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| 11:24 Uhr

Kanu
Mit 0,0 Promille im Olympiasieger-Boot

Beim Weltcup in Duisburg hatte Stefan Kiraj mit Silber das erste Achtungszeichen über die 200 Meter gesetzt.
Beim Weltcup in Duisburg hatte Stefan Kiraj mit Silber das erste Achtungszeichen über die 200 Meter gesetzt. FOTO: Imago Sportdienstfoto GmBH / Anke Waelischmiller/SVEN SIMON
Montemor. Nach dem WM-Titel im Vierer sitzt der Spremberger Stefan Kiraj bei den Kanu-Weltmeisterschaften in Portugal nun wieder allein im Boot. Der 29-Jährige hofft auf seine erste Einzelmedaille – dafür hat er ein ganz besonderes Boot bekommen. Von Jan Lehmann

Einst steht jetzt schon fest: Der Spremberger Stefan Kiraj wird bei den Kanu-Weltmeisterschaften in Montemor/Portugal keine Sektparty veranstalten. „Das schmeckt doch fürchterlich“, findet der 29-Jährige, der in Potsdam lebt und trainiert und gleiches auch über Bier sagen würde. Schon nach dem WM-Titel im Vierer und der darauffolgenden Wahl zu „Brandenburgs Mannschaft des Jahres 2017“ hatte Kiraj der RUNDSCHAU verraten, dass eine Ernährungsumstellung und der komplette Alkoholverzicht bei seinem ersten WM-Gold geholfen hätten. Kiraj sticht also weiter mit 0,0 Promille in See, das WM-Finale am Sonntag im Einer-Canadier über 200 Meter ist sein großes Ziel.

Am Samstagnachmittag (15.25 Uhr) startet der Athlet, der bei der SG Einheit Spremberg das Paddeln gelernt hat, in den Vorlauf. Dabei sitzt er in einem nagelneuen Boot. Eigentlich war dieses Geschoss für den dreifachen Olympiasieger Sebastian Brendel gedacht. Doch Kirajs Teamkollege ließ sich seinen Einer noch einmal umbauen. Und so bekam Stefan Kiraj die Chance auf das Brendel-Boot: „Es hat sich gut angefühlt. Ich komme damit vor allem schneller vom Start weg, das ist ja sonst immer mein großes Problem“, berichtet der 29-Jährige.

Kiraj strahlt großen Optimismus aus. Er berichtet, dass er so schnell wie noch nie sei. Zuletzt hatte er über 100 Meter die magische Neun-Sekunden-Schallmauer unterboten. „Das macht mich ziemlich hoffnungsfroh“, sagte der Spremberger. Und dennoch ist der Vorlauf am Samstag für ihn auch wieder ein Start ins Ungewisse. Selbst wenn viele Südamerikaner die PanAm-Spiele vorziehen und auch die fernöstliche Konkurrenz bei den Asienspielen weilt – die besten Sprinter kommen nun mal aus Europa. Es gibt zwei Vorläufe, die besten drei Kanuten kommen direkt ins Finale. „Das ist mein Ziel“, betont Kiraj, der insgeheim auf seine erste Einzelmedaille hofft. Dass er im C1 über 200 Meter in einer nicht-olympischen Disziplin aufs Wasser geht, empfindet er als unproblematisch: „Wenn man über beide olympischen Strecken den Weltmeister im eigenen Land hat, ist das natürlich schwer. Dennoch ist Tokio 2020 weiterhin mein großes Ziel.“

Nach Rang zwei beim Heim-Weltcup hat er Gefallen an der für ihn neuen Strecke gefunden. In Portugal kämpft er nun gegen die internationale Konkurrenz – und den Wind. Der kommt an der Strecke meist seitlich, selbst ein eigens aufgebauter Windschutz kann keine völlige Chancengleichheit garantieren. Und so wird sein WM-Rennen am Samstag auch zu einem kleinen Lotteriespiel. Kiraj gibt sich entspannt: „Ich gebe Vollgas und werde sehen, was dabei herausspringt.“ Vielleicht ja tatsächlich eine Medaille. Das richtige Getränk für die Feierlichkeiten würde sich garantiert finden lassen.