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Koblenz reist 430 Kilometer zum Heimspiel

Petrik Sander führte Energie Cottbus 2006 in die 1. Liga.
Petrik Sander führte Energie Cottbus 2006 in die 1. Liga. FOTO: dpa
München. Ein paar genervte Anwohner brocken den Würzburger Kickers ein Heimspiel in 100 Kilometern Entfernung ein – die TuS Koblenz mit dem früheren Cottbuser Petrik Sander auf der Trainerbank muss als Gastgeber sogar absurde 430 Kilometer weit reisen. Die zwei Vereine sind die prominentesten Umzügler in der ersten Pokal-Runde. dpa/noc

Während sich kleinere Amateurclubs größere Fußballstadien in der Nähe suchen, um Zuschauerzahl und Einnahmen zu erhöhen, hätten sich Würzburg und Koblenz ihre Auswärtsfahrten zu den Heim spielen gern erspart.

Würzburger Kickers gegen Werder Bremen (Samstag 20.45 Uhr): "Das ist natürlich nicht schön für alle Beteiligten", sagte ein Kickers-Sprecher zu der nach Offenbach verlegten Partie. Deutlicher wurde Rudi Völler bei einer Podiumsdiskussion. "Das ist ein Unding", schimpfte der Leverkusener Manager über den Zwangsumzug in das Stadion seine Ex-Clubs. Wegen einer Klage von sechs Anwohnerparteien darf in Würzburg kein Spiel nach 19.30 Uhr angepfiffen werden. Das fast eineinhalb Autostunden entfernte Offenbach war die bestmögliche Lösung; der Verein organisiert Busse.

Tus Koblenz gegen Dynamo Dresden (Freitag, 19 Uhr): Weil die Sanierung der Leichtathletikbahn im Stadion Oberwerth nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnte, weichen die Rheinländer ins 430 Kilometer entfernte Zwickau aus. Weiter musste eine deutsche Mannschaft wohl noch nie zu einem Heimspiel anreisen. Wegen des schlechten Rufs der Dresdner Fans untersagte Nordrhein-West falen für das gesamte Bundesland die Austragung des Spiels.

1. FC Rielasingen-Arlen gegen Borussia Dortmund (Samstag, 15.30 Uhr): Der Verbandsligist weicht ins Schwarzwald-Stadion des SC Freiburg aus. Der eigene Sportplatz in der Nähe der Schweizer Grenze und des Bodensees bietet nur etwa 1500 Zuschauern Platz. Bei einem kleineren Gegner war ein Umzug nach Singen (5000 Zuschauer) geplant. Für den BVB war Freiburg mit einer Kapazität von 22 000 Zuschauern die einzige echte Option. Dafür nimmt der Dorfclub eine Anreise von rund 100 Kilometern in Kauf.

Sportfreunde Dorfmerkingen gegen RB Leipzig (Sonntag, 15.30 Uhr): Der Verbandsligist verlässt den heimischen Dorfplatz am Sportgelände Felsenstraße und spielt in der Ostalb-Arena des VfR Aalen in 20 Kilometern Entfernung. In das Stadion des Drittligisten passen 14 500 Zuschauer, die Sportfreunde hoffen auf 13 000 Gäste. Die Stadt Aalen vermietete die Arena zum günstigen Preis.

Tus Erndtebrück gegen Eintracht Frankfurt (Samstag, 15.30 Uhr): Der West-Regionalligist zieht nach Siegen um. Das gut 30 Kilometer entfernte Leimbachstadion fasst 18 500 Zuschauer. Der Club bietet Pendelbusse an. Schon 2015/16 wurde nicht in der heimischen Pulverwaldkampfbahn, sondern in Siegen gespielt.

SV Morlautern gegen Greuther Fürth (Sonntag, 15.30 Uhr): Der Fünftligist aus einem Ortsteil von Kaiserslautern trägt seine Heimspiele normalerweise auf einem Kunstrasenplatz aus. Das ist im DFB-Pokal nicht zulässig. Mor lautern träumte daher von einem Umzug ins Fritz-Walter-Stadion, doch daraus wurde nichts. Nun steigt die Partie in Pirmasens.

Leher TS gegen 1. FC Köln (Samstag, 15.30 Uhr): Die Leher Turnerschaft von 1898 zieht ins Nordseestadion, wo sonst der OSC Bremerhaven spielt. Die idyllische LTS-Sportanlage im Stadtpark Speckenbüttel ist zu klein. Deshalb wählte der Verein das größte Stadion der Stadt als Austragungsort. Wegen der Sicherheitsauflagen passen 8500 Zuschauer hinein.

SV Eichede gegen 1. FC Kaiserslautern (Samstag, 15.30 Uhr): Der Oberligist aus Schleswig-Holstein hätte die Partie "am liebsten bei uns im Dorf ausgerichtet", wie Vereinschef Olaf Gehrken sagte. Dort hätten 3000 Fans Platz gefunden, in Lübeck sind es rund 13 000.

FC Nöttingen gegen VfL Bochum (Sonntag, 15.30 Uhr): Der Ober ligist tritt im Wildparkstadion in Karlsruhe an. "Diese Entscheidung stand schon vor der Auslosung, egal, wer gekommen wäre", berichtete Geschäftsführer Dirk Steidl.