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| 18:28 Uhr

Motorsport
Klaus Schiemenz hat den letzten Hafen angesteuert

Klaus Schiemenz war viele Jahre Chef des MC Schwielochsee.
Klaus Schiemenz war viele Jahre Chef des MC Schwielochsee. FOTO: hjs
Cottbus. Der frühere Rennleiter des MC Schwielochsee ist im Alter von 81 Jahren verstorben. Ein Nachruf von Georg Zielonkowski, der nicht nur im Sport viel von ihm gelernt hat.

Es ist üblich beim Lesen von Todesanzeigen, dass einem Erinnerungen durch den Kopf gehen. Nicht anders ging es mir, als ich auf der RUNDSCHAU-Seite den Namen Klaus Schiemenz lesen musste.

Während die Lausitzer Sportler­familie mit diesem Namen generell den Motorwassersport auf dem Schwielochsee verbindet, rührt meine Bekanntschaft mit dem jetzt 81-jährig Verstorbenen schon aus den späten Sechzigern. Wurde ich doch unter der Regie meines damaligen Lehrmeisters in die Geheimnisse der Telefontechnik eingeführt. Allerdings waren es nicht die Lehrjahre bei RFT am Ostrower Damm, die sich bei mir nachhaltig einprägten.

Viel mehr haben uns sein und mein Hobby ein Jahrzehnt später zusammengeführt, als er mir als Vorsitzender des MC Schwielochsee 1982 das Streckensprecher-­Mikrofon für die Wasserski-DDR-Meisterschaften in die Hand drückte. Mit einer seiner gewohnt knurrigen, immer aber zielführenden Bemerkung, die ich nie vergessen habe: „Das kriegste doch wohl hin, wenn du schon alle zwei Wochen die Leute im Energie-Stadion vollquatschen kannst.“

Offenbar hatte er mit seiner Vermutung recht, durfte ich doch in den Folgejahren sieben Mal die Motorbootrennen für die Besucher am Ufer des Sees kommentieren. Womit mir zugleich plötzlich der Weg zu den Rennplätzen in Grünau und Brandenburg offen stand. Damit konnte ich weitere bedeutende Sportler kennenlernen. Von Weltmeister Bernd Beckhusen bis zum dreimaligen Europameister Klaus Driefert zeigten sich damals alle stets aufs Neue angetan von der Unnachgiebigkeit des Klaus Schiemenz. Der mit seiner Hartnäckigkeit doch immer in der Lage war, den Umweltschützern Paroli zu bieten und er so die beliebten Veranstaltungen mithilfe seiner fleißigen Clubmitglieder durchführen konnte. „Ich habe fünf WM-Läufe in Bitterfeld ausgerichtet. Von Klaus Schiemenz habe ich in dem Zusammenhang so viele geniale Tipps zu einer perfekten Durchführung erhalten. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar“, hat mir Klaus Driefert am vergangenen Samstag erzählt, als ich ihm die traurige Nachricht vom Tod des Klaus Schiemenz telefonisch überbrachte.

Als sich die tollkühnen Rennfahrer im vergangenen Jahr im Juni nochmals am Ufer des Schwielochsees trafen und wir uns gemeinsam an die Renntage der 80er erinnerten, bedauerten die Fahrer ausnahmslos das da schon krankheitsbedingte Fehlen des früheren Rennleiters. Der 50 Jahre zuvor den MC Schwielochsee gegründet hatte, 45 Jahre lang sein Vorsitzender war und der so an dessen Entwicklung in Sachen Renn- und Freizeitsport einen unbestritten größten Anteil hatte. Ob ein Rennboot-Meister Czerniewski, die Wasserski-Artisten Haschok & Co. oder zuletzt die Schlauchboot-Renner. Sie alle werden sich garantiert gern an ihn erinnern. Genau wie seine Familie, in deren Reihen Klaus Schiemenz  manch harten Schicksalsschlag hinzunehmen hatte. Sein unermüdliches Engagement für den Sport auf dem Wasser blieb für das Ehrenmitglied des Motoryacht- und Wasserskiclubs Schwielochsee dennoch unerschüttert.

Nun hat dieser Klaus Schiemenz seine Angehörigen und die Sportlerfamilie durch sein Ableben erschüttert. Was bleibt, ist unser aller tiefe Verbeugung und ein „Danke, Klaus!“