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| 12:25 Uhr

Eishockey
Junge Füchse: alte Probleme und neue Hoffnung

 Die Trainingsbedingungen im Fuchsbau sind nicht immer optimal. Manchmal muss die Freifläche neben der Arena herhalten, wie hier für die U11 mit Trainer Torsten Hanusch.
Die Trainingsbedingungen im Fuchsbau sind nicht immer optimal. Manchmal muss die Freifläche neben der Arena herhalten, wie hier für die U11 mit Trainer Torsten Hanusch. FOTO: Steffen Bistrosch
Weißwasser. Der Nachwuchs des traditionsreichen Eishockey-Vereins aus Weißwasser hat mit so manchen Widrigkeiten zu kämpfen. Von Steffen Bistrosch

So begeisternd die Saison für das Profiteam der Lausitzer Füchse um Trainer Corey Neilson in der 2. deutschen Eishockey-Liga DEL2 lief, so ernüchternd waren zum Teil die Ergebnisse der Spielklassen im Weißwasseraner Nachwuchsbereich.

Sowohl die U20 mit dem Abstieg aus der Division II (zweithöchste Spielklasse), als auch die U17 in der Division I (höchste Spielklasse) konnten ihre jeweilige Liga sportlich nicht halten. Die aktuellen Tabellenplatzierungen der U15 und der U13 geben ebenfalls wenig Anlass zur Hoffnung, dass sich diese Tendenz kurzfristig umkehrt. Wobei die U15 einen Teil der eingefahrenen Punkte durch Formfehler am „Grünen Tisch“ verlor.

Lediglich die Ergebnisse U11 und die U9 können den Ansprüchen des Traditionsstandortes genügen. In den Vergleichen gegen die direkte ostdeutsche Konkurrenz etwa aus Berlin oder Dresden sind sie derzeit qualitativ wie quantitativ (noch) in der Lage, gegenzuhalten. Das zeigen die Siege beim Maschinenbaucup in Crimmitschau oder beim Juniorcup in Dresden gegen namhafte Gegner. Dem erfahrenen Trainer Torsten Hanusch steht ein relativ großer Kader zur Verfügung. Die Durchlässigkeit der unterschiedlichen Meldeklassen sorgt für gesunde sportliche Konkurrenz im Team, der Trainer hat hier die Qual der Wahl bei der Aufstellung der Mannschaften.

Die Gründe für das dürftige Abschneiden der Älteren sind indes vielschichtig. Ein wesentlicher Aspekt stellt das „Einfrieren“ der Altersklassen durch den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) in diesem Jahr dar. Nachwuchstrainer André Mücke weist darauf hin, dass dadurch die U20 mit ganzen neun (!) Spielern in die Saison gestartet ist. Diese Situation verbesserte sich zwar im Verlauf des Jahres, jedoch konnte letztlich auf keinen in der Breite konkurrenzfähigen Kader zurückgegriffen werden.

Der U17 wiederum machte der Umstand schwer zu schaffen, dass aus dem ältesten spielberechtigten Jahrgang 2003 nur wenige Spieler zur Verfügung standen; die zwangsläufig eingesetzten jüngeren Spieler hatten im Vergleich zur Konkurrenz körperliche Nachteile. Mücke hält indes den Wiederaufstieg für realistisch – wenn das Team in der kommenden Spielzeit zusammenbleibt und eventuell punktuell verstärkt werden kann.

 Auf diese Verpflichtung freut sich Bernhard Stefan (r.), der Vorsitzende des Stammvereins Lausitzer Füchse: Sebastian Wolsch (l.) kehrt nach fast 15 Jahren in die Heimat zurück und wird sportlicher Leiter im Nachwuchsbereich.
Auf diese Verpflichtung freut sich Bernhard Stefan (r.), der Vorsitzende des Stammvereins Lausitzer Füchse: Sebastian Wolsch (l.) kehrt nach fast 15 Jahren in die Heimat zurück und wird sportlicher Leiter im Nachwuchsbereich. FOTO: Steffen Bistrosch

