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| 12:09 Uhr

Auszeit
Ein Gewehr auf dem Mittagstisch

Laura Dahlmeier hat zwei Goldmedaillen gewonnen.
Laura Dahlmeier hat zwei Goldmedaillen gewonnen. FOTO: Michael Kappeler / dpa
Cottbus. Bei den Olympischen Spielen wird dann geschossen und gesprungen, wenn die TV-Zielgruppe vor dem Fernseher sitzt. Das ist angenehm, hat aber auch einen entscheidenden Nachteil. Die Olympia-Kolumne von RUNDSCHAU-Sportreporter Frank Noack.

Früher war nicht alles besser, sondern früher. Oder später. Je nachdem, auf welcher Hälfte der Erdkugel die Olympischen Spiele stattfinden. Inzwischen werden die einzelnen Wettbewerbe auf der globalen Uhr genau dort platziert, wo die TV-Zielgruppe am besten zu erreichen ist.

Deshalb läuft Biathlon-Königin Laura Dahlmeier zur deutschen Mittagszeit um Gold, während es in Pyeongchang längst dunkel ist. Und die Skispringer hocken bei eisigen Temperaturen kurz vor Mitternacht noch auf der Schanze, damit wir den Wettbewerb wie gewohnt am Nachmittag verfolgen können.

Der Nachteil: Der mythenhafte Mantel der Sportgeschichte wird von unserem Tagesalltag überlagert. Dieser Mantel lässt sich viel leichter weben, wenn man sich als TV-Zuschauer mitten in der Nacht aus dem Bett quält und auf der Couch gegen die Müdigkeit so tapfer ankämpft wie die olympischen Sportler gegen die Erschöpfung. Wie zum Beispiel im Jahr 1984, als Schwimmer Michael Groß mit dem berühmten „Flieg, Albatross, flieg“ von Reporter Jörg Wontorra zu zwei Goldmedaillen getragen wurde.

Solche olympischen Momente entstehen vorzugsweise in der Nacht. Meine Erinnerung an die erste Goldmedaille von Laura Dahlmeier in Pyeongchang ist jedenfalls für alle Ewigkeit mit einer ganz alltäglichen Verrichtung verknüpft: Ich habe den Geschirrspüler ausgeräumt.

RUNDSCHAU-Sportreporter Frank Noack (48) findet es ärgerlich, dass die Abfahrtspisten in Wirklichkeit immer steiler sind als es im Fernsehen aussieht. Noch ärgerlicher ist deshalb, dass seine Ski nicht in den Fernseher passen.