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Lausitzer Freude und Frust am "Nischel"

Die Strecke führte direkt am berühmten Karl-Marx-Monument, dem "Nischel", vorbei.
Die Strecke führte direkt am berühmten Karl-Marx-Monument, dem "Nischel", vorbei. FOTO: Roth/rrt1
Chemnitz. Bei der Radsport-Meisterschaft in Chemnitz fühlt sich Stephanie Pohl nach Rang sechs als Siegerin. Aber nicht alle Träume gehen auf. Frank Noack

Nach dem grandiosen Auftakt am Freitag mit den drei Zeitfahrsiegen für Richard Banusch bei der U 23 sowie Trixi Worrack und Tony Martin durchlebten die Lausitzer Radsportler bei der deutschen Straßenmeisterschaft in Chemnitz am Wochenende ein Wechselbad der Gefühl. Bei schweißtreibender Hitze düsten sie vorbei am berühmten Karl-Marx-Monument, dem "Nischel". Sie fuhren aber auch an den Medaillen vorbei. Wie eng Freude und Frust beieinanderliegen, zeigte sich vor allem beim Frauenrennen am Samstag. Nach der 116-Kilometer-Hatz durch die Innenstadt von Chemnitz fuhr Stephanie Pohl aus Cottbus als Sechste durchs Ziel, fühlte sich aber wie eine Siegerin. Die Forsterin Romy Kasper hatte dagegen nach den Rennen erstmal ihren Frust zu verdauen. Und auch für Roger Kluge (Cottbus) erfüllte sich der Traum von einer Medaille am Sonntag nicht.

Auf ein richtig gutes Wochen ende kann Stephanie Pohl zurückblicken. Im Einzelzeitfahrerin holte die Cottbuserin am Freitag Bronze. Einen Tag später war sie dann Wegbereiterin für ihre Teamgefährtin Lisa Klein von Cervelo-Bigla in Richtung deutsche Meisterschaft. Die erst 20-jährige Klein setzte sich in einem dramatischen Sprint hauchdünn gegen Lisa Brennauer von Canyon-Sram durch. Das Ergebnis der Jury stand erst nach dem Zielfoto-Entscheid fest. Danach flossen Freudentränen bei Klein, die von Pohl umarmt und geherzt wurde. "Endlich haben wir das Meistertrikot", freute sich die Edelhelferin aus Cottbus, die auf dem letzten Kilometer direkt vor der Polizeiwache Süd in Chemnitz den Sprint für Lisa Klein angezogen und damit den Rennplan ihres Teams mustergültig umgesetzt hatte.

Lob für Pohl und auch der zweiten Helferin Clara Koppenburg gab es anschließend nicht nur von Siegerin Lisa Klein ("Ich hatte eine tolle Unterstützung durch mein Team. Ihnen habe ich diesen Sieg zu verdanken"), sondern auch vom Thomas Campana, dem Sport lichen Leiter von Cervelo-Bigla. Er betonte: "Diese deutsche Meisterschaft ist ein Sieg des Teams, eine ganz starke Leistung von unseren drei Fahrerinnen."

Die Forsterin Romy Kasper vom Team Ale Cipollini war dagegen als Einzelkämpferin unterwegs und verfehlte als Vierte die Medaillenränge - ebenfalls im Fotofinish. "Direkt nach dem Rennen habe ich mich sehr darüber geärgert, dass ich so knapp an einer Medaille vorbeigefahren bin. Aber insgesamt ist das Rennen super für mich gelaufen", erklärte Kasper.

Zeitfahrmeisterin Trixi Worrack aus Dissen konnte nicht in die Entscheidung eingreifen und musste auf den letzten Kilometern dem Trainingsrückstand Tribut zollen, als ihr nach einem schweren Sturz eine Niere entfernt werden musste. Kerstin Brachtendorf ( BPRSV Cottbus) belegte einen guten 16. Rang.

Getragen wurden die Sportler von der fantastischen Stimmung in Chemnitz, die durchaus einen Hauch von Tour de France hatte. Vor allem am Berg in der Gornauer Straße säumten Tausende Radsportfans die Strecke und halfen dem Peloton mit der La-ola-Welle beim knackigen Anstieg, den die Frauen sechs Mal und die Männer elf Mal bewältigen mussten. Nach Angaben der Polizei säumten allein am Sonntag etwa 20 000 Zuschauer die Strecke. Der Cottbuser Roger Kluge genoss schon am Morgen beim traditionellen Einschreiben in die Startliste das Bad in der Menge. Angesprochen auf seine Ambitionen, dämpfte er jedoch die Erwartungen mit Blick auf seine kürzliche Trainingspause wegen eines Magen-Darm-Infekts. "Das wird schwer heute", ahnte Kluge, der genau wie Kasper als Einzelkämpfer unterwegs war.

Trotzdem schnupperte er sogar am Titel. Denn eine Runde vor Schluss führte Kluge das Feld mit John Degenkolb (Trek-Segafredo) an. In der entscheidenden Phase waren beide Ausreißer dem Angriff des Teams Bora-Hansgrohe aber nicht gewachsen. Unter dem Jubel der Fans fuhr Lokalmatador Marcus Burghardt als Erster über den Zielstrich. Er verwies seinen Teamgefährten Emanuel Buchmann und Degenkolb auf die Plätze zwei und drei. Kluge belegte Rang sechs und bilanzierte: "Ich bin sehr zufrieden. Eine solche Platzierung hatte ich nicht erwartet."