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Löw ruft "härtesten Konkurrenzkampf" aus

Kein Spieler habe in Richtung WM 2018 einen Freifahrtschein, betont Joachim Löw, der momentan eine enorm große Auswahl an Spielern hat.
Kein Spieler habe in Richtung WM 2018 einen Freifahrtschein, betont Joachim Löw, der momentan eine enorm große Auswahl an Spielern hat. FOTO: dpa
Stuttgart. Weltmeister, Confed-Cup-Sieger und U21-Europameister – alle wollen 2018 zur WM. Schon jetzt startet das Gerangel um die Plätze. Jens Mende und Klaus Bergmann

Thomas Müller ließ sich noch zu einem gemeinsamen Foto mit einem stolzen Papa und dessen Baby überreden, bevor er ins Stuttgarter Teamhotel abdrehte. Große Lust zu reden über die Sorgen im Club und den Start in die WM-Saison aber hatten beim Treffpunkt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu den beiden ersten Länderspielen 2017/18 weder der Bayern-Star noch dessen Kollegen.

Dafür wählte Joachim Löw noch vor dem ersten Training der DFB-Elf am Dienstag auf dem VfB-Gelände deutliche Worte. "Eine Mannschaft, die sich weiterentwickeln will, braucht unbedingt den Konkurrenzkampf", erklärte Löw. "Wenn man das Turnier als amtierender Weltmeister wieder gewinnen will, dann brauchst du von jedem Einzelnen eine super Performance."

Die rapide gewachsene Auswahl an WM-Kandidaten für die WM 2018 durch den Confed-Cup-Sieg und den U21-Titel in diesem Sommer sieht Löw als "großes Geschenk" für ihn als Trainer. Das hat Konsequenzen für jeden einzelnen Spieler, der nach Russland möchte. "Das bedeutet natürlich auch, dass Potenzial, Talent und bislang gezeigte Leistungen kein Freifahrtschein sind. Die Saison ist für alle wichtig", sagte der DFB-Chefcoach und rief zum Start in die WM-Saison den "härtesten Konkurrenzkampf" in seiner 2006 begonnenen Amtszeit aus.

Bereits der Auftakt der Weltmeisterschaftssaison mit den Qualifikationspartien an diesem Freitag in Prag gegen Tschechien sowie drei Tage später in Stuttgart gegen Norwegen soll allen Spielern und Fans Lust machen auf den Sommer 2018. "Wir streben zwei Siege an. Und das Selbstbewusstsein haben wir auch zu sagen, das werden wir schaffen", betonte Löw. "Wir wollen uns möglichst früh qualifizieren, uns richtig vorbereiten, das Jahr konsequent durchziehen, damit wir im nächsten Jahr erfolgreich sein können", sagte der 57-Jährige.

Löw wirkte nach seinem Urlaub blendend erholt, topfit sowie hochmotiviert für die kommenden intensiven Monate. "Zumindest seit ich dabei bin, war die Auswahl noch nie so groß", sagte Löw zur Personalsituation. Der Bundestrainer hat 17 Confed-Cup-Gewinner in seinen ersten Saisonkader berufen, mit Serge Gnabry auch einen U21-Europameister. Dazu kehren die Weltmeister Müller, Mats Hummels, Toni Kroos, Sami Khedira und Mesut Özil sowie Torjäger Mario Gomez ins DFB-Team zurück.

"Jeder Spieler muss Konkurrenzkampf spüren, auch wenn er schon einmal Weltmeister geworden ist", betonte Löw im Interview der "Stuttgarter Zeitung" und der "Stuttgarter Nachrichten". Trotzdem sind Müller, Kroos und Co. im Vorteil. Der 27-jährige Müller hat schon bewiesen, dass er international zur Spitze zählt. Deshalb lässt Löw auch keine Diskussionen über seine Stammkraft, die in München schon wieder unzufrieden scheint, zu. "Ich weiß nicht, ob er Selbstvertrauen tanken muss. Er hat jetzt bei Bayern einmal nicht von Anfang an gespielt, okay. Aber bei uns hat er ja immer seine Leistungen gezeigt", unterstrich Löw. "Er hat immer viele Tore erzielt. Er ist ein unheimlich positiver Faktor in unserem Team. Er ist ein Führungsspieler." Und für Freitag in Prag gesetzt.

Zum Thema:
Benefizspiel statt WM-Qualifikation, Offenbach statt Prag: Nach der Vorsichtsmaßnahme von Bundestrainer Joachim Löw wird Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer an diesem Mittwoch (18 Uhr) mit dem FC Bayern München zum "Retterspiel" bei den Kickers Offenbach antreten. Dies teilte der deutsche Fußball-Rekordmeister am Dienstag mit. Löw wollte nach Neuers Fußbruch kein Risiko eingehen und verzichtete für die angehenden Qualifikationsspiele in Tschechien am Freitag und gegen Norwegen am Montag auf seine Nummer eins. Neben Neuer werden unter anderem Franck Ribéry, Rafinha und Javi Martínez bei dem Spiel beim Regionalligisten dabei sein. Die Einnahmen der Partie kommen voll und ganz den finanziell angeschlagenen Hessen zugute. "Kickers Offenbach ist ein Traditionsverein und war ein wichtiger Club in der Geschichte der Fußball-Bundesliga", erklärte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Auch beim FC St. Pauli, Darmstadt 98 und Dynamo Dresden trat Bayern in der Vergangenheit schon zu "Retterspielen" an.