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| 02:42 Uhr

"Kinder-Riegel" besteht Feuerprobe

Marc Krause und seine Teamkollegen konnten einen wichtigen Sieg bejubeln – wenngleich die schwere Verletzung von Alexander Grötsch die Freude erheblich trübte.
Marc Krause und seine Teamkollegen konnten einen wichtigen Sieg bejubeln – wenngleich die schwere Verletzung von Alexander Grötsch die Freude erheblich trübte. FOTO: Beyer/sby1
Cottbus. Der "Kinder-Riegel" des SC Cottbus hat am Sonntag in der Deutschen Turnliga seine Feuerprobe bestanden. Beim so wichtigen 49:25-Heimsieg gegen den Siegerländer KV präsentierte sich die junge Mannschaft sehr nervenstark – obwohl sie einen Schockmoment durchleben musste. Jan Lehmann

Ein Sturz, ein Krachen, ein Schmerzensschrei - in diesem Augenblick musste man ernsthaft um den SC Cottbus fürchten. Beim Einturnen am Sprung war Alexander Grötsch böse auf die Matte gekracht und hatte sich schwer am Knie verletzt. Nach längerer Behandlungspause wurde er auf einer Trage aus der Halle gefahren. Schnell machte die Runde: Verdacht auf Kreuzbandriss.

Die große Frage war: Wie würde die junge Cottbuser Mannschaft mit diesem Verletzungsschock klarkommen? Nach drei Geräten stand es zwar 24:13 - doch der so wichtige Heimsieg gegen den Aufsteiger aus Südwestfalen war noch keineswegs sicher. Aber die junge Truppe von Trainer Karsten Oelsch, die insgeheim als "Kinder-Riegel" bezeichnet worden war, stand ihren Mann. Bestes Beispiel: Der erst 15-jährige Erik Mihan wurde nach Grötschs Verletzung schnell zum Sprung geordert und machte seine Sache zwar nicht perfekt - aber für einen Liga-Debütanten ziemlich ordentlich. Oder Enrico Barowsky: Der 16-Jährige richtete sich nach einer eher schwächeren Übung am Pferd selbst auf und steuerte am Ende sogar insgesamt acht Score-Points zum Cottbuser Sieg bei.

Bester Scorer war allerdings der Ukrainer Oleksandr Suprun mit 13 Zählern. Überhaupt hatten die Lausitzer mit ihren Gaststartern ein gutes Händchen: Der ehemalige griechische Boden-Weltmeister Eleftherios Kosmidis lieferte zwei konstante Übungen ab, auch der zweite Ukrainer Vitalii Arseniev half dem SCC weiter. Vereinspräsident Arved Hartlich freute sich: "Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen. Dieser Sieg war sehr wichtig für uns."

Angesichts des großen Leistungsgefälles in der Liga können die Gäste aus dem Siegerland nicht davon ausgehen, in einem der weiteren sechs Wettkämpfe noch zu punkten. Und da nur ein Team absteigt, hat der SC Cottbus den Klassenerhalt quasi nach dem ersten Wettkampf schon sicher. Trainer Oelsch zeigte sich stolz: "Ich bin sehr glücklich, dass wir das heute geschafft haben. Sicherlich lief noch nicht alles perfekt. Aber ich hoffe, dass dieser Sieg den Jungs noch mehr Selbstvertrauen gibt. Sie haben heute gesehen, dass sie alle ihre Einsatzchance bekommen können."

Unbedingt hervorheben wollte Oelsch die Leistung von Marc Krause. Der zählt als 20-Jähriger fast schon zu den alten Eisen. Und mit einem stabilen Sechskampf war er für die Riege ein extrem wichtiger Rückhalt. Dabei war die Grötsch-Verletzung für ihn besonders hart. Mit seinem ehemaligen Klassenkameraden von der Lausitzer Sportschule absolviert er gerade ein freiwilliges soziales Jahr beim Stadtsportbund Cottbus. Er berichtet: "Ich stand beim Sturz genau daneben, als es passierte. Und ich habe es auch knacken gehört."

Doch wie seine Teamkollegen versuchte er, den Schock auszublenden. Das war wichtig, denn am Sprung gab es die Vorentscheidung. Noch vor zwei Wochen beim National-Team-Cup hatte Krause einen "Nuller" hingelegt. Trotzdem ging Trainer Oelsch das Risiko ein und setzte auf den 20-Jährigen. Der brachte seinen Sprung vernünftig auf die Matte - als dieser Zittermoment überstanden war, lief es. Krause holte insgesamt zwölf Punkte und zeigte sich zufrieden: "Dieser Erfolg gibt uns viel Mut." Viel Zeit zum Freuen hatte er allerdings nicht - er wollte Kumpel Grötsch umgehend im Krankenhaus besuchen.