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Jursch-Operation ist ein Rückschlag für den SC Cottbus (mit Video)

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Cottbus. Eigentlich sollte der Topturner des SCC um internationalen Lorbeer für den Verein kämpfen. Doch nun droht der 24-Jährige, das ganze Jahr auszufallen. Jan Lehmann

Das ist für das Cottbuser Turnen ein doppelt schwerer Schlag - nicht nur im Kampf um das Finale in der Deutschen Turnliga (DTL), sondern auch im internationalen Vergleich. Mit Nationalmannschaftsturner Christopher Jursch und dem verheißungsvollen Talent Devin Woitalla fallen gleich zwei Stützen der Bundesliga-Mannschaft lange aus. Beide müssen an der Schulter operiert werden. Jursch scheint damit schon jetzt keine Chance mehr auf die WM-Teilnahme im Oktober zu haben.

Für Devin Woitalla sind die Deutschen Meisterschaften beim Turnfest in Berlin der vorerst letzte Wettkampf. Danach muss der 18-Jährige erneut an der Schulter operiert werden, die ihm schon seit längerer Zeit Probleme macht. Bis dahin quält sich der Cottbuser noch durch, kann aber bloß noch ein Gerät - das Pauschenpferd - turnen.

Christopher Jursch hingegen ist völlig außer Gefecht gesetzt. Er verriet am Rande des DTL-Wettkampfes des SC Cottbus gegen die TG Saar (22:38), dass sein Trainer Oleksandr Suprun ihm sogar freundschaftlich Prügel angedroht habe, falls der 24-Jährige doch im Training an die Geräte gehen sollte. Die Gefahr, dass sich die Verletzung noch verschlimmert, ist zu groß.

Das Problem: Bei der EM-Vorbereitung hatte sich Jursch schwer an der Schulter verletzt. Bei einer Bodenübung wollte er den Arm nach oben reißen, doch das ging nicht. Der Knorpel ist abgebrochen. Die Schmerzen sind groß, der Arm nicht mehr voll beweglich. Jursch wird am 24. Mai operiert und ist frustriert: "Die Deutschen Meisterschaften sind damit auf alle Fälle passé." Und mehr noch: Nach der verpassten Europameisterschaft muss der Cottbuser wohl früh in der Saison auch den zweiten internationalen Höhepunkt abhaken: Die Weltmeisterschaften im Oktober in Montreal/Kanada.

Der Cottbuser sagt: "Ich gehe davon aus, dass die anderen Turner im Nationalteam bis dahin einen Vorsprung in der Qualifikation für die WM haben. Ich kann ohnehin erst nach der Operation abschätzen, wie lange ich wirklich ausfalle."

Für Jursch ist das im Jahr nach der verpassten Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro ein schwerwiegender Rückschlag - genau wie für seinen Verein. Beim SC Cottbus hatte man gehofft, dass der Reckspezialist in dieser Saison wieder neu durchstartet - und dem traditionsreichen Cottbuser Bundesstützpunkt endlich mal wieder eine internationale Medaille beschert. Das wäre auch in Sachen Sportförderung, wo nach der Reform des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), die Verteilung der Steuergelder noch erfolgsabhängiger ist, ganz förderlich gewesen.

Die letzten internationalen Medaillen für den SCC hatte der ehemalige Weltklasseturner Philipp Boy im Jahr 2011 von der EM in Berlin (Mehrkampf-Gold, Reck-Silber) und der WM in Tokio (Mehrkampf-Silber) mitgebracht.

Auf solche Erfolge muss man in Cottbus nun weiter warten. Hoffnungen machen jedoch die Nachwuchsturner Leonard Prügel und Lucas Kochan. Beide entwickeln sich stetig weiter, zeigten zuletzt gegen die TG Saar stabile Leistungen und entwickeln sich langsam zu Stützen im Cottbuser DTL-Team. Und dennoch rückt das Traumziel DTL-Finale für die Lausitzer in weite Ferne. Mannschaftsleiter Lukas Gallay bleibt dennoch optimistisch: "Dadurch, dass uns diese beiden wichtigen Turner fehlen, wird das sehr schwer für uns. Aber wir werden darum kämpfen - und vielleicht sieht das ja im zweiten Halbjahr schon ganz anders aus."