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| 17:50 Uhr

Pyeongchang
Lausitzer Tränen nach dem Zweierbob-Krimi

Ein Fahrfehler kostete die Medaille: Pilot Nico Walther und Anschieber Christian Poser verspielten im Zweierbob-Finale noch ihre Führung.
Ein Fahrfehler kostete die Medaille: Pilot Nico Walther und Anschieber Christian Poser verspielten im Zweierbob-Finale noch ihre Führung. FOTO: Tobias Hase / dpa
Pyeongchang. Der Cottbuser Christian Poser landet mit Pilot Nico Walther bei den Zweierbobs auf Rang vier. Die beiden verspielten ihre Führung, aber sie haben noch eine Medaillenchance bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang.

Nach dem Thriller um Gold in der olympischen Bob-Bahn von Pyeongchang umarmten sich die beiden Hauptdarsteller Francesco Friedrich aus Pirna und Justin Kripps aus Kanada innig – im Hintergrund flossen derweil ein paar Lausitzer Tränen. Auch in der Heimat des Cottbusers Christian Poser dürfte es nach dem undankbaren vierten Platz einige feuchte Augen gegeben haben.

Im spannendsten Finale in der olympischen Bob-Geschichte durften sich indes die beiden Rivalen Friedrich und Kripps mit ihren Anschiebern Thorsten Margis und Alexander Kopacz am Montag gemeinsam als Olympiasieger feiern lassen. Der Sachse und der Kanadier hatten nach vier Durchgängen die exakt gleiche Zeit stehen.

Dem Cottbuser Anschieber Christian Poser und dessen Piloten Nico Walther fehlten 15 Hundertstel auf den Bronze-Platz. Nach dem ersten Tag hatten die beiden trotz eines Sturzes noch geführt. Poser erklärte auf RUNDSCHAU-Nachfrage: „Natürlich ist die Enttäuschung groß, wenn man nach dem ersten Tag in Führung liegt. Wir hatten einen Fehler im dritten Lauf nach Kurve vier, der viel Zeit gekostet hat. Die anderen waren heute einfach besser und haben verdient die Medaillen gewonnen.“

Sein Pilot Nico Walther erklärte gefasst in der ARD: „Im ersten Moment ist dies das schlimmste Ergebnis. Aber hey, Platz vier bei Olympia ist super.“ Am Wochenende haben beide noch eine Medaillenchance. Dann aber fährt Christian Poser im Viererbob von Gesamtweltcup-Sieger Johannes Lochner mit.

Es deutet sich ein ähnlich packender Wettkampf wie bei den Zweierbobs an. „Das war ein Sensationsfinale, es war fantastisch für den Bobsport“, sagte Olympiasieger Friedrich und dachte auch an Kripps. „Er hat es absolut verdient.“ Bundestrainer René Spies meinte: „Das war ein unglaubliches Rennen. So spannend habe ich das noch nie erlebt.“

Mit Friedrichs Erfolg haben die deutschen Bobfahrer ihr Olympia-Trauma von Sotschi vor vier Jahren überwunden. In Russland waren sie erstmals in 50 Jahren ohne Medaille geblieben. „Das waren intensive vier Jahre in allen Bereichen“, sagte der Bundestrainer.

Der 27-jährige Friedrich ist der einzige deutsche Fahrer, der das Debakel vor vier Jahren in Sotschi als Aktiver miterlebt hatte. Auch für ihn war es damals eine persönliche Schmach, die er trotz eines Fahrfehlers am ersten Tag nun getilgt hat. „Nachdem wir gestern richtig gepatzt haben, können wir uns freuen, dass wir noch Gold mit Justin teilen können“, sagte Friedrich. „Es war eine richtig stressige Nacht für uns. Wir haben vielleicht drei Stunden geschlafen.“

Für die letzten beiden Durchgänge am Montag bekam Friedrichs Schlitten hinten neue Kufen. Mit Erfolg. Im dritten Lauf raste er als einziger Pilot unter die 49-Sekunden-Marke und zum Bahnrekord in 48,98 Sekunden. Im Final-Durchgang zog er dann mit dem führenden Kripps gleich.

Nun ist Friedrich Topfavorit für den Vierer. Doch auch Christian Poser rechnet sich Chancen auf seine erste Olympia-Medaille aus. Er beschloss schon kurz nach dem Wettkampf: „Ich werde jetzt das Rennen abhaken und nach vorne schauen.“