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| 02:41 Uhr

Lahms "Servus" mit Sehnsucht und Kalkül

FOTO: dpa
München. Als Fußballprofi hat Philipp Lahm gekündigt, ein neues Bayern-Amt lehnt der Weltmeister aktuell ab. Das sorgt für Unruhe beim Meister. Christian Kunz und Florian Wittmann / dpa/jal/noc

Der spektakuläre Solo-Auftritt von Philipp Lahm zum Start in seine Abschiedstournee begeisterte die überraschten Bayern-Bosse ganz und gar nicht. Am Tag nach dem angekündigten Ende von Lahms Bilderbuchkarriere im kommenden Sommer räumten Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge ihre Verwunderung über den Alleingang des Mannschaftskapitäns ein. Gleichzeitig mühten sich Präsident und Vorstandschef nach dem Einzug in das Viertelfinale des DFB-Pokals, trotz ihrer Kritik am öffentlichen Vorpreschen des 33-Jährigen die Misstöne nicht zu laut werden zu lassen. "Bis gestern sind wir davon ausgegangen, dass es zu dieser Entscheidung eine gemeinsame Erklärung Philipp Lahms und des FC Bayern München geben wird", erklärte Rummenigge. Er war "überrascht über das Vorgehen Philipp Lahms und seines Beraters".

Eine Woche vor der Champions-League-Kraftprobe gegen den FC Arsenal können die nach Bestform suchenden Münchner keine Unruhe brauchen. Während Hoeneß gleich nach dem 1:0 gegen den VfL Wolfsburg keine Details aus den monatelangen Verhandlungen mit dem Kapitän preisgab, machte Lahm seine Kündigung als Fußballprofi öffentlich. "Irgendwann ist es einfach zu Ende, und das Ende will ich selber bestimmen", begründete Lahm.

Der riesige Blumenstrauß, den er von Rummenigge vor dem Anpfiff unter dem Beifall der Fans zum Dienstjubiläum erhalten hatte, wirkte danach wie ein erstes Abschiedsgeschenk. In diesem Sommer - statt wie vertraglich vereinbart am 30. Juni 2018 - ist für den kühl kalkulierenden Karriereplaner beim Rekordmeister Feierabend. Gleich an einen Schreibtisch in der FC-Bayern-Zentrale an der Säbener Straße will der Unternehmer nicht wechseln. "Es gab Gespräche. Am Ende habe ich mich aber dazu entschlossen, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist, beim FC Bayern einzusteigen", formulierte es Lahm. Rummenigge hatte ihm den Posten des Sportdirektoren reserviert. Lahm will lieber "ein kleines Break".

Hoeneß deutete an, dass es in den Verhandlungen nicht nur um den Zeitpunkt der Anstellung für den Weltmeister ging. Einen Dissens gab es wohl auch über die Machtfülle. Nach Ansicht des wieder von Hoeneß angeführten Aufsichtsrates wäre ein Vorstandsposten für Lahm zu früh gekommen. "Bei uns im Aufsichtsrat sitzen Dax-Vorstände. Für die kommt nicht infrage, dass jemand ohne Berufserfahrung im Vorstand anfängt", sagte Hoeneß den Zeitungen der "Funke Mediengruppe".

Lieber zieht sich Lahm in drei Monaten erstmal zurück von der Profibühne. "Für mich steht fest, dass ich ab Sommer Privatier bin", sagte der am idyllischen Tegernsee residierende Lahm. Ob es ein Bayern-Abschied für immer wird, ließ der an mehreren Firmen beteiligte und gesellschaftlich aktive Lahm offen. Der 113-malige Nationalspieler hätte sicherlich auch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) Perspektiven. Aber beim FC Bayern stünden ihm ebenfalls weiter die Türen offen, betonten Rummenigge und Hoeneß.

Der Entscheider Lahm setzt mit dem Karriereende konsequent den Weg fort, den er auch als Nationalspieler beschritten hatte. Am Morgen nach dem WM-Triumph 2014 teilte Lahm seinen Rücktrittsentschluss mit. Der Kapitän trat auf dem Höhepunkt seiner DFB-Schaffensphase ab. Auch im Vereinsalltag, der den Familienvater nach anderthalb Jahrzehnten als Profi immer mehr Kraft kostet, will er ein großes Ende. Bloß nicht irgendwann als Auslaufmodell ohne Einfluss und weitab von Auftritten auf allerhöchstem Niveau enden.