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Kiraj holt Gold bei Weltmeisterschaft in Tschechien

Der Gold-Jubel des Canadier-Vierers über 1000 Meter: Jan Vandrey (v.l.), Stefan Kiraj aus Spremberg, Conrad Scheibner und Sebastian Brendel.
Der Gold-Jubel des Canadier-Vierers über 1000 Meter: Jan Vandrey (v.l.), Stefan Kiraj aus Spremberg, Conrad Scheibner und Sebastian Brendel. FOTO: dpa
Racice/Tschechien. Die deutschen Kanuten konnten sich bei den Weltmeisterschaften auf ihre Spurtqualitäten verlassen und erlebten in Racice als erfolgreichste Nation wahre Festspiele. Mittendrin: der Spremberger Stefan Kiraj, der im nicht-olympischen Canadier-Vierer zusammen mit Stefan Brendel, Conrad Scheibner und Jan Vandrey Gold über 1000 Meter holte. Frank Kastner und Jan Lehmann

Auffällig: Fast alle deutschen Medaillen wurden dank starker Endspurts erkämpft.

Für Kiraj bedeutete der Erfolg am Sonntag seinen allererste WM-Titel - ein perfekter Abschluss der Titelkämpfe, nachdem der Kanute von der SG Einheit Spremberg am Samstag noch im Finale der Zweier-Canadier mit Conrad Scheibner über 500 Meter nur auf dem letzten Rang gelandet war.

Der 28-jährige Kiraj, der vor zehn Jahren über 1000 Meter seine erste Silbermedaille bei der Junioren-WM im C4 geholt hatte, berichtet: "Wir konnten unsere Taktik perfekt umsetzen. Auf den letzten 200 Metern habe ich gesehen, dass wir gut im Rennen lagen - aber ich wusste nicht genau, wo. Im Endspurt haben wir dann alles gegeben, im Ziel war es dann einfach nur große Freude."

Kaum aus dem Jubeln heraus kaum indes Stefan Brendel, der sich als König von Racice krönte. Der 29-Jährige bezwang auf seiner Paradestrecke über 1000 Meter im Canadier-Einer erneut den Tschechen Martin Fuksa und schaffte nach 2014 und 2015 den WM-Hattrick. Und dann noch Gold mit Kiraj & Co. "Ein schönes Gefühl, mit einem Mannschaftsboot Medaillen zu feiern", sagte Brendel, der dann zum Abschluss über die 5000 Meter auch noch sein drittes Gold holte.

Dabei hatte sich der Potsdamer nach seinen zwei Olympiasiegen nach Rio eine Auszeit gegönnt. Diese war nach über 20 Jahren Kanurennsport "mental und auch körperlich wichtig", betonte Brendel und erklärte: "Dass ich jetzt so zurückkommen konnte, ist natürlich auch den langjährigen Trainingsjahren geschuldet, weil ich eine gute Grundlage habe." Sein erfahrener Heim- und Bundestrainer Ralph Welke war happy: "So einen Sportler bekommt man nur einmal im Leben." Sein Wille, seine Kraft, sein Ehrgeiz und sein untadeliges Auftreten machen laut Welke Brendels Größe aus.

"Sebastian wird inzwischen sogar auf der Straße erkannt. Das passiert in unserem Sport sonst nur Birgit Fischer", sagte Verbandspräsident Thomas Konietzko anerkennend. Für Sportdirektor Jens Kahl ist Brendel "eine Kampfsau hoch zehn. Wenn er sich irgendwo festbeißt, dann tut es mir leid für jeden Gegner."

Insgesamt sechs WM-Titel, vier Silbermedaillen und eine Bronzeplakette räumten die deutschen Kanuten um den Spremberger Kiraj in Tschechienab. Mit Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio 2020 kündigte Krahl indes für 2018 schon mal "eine Durststrecke" an. "Da werden wir nicht so eine erfolgreiche WM haben. Wir brauchen mehr Grundlagentraining", betonte der Sportchef.