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Lausitzring wehrt sich gegen Bradls Attacke

Das Superbike-WM-Rennen war im September auf dem Lausitzring ein echtes Sturzfestival. Besonders beim Sturzregen am Sonntag kamen die Piloten mit dem rutschigen Asphalt nicht klar - danach hagelte es Kritik.
Das Superbike-WM-Rennen war im September auf dem Lausitzring ein echtes Sturzfestival. Besonders beim Sturzregen am Sonntag kamen die Piloten mit dem rutschigen Asphalt nicht klar - danach hagelte es Kritik. FOTO: SuperbikeWM
Cottbus. In Klettwitz freut man sich auf die Superbike-WM im August. Doch ausgerechnet Deutschlands bester Pilot Stefan Bradl attackiert die Betreiber. Er fordert: "Sie sollten schleunigst den Asphalt ändern." Lausitzring-Chef Josef Meier wehrt sich und kündigt große Bauarbeiten für 2018 an. Jan Lehmann

Das geht ja gut los: Das Rennsportjahr hat noch gar nicht begonnen, da gibt es schon Misstöne um den Lausitzring. Der Grund ist altbekannt und liegt noch unter der dünnen Schneedecke in Klettwitz: der Asphalt auf der Rennstrecke.

Ausgerechnet Deutschlands bester und bekanntester Pilot, der Bayer Stefan Bradl, übt harte Kritik an den Bedingungen in der Lausitz und attackiert sogar die Streckenbetreiber Josef Meier und Josef Hofmann. Gegenüber der "Speedweek" erklärte der 27-Jährige: "Ich kenne die Jungs vom ,Hallo' sagen und vom Händeschütteln. Sie sollten sich schleunigst daran machen, den Asphalt zu ändern oder einen neuen draufzumachen."

Der Grund, warum sich Bradl auf einmal so intensiv mit dem Lausitzring beschäftigt, liegt auf der Hand. Der Moto2-Weltmeister aus dem Jahr 2011 fährt in dieser Saison erstmals in der Superbike-WM, die vom 18. bis zum 20. August wieder in der Lausitz zu Gast ist. Das Rennen in Klettwitz ist der einzige deutsche WM-Lauf und für Bradl damit quasi sein Heimrennen.

Dass Bradl, der eigentlich ein Zugpferd für die Veranstaltung sein soll, nun so gegen den EuroSpeedway Lausitz austeilt, stößt in Klettwitz natürlich auf. Lausitzring-Chef Josef Meier erklärte am Mittwoch beim Redaktionsbesuch der RUNDSCHAU in Cottbus: "Stefan Bradl ist zuletzt 2005 auf dem Lausitzring gefahren - er spricht also über eine Sache, die er selbst nicht beurteilen kann." Er verwehrt sich gegen die Kritik von außen: "Ich habe mir von Weltklasse-Fahrern bestätigen lassen, dass die Strecke noch absolut in Ordnung ist. Beispielsweise hat mir der ehemalige MotoGP-Weltmeister Nicky Hayden berichtet, dass teilweise auf viel schlimmeren Strecken gefahren wird."

Bradls Asphalt-Attacke ist allerdings auch nicht komplett von der Hand zu weisen, der Zahlinger haut damit in die gleiche Kerbe, die einige seiner zukünftigen Superbike-Konkurrenten schon im vergangenen Herbst aufgetan hatten. Der Waliser Chaz Davies, der in Klettwitz das Samstagrennen gewonnen hatte, wetterte: "In gewissen Bereichen fühle ich mich auf dem Lausitzring wie im Jahr 1995. Der Belag ist Scheiße. Das enttäuscht mich, wir sollten nicht auf solchen Strecken fahren."

Das Sturzfestival beim Regenchaos im Sonntagsrennen (siehe Infobox) war dann das Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Selbst Lokalmatador Markus Reiterberger, der dem Lausitzring eng verbunden und wohlgesonnen ist, schüttelte nach seinem Sturz frustriert den Kopf: "Ich wollte gar nicht viel riskieren, weil ich schon verletzt war. Ich habe nicht mehr viel riskiert und bin dann trotzdem gestürzt. Das ist wirklich verrückt, es war so rutschig wie auf dem Eis."

