ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 09:15 Uhr

Turnen
Jurschs Titel tut der Turnstadt Cottbus gut (mit VIDEOS)

FOTO: ZB / Hendrik Schmidt
Leipzig. Der Cottbuser Christopher Jursch meldet sich bei den Deutschen Meisterschaften mit dem Sieg am Reck zurück. Dieser Titel tut nicht nur ihm, sondern der gesamten Turnhochburg Cottbus gut. Von Jan Lehmann

Gold! Christopher Jursch ballte die Fäuste, einmal, zweimal. Für den introvertierten Cottbuser war das schon ein wahrer Gefühlsvulkan. Mit dem Titel am Reck hat sich der 26-Jährige am Sonntag bei den Deutschen Turn-Meisterschaften in Leipzig zurückgemeldet. Zuvor hatte er schon Silber am Pauschenpferd gewonnen.

Nach einer langen Durststrecke mit einer Schulteroperation und vielen Rückschlägen war Jursch die Erleichterung anzumerken. Er gab zu: „Es ist ein schönes Gefühl, weil ich in den letzten Jahren nicht viel Erfolg hatte. Es war ein spannender Wettkampf, ich war sehr aufgeregt. Dieser Titel zeigt, wenn der Wille stark genug ist, dann geht es.“ Für seinen Trainer Oleksandr Suprun war der Erfolg in Leipzig nur ein Zwischenschritt: „Ich freue mich sehr für Christopher, aber wir müssen die Übung weiter aufstocken.“

Jursch hatte als letzter Turner am Reck vor 4500 Zuschauern in der Leipziger Arena für den krönenden Abschluss der Titelkämpfe gesorgt – für den Schockmoment war indes ein Ex-Cottbuser verantwortlich: Andreas Bretschneider hatte sich am Samstag beim Einturnen einen Achillessehenriss zugezogen. Der 29-Jährige wurde bereits in der Nacht zu Sonntag in Chemnitz operiert. Bretschneider verpasst damit die WM in Doha/Katar (25. Oktober bis 3. November) und auch das Turnier der Meister in Cottbus (22. bis 25. November). Beim Weltcup in der Lausitz ist Bretschneider der Rekordhalter am Reck. Viermal hat der Chemnitzer, nach dem das schwierigste Turn-Element der Welt benannt ist, beim Traditionsturnier am Königsgerät gewonnen.

Nach schwierigen Zeiten hat Christopher Jursch in Leipzig ein Zeichen gesetzt.
Nach schwierigen Zeiten hat Christopher Jursch in Leipzig ein Zeichen gesetzt. FOTO: ZB / Hendrik Schmidt

Vielleicht kann ja Christopher Jursch in Bretschneiders Fußstapfen treten. Nachdem er jetzt nicht nur Gold geholt hat, sondern bei der ersten WM-Qualikation vor zwei Wochen in Stuttgart und auch beim Mehrkampf am Samstag jeweils der Beste am Reck war, könnte ihm Bundestrainer Andreas Hirsch eigentlich einen Start beim Heim-Wettkampf in Cottbus zugestehen. „Die Chancen sind nach der Verletzung von Andreas Bretschneider etwas größer geworden“, sagt Jursch. Vorerst muss der Bundestrainer am Montag aber seine fünf Turner für den WM-Kader nominieren. Nach Rang sieben im Mehrkampf dürfte Jursch dafür nur eine kleine Chance haben. Zwei Fehler am Sprung und am Boden hatten ihn eine mögliche Medaille gekostet.

Den Mehrkampf gewann Marcel Nguyen – trotz angebrochener Rippe. Er setzte sich mit 80,125 Punkten vor dem Hannoveraner Andreas Toba (79,000) und dem Chemnitzer Ivan Rittschik (78,700) durch.

 Jurschs Teamkollege Leonard Prügel landete am Samstag im Mehrkampf auf Rang acht und wurde am Sonntag am Pauschenpferd und am Sprung jeweils Fünfter. Der 20-Jährige sagte: „Es ist ganz gut gelaufen, der Mehrkampf hat mich mehr gefreut als die Finals. Mit dem achten Platz konnte ich dem Bundestrainer zeigen, dass er auch mit mir rechnen kann.“

Enrico Barowsky, der nach zwei Jahren Turn-Auszeit sein Debüt bei den Deutschen Meisterschaften der Elite feierte, wurde am Boden Sechster. Ihm war die Aufregung anzumerken, er patze bei mehreren Elementen. Der 21-Jährige sagte: „Die Übung lief nicht gut, ich war zu kalt. Aber die Atmosphäre war Wahnsinn, das motiviert mich.“

Die Goldmedaille von Jursch dürfte zusätzliche Motivation für den Cottbuser Bundesstützpunkt sein. Dieser Titel tut der Turnhochburg in der Lausitz richtig gut.

Auch für Leonard Prügel ist es „ganz gut gelaufen“.
Auch für Leonard Prügel ist es „ganz gut gelaufen“. FOTO: Steffen Beyer