. Richard Banusch vom LKT-Team Brandenburg muss sein Meistertrikot nach nur zwei Tagen wieder abgegeben. Grund: Das Ergebnis des U23-Zeitfahrens bei der deutschen Meisterschaft in Chemnitz wurde wegen eines Fehlers in der Zeiterfassung korrigiert, teilte der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) am Montag mit.

Es ist ein echtes Drama für den erst 18-jährigen Richard Banusch aus Vetschau, der sich am Freitag in Chemnitz gleich in seinem ersten U23-Jahr als deutscher Meister feiern lassen durfte. Im Nachhinein wurde seine Zeit jedoch von 38:01 auf 39:14 Minuten korrigiert. Tatsächlich Zeitschnellster und damit Meister ist Patrick Haller vom rad-net ROSE-Team. Banusch wurde auf den elften Platz zurückgestuft. Die RUNDSCHAU beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie konnte der Fehler überhaupt passieren? In der Mitteilung des BDR heißt es, dass man den Fehler "nach erneuter Kontrolle aller elektronischen und manuellen Aufzeichnungen" bemerkt habe. Nach Information der RUNDSCHAU hat es einen Fehler bei der Zeitmessung durch die sogenannte Zeitschleife gegeben. Sie wird bei solchen Radrennen auf die Straße geklebt und löst beim Überfahren einen Kontakt aus - allerdings auch dan, wenn zum Beispiel Materialwagen der Teams oder aber ein Juryfahrzeug die Schleife passiert. Diese Kontaktauslösungen müssen natürlich wieder herausgenommen werden, was im konkreten Fall offenbar nicht passiert ist.

Was sagt der BDR? "Es ist sehr bedauerlich, dass dieser Fehler erst im Nachhinein erkannt und korrigiert wurde. Für Richard Banusch ist es eine große Enttäuschung, das Trikot wieder abgeben zu müssen, für Patrick Haller schade, dass er das Meistertrikot nicht überstreifen durfte. Aber wir werden es ihn bei entsprechender Gelegenheit überreichen und ihn entsprechend ehren", erklärt BDR-Sportdirektor Patrick Moster.

Warum fiel der Fehler nicht sofort auf? Neben der Zeitschleifenmessung gibt es auch eine Handstoppung. Sie wies aber kurioserweise genau dieselbe (falsche) Zeit auf wie die Schleifenmessung. Ursache könnte ein menschlicher Fehler bei der Handstoppung gewesen sein. Eine dritte Zeit wird durch den Transponder gemessen, der am Rad befestigt ist. Nach RUNDSCHAU-Informationen wurde dieser dritte Wert erst später begutachtet, obwohl die extrem schnelle Fahrtzeit von Richard Banusch nach der Wende bereits im Ziel durchaus für Aufsehen gesorgt hatte. "Bei einer Meisterschaft darf ein solcher Fehler nicht passieren. Etwas Vergleichbares habe ich bislang noch nicht erlebt", kritisiert LKT-Teammanager Steffen Blochwitz.

Wann hat das LKT-Team von der Korrektur erfahren? Die offizielle Info gab es am Sonntagmorgen - also ausgerechnet kurz vor dem Start des Straßenrennens. "Ich musste erstmal auf die Toilette, um den Schock zu verdauen", berichtet Blochwitz. "Ich habe mich nach reiflicher Überlegung dann dafür entschieden, der Mannschaft, insbesondere Richard Banusch, die schlechte Nachricht erst nach dem Rennen mitzuteilen."

Wie reagieren die beteiligten Teams? "Wir wollen keinen Meistertitel, der uns nicht gehört. Deshalb gratulieren wir Patrick Haller zum Titel, er hat ihn verdient", betont LKT-Teammanager Steffen Blochwitz. "Für Richard Banusch tut es mir furchtbar leid, aber auch für Patrik Haller, der in Chemnitz nicht jene Ehrung bekommen konnte, die ihm zusteht." Ähnlich reagierte rad-net ROSE. "Nachdem wir festgestellt hatten, dass es offensichtlich ein Problem bei der Zeitnahme gegeben haben muss, hatten wir - da uns bewusst war, was wir damit auslösen - überlegt, wie man damit umgehen soll. Aber ich denke, kein Beteiligter hätte damit leben können, wenn das Ergebnis nicht korrigiert worden wäre", so Teammanager Ulrich Müller. Für Richard Banusch sei die Angelegenheit "absolut tragisch".

Was steckt hinter der LKT-Kritik am BDR? Teammanger Blochwitz bezeichnet in einer Stellungnahme bei Facebook die Kommunikation des Verbandes als "sehr schlecht". Hintergrund ist, dass sich zwar die Jury um Stefan Rosiejak am Sonntagmorgen ausdrücklich bei Blochwitz für den Fehler entschuldigt hat, der BDR aber zunächst untätig geblieben sein soll.

Wie geht es weiter mit Richard Banusch? Eigentlich sollte der Zwei-Tage-Titelträger ab diesem Dienstag bei der Solidarnosc-Rundfahrt in Polen an den Start gehen. LKT-Teammnager Steffen Blochwitz hat Banusch die Teilnahme freigestellt: "Richard soll selbst entscheiden, ob er sich den Frust aus den Beinen fahren will oder ob er noch etwas Zeit für sich braucht."

Wo ist jetzt das Meistertrikot? Das Trikot befindet sich noch beim LKT-Team. Man habe sich laut Blochwitz dagegen entschieden, das Trikot einfach so in eine Tüte zu stecken und zu versenden: "Es ist die Aufgabe des BDR, sich Gedanken über das weitere Prozedere zu machen." Bei LKT richtet man den Blick nach vorn. Steffen Blochwitz: "Wir werden alles daransetzen, gemeinsam mit Richard Banusch in den nächsten Jahren dieses Trikot dann wirklich zu gewinnen. Das Potenzial dazu hat der Junge."