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Kniefall in der Kurve

Maximilian Levy beschreibt bei "Facebook": "An genau dieser Stelle zerschellte am 7. Januar mein linkes Schlüsselbein."
Maximilian Levy beschreibt bei "Facebook": "An genau dieser Stelle zerschellte am 7. Januar mein linkes Schlüsselbein." FOTO: Frank Hammerschmidt
Frankfurt (Oder). Maximilian Levy ist zurück. Mal wieder. Bei den deutschen Bahn-Meisterschaften in Frankfurt (Oder) war er der Dominator – gerade mal knapp fünf Monate nach seinem verhängnisvollen Sturz an gleicher Stelle. Jetzt will der Cottbuser zu Hause weiter punkten. Thomas Juschus / tus1

Dieses Foto musste sein: Nach der Siegerehrung kurz vor 22 Uhr eilte der Cottbuser Maximilian Levy nach einem langen Wettkampftag nochmals zurück auf die Holzbahn in der Oderlandhalle. Zielsicher steuerte er auf die 190-Meter-Marke, ging kurz auf die Knie und deutete so etwas wie einen Kuss an. Vor ziemlich genau fünf Monaten lag Levy an gleicher Stelle. Unfreiwillig. Beim Training war der dreifache Olympia-Medaillengewinner und vierfache Weltmeister gestürzt und hatte sich zum zweiten Mal das linke Schlüsselbein gebrochen.

Zwar kehrte der Cottbuser nach einer Blitz-Operation und -Heilung zwölf Tage später auf das Oval zurück und gewann sensationell das Sechstagerennen in Berlin, Anfang Februar musste er aber nach einer Materialunverträglichkeit erneut unter das Messer. Der Traum von der 12. Elite-WM in Folge im April in Hongkong war dahin.

Nach dem Sieg im Teamsprint im Team Erdgas.2012 zusammen mit Erik Balzer (Cottbus) und Maximilian Dörnbach (Erfurt) stand Levy nach dem Sprint - im Finale besiegte er seinen Freund und langjährigen Wegbegleiter Rene Enders bei dessen letzter Meisterschaft mit 2:0 - schon zum zweiten Mal wieder ganz auf dem Podium. "Die Medaillen sind schon was besonderes. Schließlich habe ich vor Kurzem hier noch auf dem Holz gelegen", sagte Levy, "aber mit geht es wieder gut. Und ich habe weiter Spaß an Radrennen." Den zeigte er auch am Sonntag, verteidigte seinen Titel im Keirin erfolgreich vor Marc Jurczyk und Maximilian Dörnbach (Erfurt). Ein Titel-Hattrick bei der Rückkehr.

"Man darf die Ergebnisse nicht überbewerten", warnte Michael Hübner, Teamchef von Erdgas. "Max ist auf einem gutem Weg. Es ist aber schon noch ein Stück bis nach ganz vorn. Dass er sich schon das zweite Mal so zurückgekämpft hat, ist aber schon fantastisch", lobte der siebenfache Weltmeister und spielte auf Levys verhängnisvollen Sturz im Keirin-Finale bei der WM 2014 in Cali an. Damals zerschmetterte es das rechte Schlüsselbein, auch da musste zweimal operiert werden - inklusive Transplantation von Knochenmaterial aus dem Becken.

Levy nutzt die Meisterschaften in Frankfurt (Oder) und die kommenden vier Wochen mit Rennen in der Heimat in Cottbus beim Sprint-Cup (17./18.6.) und beim Großen Preis von Deutschland (23.6.) sowie dem Großen Preis von Polen in Pruszkow (1./2.7.) und das Sechstagerennen in Fiorenzuola (6. bis 11. Juli), um wieder die nötige Rennhärte zu erarbeiten.

"Ich fahre jedes Wochenende, um den Körper wieder hochzubringen und aus der Komfort-Zone herauszukommen", erklärte Levy. Das Ziel ist klar: Mitte Oktober will der dann 30-Jährige in seiner Geburtsstadt Berlin bei den Europameisterschaften (19. bis 22. Oktober) um Titel kämpfen.

Bundestrainer Detlef Uibel aus Illmersdorf (Spree-Neiße) plant derzeit, die Heim-EM mit den etablierten Kräften in Angriff zu nehmen und machte Levy nach seinem Sprint-Sieg berechtigte Hoffnungen. "Bei der Meisterschaft haben zwar ein paar Rennfahrer gefehlt, aber Levy ist auf einem guten Weg und hat wieder eine solide Ausgangsbasis für die kommende Saison", lobte der Chefcoach. Levy, der Mitte Juli eine kurze Pause einlegen will, ehe es mit Heimtrainer Eyk Pokorny in die Vorbereitung geht, freut sich auf die Titelkämpfe: "Es ist der Höhepunkt, der mir dieses Jahr geblieben ist", sagte er bescheiden und meldet auch keine Ansprüche an: "Ich habe meine Vielseitigkeit über Jahre hinweg bewiesen und in allen Disziplinen Titel und Medaillen gewonnen."

Wie jetzt wieder in Frankfurt im Sprint, Keirin und Teamsprint.

Zum Thema:
Am Samstag und Sonntag findet der 9. Cottbuser SprintCup auf der Radrennbahn Cottbus statt. In die Startlisten haben sich mehr als 100 Teilnehmer aus 15 Nationen eingetragen. Erstmals ist ein Team aus Indien dabei. Angeführt wird das Starterfeld von Maximilian Levy aus Cottbus und der Olympiasiegerin Kristina Vogel aus Erfurt. Für den RSC Cottbus starten außerdem Europameister Eric Engler und Erik Balzer. Samstag: Das Sprintturnier beginnt um 11 Uhr, der Sieger wird gegen 18.30 Uhr feststehen. Sonntag: Die Keirin-Vorläufe beginnen um 10 Uhr, der Sieger wird um 17 Uhr ermittelt.