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| 16:56 Uhr

Talent des RSC Cottbus ist nun Radprofi
Kämna: Über Cottbus zur Tour de France

 Lennard Kämna wurde an der Lausitzer Sportschule ausgebildet. Von 2011 bis 2014 startete er für den RSC Cottbus.
Lennard Kämna wurde an der Lausitzer Sportschule ausgebildet. Von 2011 bis 2014 startete er für den RSC Cottbus. FOTO: Augenklick / Roth/Augenklick
Colmar. Der ehemalige Cottbuser Lennard Kämna ist der jüngste Deutsche im Feld der 106. Tour de France und mit Rundfahrttalent gesegnet. Nach dem schwierigen Jahr 2018 träumt er nun sogar von einem Etappensieg.

Der Ex-Cottbuser Lennard Kämna hat schon erlebt, dass bei der Tour de France kleine Gesten manchmal einen großen Unterschied machen. Ein Foto oder ein Autogramm, mehr braucht es nicht, um für strahlende Kinderaugen zu sorgen. Kämna liebt auch solche Erlebnisse bei seinem Tour-Debüt, er will „alles aufsaugen, was drumherum passiert, ein paar schöne Erfahrungen machen“, sagt er: „Ich genieße jeden Moment. Mit meinen Leistungen bin ich bisher sehr zufrieden.“

Für den 22-Jährigen ist der erste Start bei der Frankreich-Rundfahrt der vorläufige Höhepunkt einer Karriere, die mit vielen Vorschusslorbeeren begonnen hatte und ihm doch schon einige harte Prüfungen abverlangte. „In meinem ersten Jahr war überall eine gewisse Erwartungshaltung, aber ich war im Kopf noch nicht bereit für das ­Profibusiness“, erinnert sich der Norddeutsche.

Damals sah die Branche in ihm schon den möglichen deutschen Rundfahrer der Zukunft, seine Fähigkeiten, seine Veranlagung und seine Statur ließen darauf schließen. Aber Kämna war erst 20 und allein schon von den grundlegenden Anforderungen an einen Radprofi zeitweise überfordert. Der ehemalige Junioren- und Teamweltmeister im Zeitfahren hat seine Lehren daraus gezogen. „Ich achte generell mehr auf Körper und Geist“, erzählt Kämna.

Umso aufgeräumter und reifer wirkt das Ausnahmetalent inzwischen – und auch sein Potenzial hat Kämna klarer vor Augen. „Ich merke schon, dass mir Rundfahrten am besten liegen, und ich versuche, mich dahingehend zu spezialisieren“, sagt der viertjüngste Starter im Tour-Peloton. Wohin das führt, lässt sich gleichwohl schwerlich prognostizieren, schließlich ist die 106. Frankreich-Rundfahrt nach der Vuelta 2017 erst die zweite Grand Tour seiner Laufbahn.

Seine Landsleute Emanuel Buchmann und Maximilian Schachmann sind schon einige Entwicklungsschritte weiter, die Ansprüche an sie berechtigterweise gewachsen.

Bei Kämna ging es zunächst darum, alles in die richtigen Bahnen zu lenken. „Wahrscheinlich hat man jetzt die Pace für mich gefunden“, sagt er auch mit Blick auf das von vielen Problemen geprägte Jahr 2018, das gar in eine monatelange Rennpause mündete.

„Körperlich erschöpft und geistig irgendwie müde“ sei er damals gewesen, blickt Kämna zurück. „Es sind Erfahrungen, die vielleicht in dem Moment nicht helfen, später in der Karriere aber schon“, sagt Sunweb-Teamchef Iwan Spekenbrink. Für den Niederländer ist Kämna, der in Fischerhude bei Bremen lebt, „ein Talent, das noch viel Zeit hat“.

Lennart Kämna ist Absolvent der Lausitzer Sportschule. Von 2011 bis 2014 startete er für den RSC Cottbus, wo er unter anderem von Trainer Rainer Gatzke geprägt wurde. 2017 hatte Kämna bei der WM in Norwegen als Titelträger im Team-Zeitfahren und Silbermedaillengewinner im U23-Straßenrennen für Furore gesorgt. Für seine Premiere bei der Großen Schleife in diesem Jahr empfahl Kämna sich im Juni mit einer starken Tour de Suisse, die für sein „Selbstvertrauen Gold wert“ gewesen sei. Das wichtigste Radrennen der Welt erlebt Kämna nun als Lernender, im deutsch-lizenzierten Team Sunweb ist er vor allem als Helfer für den Australier ­Michael Matthews gefragt.

Wenngleich auch Lennard Kämna nach dem Tour-Ausfall des Niederländers Tom Dumoulin, der als Klassementfavorit angetreten wäre, mehr Freiheiten erhalten könnte. Die Chance würde der deutsche Youngster auf zumindest einer Etappe gerne wahrnehmen: „Ich gehe davon aus, dass ich auch mal drankomme.“

 Damals im Jahr 2011: Die Nachwuchsfahrer vom Landesleistungsstützpunkt Cottbus mit Marcel Franz, Christian Koch, Leon Rhode, Louis Rhode, Julus Schlott und Lennard Kämna (v.l.).
Damals im Jahr 2011: Die Nachwuchsfahrer vom Landesleistungsstützpunkt Cottbus mit Marcel Franz, Christian Koch, Leon Rhode, Louis Rhode, Julus Schlott und Lennard Kämna (v.l.). FOTO: Manfred Heinrich