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| 16:52 Uhr

Radsport
Levy experimentiert mit den Sprintern

 Sprinter Maximilian Levy (l.) führte den Brandenburg-Vierer im Juli zur Silbermedaille.
Sprinter Maximilian Levy (l.) führte den Brandenburg-Vierer im Juli zur Silbermedaille. FOTO: Michael Deines / Michael Deines/PROMEDIAFOTO
Cottbus. Der Bahnrad-Weltmeister aus Cottbus hat bereits erste Erfahrungen bei den Ausdauerfahrern. Deshalb freut sich Maximilian Levy nun auf ein besonderes Rennen in Frankfurt (Oder). Von Frank Noack

Ganz ist das Radsportjahr 2018 für Maximilian Levy noch nicht beendet. Beim Traditionsrennen „Frankfurter Kreisel“ auf der modernisierten Hallenbahn in der Oderstadt an diesem Freitag und Samstag steht für den 31-jährigen Cottbuser noch ein ganz besonderes Rennen auf dem Programm. Levy tritt mit seinen Kollegen der Sprint-Nationalmannschaft gegen den Vierer des LKT Team Brandenburg an. „Das wird eine span­nende Sache“, freut sich der vierfache Weltmeister.

Zuletzt war Maximilian Levy vor allem im schicken Anzug in der Öffentlichkeit zu sehen. Denn die Weihnachtszeit ist stets auch die Zeit für Ehrungen. Bei der Wahl zum Brandenburger Sportler des Jahres belegte Levy den 3. Platz. Am vergangenen Sonntag war es dann noch ein Stück glamouröser. Im mondänen Benazetsaal des Kur­hauses in Baden-Baden hielt er die Laudatio auf Detlef Uibel, der als Trainer des Jahres geehrt wurde.

Außerdem war Levy auch körperlich gefragt: Gemeinsam mit Ringer Frank Stäbler und Nordisch-Kom­binierer Eric Frenzel bildeten sie das „Team ­Vogel“, wie Moderator Rudi Cerne die Hilfeleistung der drei starken Männer nannte. Gemeinsam trugen Levy & Co. die seit dem Unfall am 26. Juni in Cottbus querschnittsgelähmte Kristina Vogel mitsamt ihres Rollstuhls auf die Bühne – und natürlich auch wieder hinunter.

Das wahrscheinlich spannendste Experiment auf dem Rad kommt für Maximilian Levy aber ganz zum Schluss eines Jahres, das mit WM-Bronze im Keirin sowie dem deutschen Meistertitel im Teamsprint erneut einige glänzende Momente bereithielt.  Beim „Frankfurter Kreisel“ in der Oderlandhalle führt er seine Sprint-Kollegen beim Rennen gegen den LKT-Vierer in ganz neue (Ausdauer-)Bereiche. Das Experiment hört sich zunächst nach einem Jux-Rennen an. Denn normalerweise sind die Sprinter im Kurzzeitbereich zu Hause – und nicht im Ausdauermetier. Trotzdem hat die Sache durchaus einen ernsten Hintergrund. Denn Maximilian Levy hat in diesem Jahr mit seinen ungewöhn­lichen ­Trainingsmethoden für Aufsehen in der Szene gesorgt.

Unter der Anleitung von Trainer Heiko Salzwedel hat der Cottbuser seit Frühjahr viel Ausdauer gebolzt. Bei der deutschen Meisterschaft im Juli in Dudenhofen führte Levy den Brandenburg-Vierer als Anfahrer auf Anhieb zur Silbermedaille.

Ein Sprinter als Ausdauerfahrer?  Es funktioniert! „Das Ausdauertraining hat mir sehr geholfen. Es hat eigentlich als Spaß begonnen, wurde dann aber zu einer richtig guten Geschichte“, erklärt Levy. „Meine Sprintkollegen haben natürlich sehr aufmerksam verfolgt, dass ich dadurch auch im Kurzzeit­bereich schneller geworden bin.“ Deshalb wurde kurzerhand die Idee für das ungewöhnliche Rennen beim „Frankfurter Kreisel“ geboren.

Neues Jahr bedeutet für Levy ab Januar auch wieder neue Herausforderungen. Im Januar ist er bei den Sechstagerennen in Rotterdam, Bremen und natürlich Berlin am Start – als Sprinter.

Seine Ausdauerambitionen sollen  wichtiges Trainingsmittel und auch ein wenig Spaß bleiben. Dabei hatte LKT-Coach Heiko Salzwedel insgeheim sogar damit geliebäugelt, den vierfachen Sprint-Weltmeister für den deutschen Ausdauer-­Vierer für Olympia 2020 in Tokio fitzumachen. Dieses Vorhaben dürfte jedoch da­ran scheitern, dass Routinier Levy angesichts der momentan überschaubaren Spitze im deutschen Sprintbereich mehr denn je in seinem eigentlichen Metier gefragt ist. Bundestrainer Uibel hat bereits klargestellt, dass der Cottbuser derzeit nicht zu ersetzen ist. Und auch Levy weiß bei allem Reiz des Ausdauertrainings, dass ein kompletter Umstieg ein enormes Risiko wäre. „Kurz vor dem Ende der Karriere alles über den Haufen werfen? Das kann ich mir nur schwer vorstellen“, sagt er.

Trotzdem freut er sich auf das ­Viererrennen in Frankfurt (Oder). Ob auch seine anderen Sprint-­Kollegen dabei Spaß haben werden, muss sich erst noch zeigen. Dabei ist ihnen Levy bei der Wahl der ­Distanz schon entgegengekommen. Statt der üblichen 4000 Meter werden nur 3000 Meter gefahren. „Mehr wollte ich meinen Sprint-Kollegen nicht zumuten“, schmunzelt Levy.

 Maximilian Levy (r.) trug in Baden-Baden gemeinsam mit Frank Stäbler und Eric Frenzel (M) die querschnittsgelähmte Kristina Vogel auf die Bühne.
Maximilian Levy (r.) trug in Baden-Baden gemeinsam mit Frank Stäbler und Eric Frenzel (M) die querschnittsgelähmte Kristina Vogel auf die Bühne. FOTO: dpa / Patrick Seeger
 Levy und seine Ehefrau Madeleine ­erwarten ihr drittes Kind.
Levy und seine Ehefrau Madeleine ­erwarten ihr drittes Kind. FOTO: Winfried Mausolf