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Matthias Dolderer schreibt in Indianapolis Motorsportgeschichte

FOTO: Red Bull Content Pool
Indianapolis (USA). Am Lausitzring hat er vor drei Wochen wichtige Punkte für sein ganz großes Ziel geholt, jetzt ist ihm in den USA die Erfüllung seines Traums gelungen. Mit Tränen in den Augen und einem lautstarken Dankeschön an sein Team und seine Familie setzte Matthias Dolderer (46) am späten Sonntagabend deutscher Zeit als neuer Weltmeister der Red Bull Air Race zur Landung auf dem Indianapolis Motor Speedway (USA) an. Von Henry Blumroth

Im Final 4, der Runde der letzten Vier, war dem 46-jährigen Kunstflieger aus Deutschland vor mehr als 62 000 Zuschauern ein perfekter Lauf gelungen, der ihm im siebten von acht Rennen nicht nur den Sieg, sondern auch den WM-Titel bescherte. Einmal mehr punktete der Tannheimer mit seinem kühlen Kopf. "Wahnsinn! Ein Traum ist wahr geworden", jubelte Dolderer nach dem ganz großen Wurf. "Ich habe versucht, alles auszublenden, und habe mich nur von Lauf zu Lauf konzentriert. Ich danke meiner Familie und meinem Team - das ist einfach unbegreiflich", erklärte er kurz nach der Landung. Kurz darauf ging der Ultrasportler zu Boden, um den geschichtsträchtigen "Yard of Bricks" küssen. Der "Yard of Bricks" erinnert an das frühere Oval des Indianapolis Motor Speedway, das aus 3,2 Millionen roten Ziegelsteinen bestand. Der Kuss der Steine hat eine große Tradition in "Indy".

Dolderer traf im Final 4 auf Nigel Lamb, Matt Hall und Pete McLeod. McLeod musste als Erster in den Track und setzte in 1:05.398 Minuten den ersten Maßstab. Als Zweiter war Lamb an der Reihe, der eine Sekunde schneller war als der Kanadier und damit Hall und Dolderer und Druck setzte. Hall, der als einziger Pilot dem Deutschen den WM-Titel überhaupt noch streitig machen konnte, musste Gas geben, um im WM-Rennen zu bleiben, folgte Spitzenreiter Dolderer doch erst nach ihm. Ein Pylon-Treffer an Gate 2 und die damit verbundene Drei-Sekunden-Strafe beendete alle Titelträume des Australiers jedoch jäh.

Matthias Dolderer musste nur noch sauber fliegen, um den Titel unter Dach und Fach zu bringen. In seiner typischen Art und Weise gab er aber erneut Vollgas und sicherte sich den Sieg in 1:03.335 Minuten vor dem Briten Nigel Lamb (1:04,326) und Pete McLeod aus Kanada (1:05.398).

Matthias Dolderer war der erste deutsche Pilot überhaupt, der sich den Titel in der packenden Motorsportserie, die im Jahr 2003 ins Leben gerufen wurde, sicherte. Der 46-Jährige gewann die WM mit 80,25 Punkten vor Matt Hall (55,75) und Hannes Arch (41,00), der Anfang September nur wenige Tage nach seinem Start in der Lausitz bei einem Hubschrauber-Absturz ums Leben gekommen war.

"Wir fliegen dieses Rennen für Hannes", hatten die Piloten vor dem Rennen in den USA angekündigt. Der Schatten der Tragödie um den österreichischen Ex-Weltmeister schwebte über dem kompletten Rennwochenende. Auch die Gedanken des deutschen Weltmeisters Matthias Dolderer richteten sich vor der Siegerehrung mit einem Blick in den Himmel und einigen Tränen an den langjährigen Mitstreiter und Freund.

Das Saisonfinale der Red Bull Air Race Weltmeisterschaft 2016 wird am 15./16. Oktober auf dem Las Vegas Motor Speedway ausgetragen.