Die Verantwortlichen im Fuchsbau sind sich der Situation durchaus bewusst und alles andere als zufrieden. Die Ursachen sind nicht neu. Bernhard Stefan, Vorsitzender des Stammvereins „Lausitzer Füchse“, und Dirk Rohrbach, Geschäftsführer der Profis und Stellvertreter im Nachwuchsbereich, müssen zur Kenntnis nehmen, dass Weißwasser regelmäßig Talente an größere Klubs verliert. Wenn aus der U17, wie vergangenes Jahr, vor Saisonbeginn fünf Leistungsträger den Verein in Richtung Konkurrenz verlassen, so ist es angesichts des überschaubaren Anzahl an Spielern unmöglich, diesen Aderlass zu kompensieren. Zu diesen sportlichen Gründen kommen familiäre oder berufliche Gründe, weswegen Spieler den Verein verlassen. Grundsätzlich verfüge der Eissport in Weißwasser über zu wenig Spieler. Synergieeffekte, wie sie etwa die Kooperation mit Niesky oder anderen Standorten hervorbringen könne, müssen ausgelotet werden.

Stefan und Rohrbach wissen auch, dass die Infrastruktur in leistungssportlicher Hinsicht durchaus Mängel aufweist. Sie wünschen sich Rahmenbedingungen, wie sie in Dresden oder Crimmitschau normal sind. Das betrifft ein Sportprofil in weiterführenden Schulen ebenso wie die Trainingsbedingungen. Eine einzelne Eisfläche für den Profi- und Nachwuchsbereich sowie den Amateur- und Freizeitsport, die noch dazu für Freizeitaktivitäten genutzt wird, ist äußerst knapp bemessen.

Der ESW als Hauptnutzer der Eisarena würde es gern sehen, dass die Stadt als deren Eigentümer flexibler auf die Bedürfnisse des Leistungssports reagiert. Spätestens hier tritt allerdings das Grundproblem zu Tage: Finanziell sind weder die Stadt noch der ESW auf Rosen gebettet.

Dass im Nachwuchsbereich rote Zahlen geschrieben werden, sei kein Geheimnis, so Rohrbach. Die Trainer- und Übungsleitersituation scheint ebenfalls nicht optimal. Hier seien in der Vergangenheit nicht immer die besten Entscheidungen getroffen worden, räumen beide Verantwortlichen ein. Dem wird jetzt Rechnung getragen. Mit Sebastian Wolsch wird ab Juni ein hauptamtlicher Nachwuchskoordinator und Trainer seine Arbeit aufnehmen.

Im sportlichen Bereich soll nunmehr ein tragfähiges Konzept erarbeitet und vor allem umgesetzt werden. Dazu sollen frühere Spieler wie Götz, Heyer, Wartenberg, Rösler oder Lysk deutlich stärker eingebunden werden.

Die Besetzung der künftigen Trainerstellen steht derzeit ebenfalls auf dem Prüfstand. Die sportliche Leitung will mit den Eltern weiter zusammenrücken, die Zusammenarbeit verbessern. Das private Umfeld beeinflusst ebenso wie die sportliche Einstellung und Lebensweise der Spieler deren Leistung auf dem Eis. Hier gibt es Kommunikationsbedarf in beiden Richtungen.

Indes hat der Eishockeystandort Weißwasser hat nach wie vor einen guten Ruf. Spieler, die hier ihr Handwerk gelernt haben, spielen in ganz Deutschland. Das Wohnheim hat sich als Stabilitätsfaktor erwiesen, eine ganze Reihe von auswärtigen Spielern habe sich dadurch gut entwickelt, sagen die Verantwortlichen.

Wichtig sei es jetzt, keine Leistungsträger zu verlieren und punktuell nach Verstärkungen zu suchen. Schließlich solle der Wiederaufstieg sowohl der U17 als auch der U20 angegangen werden. Manager Rohrbach würde zudem liebend gern einem Spieler aus dem aktuellen Nachwuchs einen Vertrag in der Profimnannschaft anbieten. Das Wichtigste bleibe jedoch, dass in jeder Saison genügend Kinder und Eltern den Weg in die Eishalle finden und dem Sport über alle Widrigkeiten hinweg treu bleiben.