Josef Meier betont jedoch: "Es hatte damals nach acht Wochen zum ersten Mal geregnet - und das direkt vor dem Rennen. Zudem lag viel Gummiabrieb auf der Strecke und es war relativ kalt - bei diesen Bedingungen ist jede Strecke der Welt schmierig."

Für Stefan Bradl steht dennoch fest: Der Asphalt muss erneuert werden. Gegenüber "Speedweek" sagte er: "Warum nicht für 2017 schon was gemacht wurde, weiß ich nicht. Sie haben es wohl zur Seite geschoben. Das Problem und die Kritik wird aber somit weiter bestehen bleiben. Ich bin da auch keiner, der sich ein Blatt vor den Mund nimmt. Es braucht natürlich finanzielle Mittel, aber das ist das Business der Jungs. Sie sollen sich auf ihren Hintern setzen und sich darum kümmern."

Lausitzring-Chef Josef Meier treibt dieses Thema natürlich um, er betont: "Wir wissen, dass es wellig ist und dass am Asphalt etwas gemacht werden muss." Der geschäftsführende Gesellschafter der EuroSpeedway Verwaltungs GmbH kündigt an: "Für das Jahr 2018 planen wir groß angelegte Erneuerungsarbeiten." Ein neues Asphaltband gehört demnach zu den dringlichsten Aufgaben. Frank Poensgen, Bereichsleiter Verwaltung am Lausitzring, verrät: "Wir sind schon seit vier Jahren in Gesprächen mit dem Land Brandenburg. Jetzt sieht es so aus, dass die Politik uns bei diesen Arbeiten unterstützt."

Gute Nachrichten vom Ring, mit Stefan Bradl könnte es auch eine baldige Versöhnung geben. Der Bayer bietet an, für den deutschen WM-Lauf in Klettwitz Werbung zu machen und betont: "Ich bin der Letzte der sagt, ich habe kein Interesse." Außerdem lässt er durchblicken, dass er große Lust auf den Lauf in der Lausitz hat: "Das Strecken-Layout ist gut und für Motorräder wirklich in Ordnung. Meiner Meinung nach ist es besser als auf dem Sachsenring." Das hört man in Klettwitz natürlich gern. Meier betont: "Bradl ist als populärster deutscher Pilot für uns natürlich sehr interessant."

Zum Thema:
Stefan Bradl (27) ist der aktuell wohl beste deutsche Motorradpilot und ist einer der Favoriten der diesjährigen Superbike-WM. Sein größter Erfolg war der WM-Titel 2011 in der Moto2-Klasse. Dort setzte er sich gegen den mittlerweile dreifachen MotoGP-Weltmeister Marc Márquez durch. Bradls beste Platzierung in der MotoGP war 2013 der 2. Platz beim Großen Preis der USA. Weil er zuletzt nicht mehr ganz vorn mitfahren konnte, wechselte Bradl zur Superbike-WM. Er erklärte: "Natürlich ist mir die Entscheidung, künftig in der sogenannten zweiten Liga zu fahren, nicht leicht gefallen. Aber die Chance auf Podiumsplatzierungen zu haben, ist einfach sehr reizvoll." Bradl ist bei Red Bull Honda Kollege des ehemaligen MotoGP-Weltmeisters Nicky Hayden (35).

Zum Thema:
Das Rennen der Superbike-WM auf dem Lausitzring im September war laut "Speedweek" die gefährlichste Veranstaltung der seriennahen Motorradweltmeisterschaften im Jahr 2016. Dort wurden 14 Rennstürze gezählt - die meisten beim Regenchaos am Sonntag. Auf dem zweiten Platz folgt mit elf Rennstürzen das Meeting in Jerez de la Frontera - hier handelte es sich um Rennen auf trockener Piste. Neun Stürze wurden in Laguna Seca gezählt, ebenfalls im Trockenen. Erstaunlich wenige Stürze wurden bei den Regenrennen in Malaysia (zwei) und Magny-Cours (kein Sturz) registriert.