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| 02:40 Uhr

Kerbers "Feuer" und Zverevs "Meilenstein"

Angelique Kerber (29) hat ihr Tief scheinbar überwunden.
Angelique Kerber (29) hat ihr Tief scheinbar überwunden. FOTO: dpa
London. Den spielfreien Sonntag wollte Angelique Kerber für einen kurzen Ausflug in die Londoner City nutzen. Einfach mal ein, zwei Stunden abschalten, einen Kaffee trinken und den Kopf frei bekommen für die knifflige Aufgabe am Super-Montag in Wimbledon. Wolfgang Müller

Wenn an diesem größten Tag im Tennis-Jahr alle Achtelfinals bei Damen und Herren ausgespielt werden, darf neben der Weltranglisten-Ersten aus Kiel auch das Zukunftsversprechen Alexander Zverev noch mitmischen.

Als "Meilenstein" seiner noch jungen Karriere bezeichnete der 20 Jahre alte Hamburger seine Premiere in der zweiten Woche eines Grand-Slam-Turniers. Zum ersten Mal schaffte es das größte deutsche Talent seit Boris Becker und Michael Stich in ein Achtelfinale bei einem der vier wichtigsten Turniere - und wählte eine ganz spezielle Vorbereitung auf den Aufschlag-Giganten Milos Raonic aus Kanada.

"Ich weiß nicht, wer noch im Turnier ist und so aufschlägt wie er", sagte Zverev schmunzelnd auf die Frage, welchen Trainingsgegner er sich vor dem Match an diesem Montag (etwa 16.30 Uhr MESZ/Sky) aussuche. Ein Sparringspartner sollte sich daher an die T-Linie stellen und knallhart servieren, um die Aufschläge des Vorjahresfinalisten zu simulieren. Mit erstaunlicher Leichtigkeit und noch ohne Satzverlust rauschte Zverev bislang über die Rasenplätze an der Church Road. Gegen den Weltranglisten-Siebten ist er erstmals Außenseiter.

Dass auch Kerber in der ersten Partie des Tages (12.30 Uhr) gegen die Spanierin Garbiñe Muguruza nicht als Favoritin auf den Platz geht, hätte vor einem Jahr niemand so unterschrieben. Doch gegen die French-Open-Siegerin von 2016 und Wimbledon-Finalistin von 2015 hat die 29 Jahre alte Linkshänderin die vergangenen vier Partien allesamt verloren.

"Das hat gar nichts zu sagen", sagte Kerber nach ihrem bemerkenswerten Drittrunden-Sieg gegen Shelby Rogers (USA). 4:6, 2:4, 0:30 lag sie zurück, wehrte einen Breakball zum möglichen 2:5 ab und setzte sich am Ende doch noch durch. "Ich habe gemerkt, ich kann es, ich kann Matches drehen und ich weiß, dass ich mich auf mein Kämpferherz verlassen kann, und das ist wieder zurück", so Kerber.

Vielleicht hat die zuletzt so stabil instabile Norddeutsche genau so ein Spiel gebraucht, um sich aus ihrer Negativspirale zu befreien. "Das Feuer ist wieder da", sagte Tennis-Legende Martina Navratilova.