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Boxen
Abschied vom „Eisernen Hans“

Hans Robak im Oktober 1952 in Cottbus: So haben die Lausitzer den „Eisernen Hans“ (r.) in Aktion gesehen. Er gewann fünf DDR-Meistertitel und hat mit der Boxstaffel die Cottbuser Stadtsälen zum Toben gebracht.
Hans Robak im Oktober 1952 in Cottbus: So haben die Lausitzer den „Eisernen Hans“ (r.) in Aktion gesehen. Er gewann fünf DDR-Meistertitel und hat mit der Boxstaffel die Cottbuser Stadtsälen zum Toben gebracht. FOTO: privat / DC
Burg/Cottbus. Trauer um die Lausitzer Legende Hans Robak: Er hat den Boxsport in Cottbus begründet und geprägt. Von Christian Taubert

Es ist neblig trüb an diesem Dienstagvormittag auf dem Friedhof von Burg im Spreewald. Die  Trauerhalle ist nahezu gefüllt. Unter die mehr als 50 Trauergäste haben sich neben Familienangehörigen und Weggefährten auch Sportler eingereiht – ehemalige aktive Boxer wie Herbert Lubosch, Uwe Franz oder Wolfgang Liebing. Sie alle nehmen Abschied von Hans Robak – einer Lausitzer Boxlegende, die im Alter von 89 Jahren verstorben ist.

Als Generationen von Schülern in Cottbus in die „Lehre“ von Hans Robak gingen, wussten die wenigsten, wer dieser 1,90 Meter große, drahtige Mann mit dem markanten Gesichtsausdruck war. Der Autor dieses Beitrags rechnet sich dazu. Denn als ich Ende der 1960er-Jahre nach Cottbus und an die 7./12. Oberschule an der Ecke Bahnhof-/Bebelstraße kam, fiel mir ein Lehrer besonders auf. In den großen Hofpausen hatte sich hinter ihm oft eine lange Schüler-Schlange gebildet. Niemand wagte auszubüchsen. Hans Robak ließ jene Schüler hinter sich antreten, die gegen die Hofpausenordnung verstoßen hatten.

 Wer ihn damals erlebt hat, wird ihn kaum vergessen haben. Auch im Unterricht ein bisschen „eiserner Hans“ – hart, aber gerecht, wie er in der RUNDSCHAU vor gut einem Jahrzehnt gesagt hatte. „Das ist ja das Schöne am Sportunterricht. Da ist jedes Ergebnis messbar, jede Zensur klar zu belegen. Kein Vertun möglich, von den Eltern kann sich niemand beschweren über irgendwelche Ungerechtigkeiten.“

Den Kosenamen „Eiserner Hans“ hat sich der in Forst mit sechs Geschwistern aufgewachsene Junge hart erkämpft. Sport war seine große Leidenschaft, als er nach der Kriegsgefangenschaft nach Cottbus zurückkehrte. Er spielte Fußball und Handball, lief Mittelstrecke. Boxen war in der Ostzone noch verboten. Doch als ihn sein Freund Horst Pechmann später mit zum Training zu den Faustkämpfern nahm, hatte er seine Sportart gefunden.

 Mit Hans Robak begann 1948 in Cottbus eine Boxsport-Tradition, die Jahrzehnte hielt, Talente hervorbrachte und vor allem die Anhänger in der Lausitz-Metropole in ihren Bann zog. Legendär sind die Kämpfe gegen die DDR-Spitze in den einstigen Cottbuser Stadtsälen, dem Haus der Gewerkschaften oder im Blechenpark unter freiem Himmel. Und der Star, der nie so genannt werden wollte, war Hans Robak.

 Fünfmal ist er Ende der 1940er- bis Mitte der 1950er-Jahre DDR-Meister im Halbschwergewicht geworden. Zum ersten Mal im Herbst 1949, als er die mit 3000 Zuschauern besetzte Erfurter Thüringenhalle zum Beben brachte. „Hans hat seine Gegner mit der rechten Führhand zermürbt und konnte mit er schnellen Linken Kämpfe entscheiden“, weiß Wolfgang Liebing. Der einstige Vize-Europameister der Junioren organisiert alljährlich in Cottbus ein Boxer-Treffen der Ehemaligen.

Insgesamt brachte es Hans Robak auf 189 Kämpfe, von denen er 161 Siege erkämpfte. International war er 37 Mal eingesetzt. Dabei blieben ihm die begehrten Europameisterschaften verwehrt. Hans Robak hat damit stets gehadert, weil ihn der  Boxverband in Berlin als Außenseiter abgetan hatte und zudem sein härtester Kontrahent Ulli Nitzschke in Ausscheidungskämpfen gewann – auch wenn er nicht vorn gelegen hatte.

Hinzu kamen Sticheleien, die ihm schon ein bisschen weh taten. Doch der „Eiserne Hans“ ließ sich dadurch auch zusätzlich anspornen. „Ich wollte es allen zeigen“, sagte er einst in der RUNDSCHAU. Er trainierte nach eigenem Gusto, mit der für ihn typischen Mischung aus Ehrgeiz, Disziplin und Leistungswillen. Zusätzliche Motivation holte er sich auf der Straße, wenn die Cottbuser ihm zuriefen „Prima, Hans!“

Seine Weggefährten beschreiben allesamt eine angeborene Bescheidenheit, die Hans Robak tagtäglich lebte. Als seine Frau einst Trophäen, Pokale und Orden in einer Vitrine im Esszimmer platziert hatte, war das dem Hans fast ein wenig unangenehm. „Mein Mann wollte das gar nicht so“, sagte sie damals.

So war er, der Hans Robak: Ein harter Hund im Boxring, ein bei Schüler-Generationen geschätzter Lehrer und ein trotz des errungenen Ruhmes bescheidener Sportsmann – so behalte auch ich ihn Erinnerung.

Zum 80. Geburtstag 2008 hatte Hans Robak der RUNDSCHAU ein Interview gegeben.
Zum 80. Geburtstag 2008 hatte Hans Robak der RUNDSCHAU ein Interview gegeben. FOTO: neuland