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Kniefall vor der Lichtgestalt

Justin Gatlin geht nach dem Finale vor Usain Bolt auf die Knie.
Justin Gatlin geht nach dem Finale vor Usain Bolt auf die Knie. FOTO: dpa
London. Die Lichtgestalt der Leichtathletik zeigte auch in der Niederlage wahre Größe. Usain Bolt nahm Justin Gatlin Sekunden nach dem Showdown in die Arme. dpa/jam

Irgendwie musste der gefeierte Verlierer den ausgebuhten Sieger doch trösten. Und dann kommt dieser Gänsehaut-Moment, diese irre Szene eines kontroversen Leichtathletik-Abends: Der frühere Dopingsünder Gatlin fällt vor dem Jahrhundert-Sprinter Bolt auf die Knie.

"Usain hat mir gratuliert und dann gesagt, du hast hart dafür gearbeitet, und all diese Buhrufe hast du nicht verdient", erzählte der neue Weltmeister immer noch ein wenig gerührt.

Nur drei Hundertstelsekunden trennten die Protagonisten eines irren Abends im 100-Meter-Finale der Leichtathletik-WM, kurz nach dem Zieleinlauf passte kein Blatt Papier mehr zwischen die Rivalen der Rennbahn: Der Bronzemann gratulierte dem Goldjungen.

Für IAAF-Präsident Sebastian Coe war Gatlins Sieg "nicht das perfekte Drehbuch". Er sei nicht gerade angetan davon, "dass jemand, der zwei (Doping)-Sperren abgesessen hat, mit einem unserer glanzvollen Preise weggeht", sagte der Chef des Weltverbandes am Sonntag der BBC. "Aber er ist hier startberechtigt", meinte der Brite.

Sein Lebenswerk als Leistungssportler will Bolt nun am kommenden Samstag krönen und dann das (nach)holen, was ihm im letzten 100-Meter-Finale seiner grandiosen Karriere nicht gelang: Das goldene Dutzend perfekt machen, den zwölften WM-Titel holen. Nach London ist Schluss für den achtmaligen Olympiasieger, den bis dato elfmaligen Weltmeister und fünffachen Weltrekordler.

"Die beiden waren heute besser als ich und haben das einfach durchgezogen", meinte Bolt über Gatlin und den zweitplatzierten Christian Coleman (USA). Nach dem Stolperstart im Vorlauf kam Bolt auch im Halbfinale und Endlauf nicht besser aus den Blöcken. "Mein Start hat mich gekillt", gab er zu und bedankte sich bei den Fans für die "wundervolle Atmosphäre".