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Kampf gegen die kreativen Kerle

Andreas Bretschneider
Andreas Bretschneider FOTO: dpa
Cottbus. In Cottbus wird am Samstag die "Nacht der kreativen Köpfe" gefeiert – erstmals turnt der SC Cottbus in diesem Rahmen einen Bundesliga-Wettkampf. Und der Gegner könnte kaum passender sein: Schließlich kommt Titelvertei diger KTV Straubenhardt mit einer besonders kreativen Riege. Jan Lehmann

Gleich 20 verschiedene Institutionen wie das Carl-Thiem-Klinikum, die Brandenburgische Technische Universität oder die Handwerkskammer öffnen in dieser besonderen Nacht ihre Pforten. Erstmals dabei ist der SC Cottbus, die auf 6000 Stück limitierten Tickets für die "Nacht der kreativen Köpfe" berechtigen auch zum Eintritt beim Bundesliga-Wettkampf in der Lausitz-Arena (18 Uhr). "Wir erhoffen uns einige Zuschauer, die so zum ersten Mal zum Turnen kommen", erklärt SCC-Präsident Arved Hartlich.

Wie es der Zufall will, kündigt auch der Energie-Konzern Vattenfall mit "Mr. Piano" den Auftritt eines ehemaligen Kunstturners in seinem Firmensitz an. Bei dessen Showprogramm "Der Tastenakrobat", spielt der Ex-Turner demnach in irrwitzigen Positionen Klavier.

Doch gut möglich, dass die Weltklasse-Turner in der Lausitz-Arena "Mr. Piano" die Show stehlen. Schließlich steht dem SC Cottbus ein Kampf gegen besonders kreative Kerle bevor. Titelverteidiger KTV Straubenhardt kommt mit einem meisterlichen Kader, in dem mit Marcel Nguyen (29 Jahre), Andreas Bretschneider (27) und Lukas Dauser (23) gleich drei Turner aus dem deutschen Olympia-Kader turnen. Mit dem Rumänen Marian Dragulescu (35), Olympia-Vierter am Sprung in Rio, und dem Usbeken Anton Fokin (34) sind zwei weitere Topturner dabei.

Besonders Dragulescu, Nguyen und Bretschneider sind Hingucker - schließlich haben alle drei schon ein Element entwickelt, das zuvor noch nie geturnt wurde und jetzt mit ihren Namen im offiziellen Regelwerk des Weltverbandes steht (siehe Info-Box). Der "Bretschneider" ist gar das am höchsten bewertete Element der Turn-Geschichte. Es ist dermaßen schwierig, dass selbst sein Erfinder Andreas Bretschneider es nicht immer an die Stange bringt. In Rio war der Ex-Cottbuser dabei vom Reck gestürzt, seine Medaillenchance war dahin. In Cottbus könnte es der Viel flieger wieder versuchen.

Karsten Oelsch, sportlicher Leiter beim SC Cottbus, sagt: "Wenn diese Weltklasseturner an die Geräte gehen, können unsere Jungs zuschauen und lernen."

Beim SCC rechnet man mit einer Lehrstunde, echte Siegchancen gibt es wohl nicht. Oelsch betont: "Wir wollen einen guten Wettkampf turnen und uns Selbstvertrauen holen."

Vielleicht ja auch die Anregung für Experimente im Training. Oelsch verrät, dass auch der Cottbuser Nationalmannschaftsturner Christopher Jursch die Entwicklung eines eigenen Elements im Hinterkopf habe: "Wir haben das noch nicht aus den Augen verloren, aber dazu muss man über lange Zeit in absoluter Topform sein", so Oelsch.

Zum Thema:
"Dragulescu" am Sprung: Handstützüberschlag mit anschließendem Doppelsalto vorwärts gehockt mit halber Längsachsendrehung. "Brettschneider" am Reck: Gehockter Doppelsalto mit zweifacher Schraube. "Nguyen" am Barren: Felge aus dem Seitverhalten mit einer Dreiviertel-Drehung