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Judoka Lena-Sophie Grulich - Als Läuferin gestartet – auf der Matte gelandet

Stolze deutsche Meisterin: Sowohl 2015 als auch 2016 holte Toptalent Lena-Sophie Grulich Gold.
Stolze deutsche Meisterin: Sowohl 2015 als auch 2016 holte Toptalent Lena-Sophie Grulich Gold. FOTO: Privat
Potsdam. Die RUNDSCHAU präsentiert hoffnungsvolle Lausitzer Talente. Heute: Judoka Lena-Sophie Grulich aus Knippelsdorf (Elbe-Elster). Michèle-Cathrin Zeidler

Barfuß und im weißen Trainingsanzug tritt Lena-Sophie Grulich auf die rote Matte. Ihre Hüfte ziert ein schwarzer Gürtel, das blonde Haar bändigt ein Zopf. Aufmerksam taktieren ihre Augen die Gegnerin. Mit dem "Ha - jime" vom Kampfrichter ist das Duell eröffnet und Lena-Sophie Grulich setzt ihren ersten Griff an.

"Beim Judo ist jeder Kampf unvorhersehbar", sagt die 16-Jährige aus Knippelsdorf. "Es geht vor allem um Ehrgeiz, Willenskraft und Kampfgeist." Viele Defizite könnten damit ausgeglichen werden. "Das unterscheidet Judo von den meisten anderen Sportarten", weiß die aktuelle deutsche Meisterin der U 18 und U 21 und erinnert sich an ihre Zeit in der Leichtathletik: "Wenn in einem Lauf meine Gegnerin eine zehn Sekunden schnellere Bestzeit hatte, war die Platzierung eigentlich schon vor dem Start klar."

Anders im Judo: Heute überrascht sie regelmäßig mit ihrem Kampfgeist Zuschauer, Kampfrichter und Gegnerinnen. Trotzdem war ihr Ausflug in die Leichtathletik nicht umsonst. "Ich laufe bis heute viel, und meine gute Ausdauer hilft mir besonders gegen Ende des Kampfes", erklärt die Schülerin, die durch ihren Bruder Eric Grulich mit zehn Jahren die Liebe zum Judo entdeckte.

"Mich hat das Kämpfen vom ersten Moment an fasziniert, aber auch der Zusammenhalt im Verein", erinnert sich Lena-Sophie Grulich an ihre Anfangszeit beim TSV Empor Dahme. Schnell stellten sich die ersten Erfolge ein, ihr Talent wurde entdeckt, und vor vier Jahren macht Lena-Sophie Grulich den Sport zum Mittelpunkt ihres Lebens. Sie lässt Familie und Freunde zurück und wechselt an die Sportschule in Potsdam. "Natürlich hatte ich am Anfang starkes Heimweh, aber ich bereue diese Entscheidung nicht", sagt sie mit Überzeugung. "Judo ist alles für mich und nur hier kann ich so viel trainieren."

Denn ihr Schulalltag im Internat wird unterbrochen von Trainingseinheiten. Nach dem Frühstück stehen für die Rap- und Hip-Hop-Liebhaberin zwei Schulstunden auf dem Plan. "Englisch und Französisch liegen mir dabei nicht so gut, aber an den Naturwissenschaften habe ich Spaß," erzählt die Elftklässlerin. Nach dem Abitur möchte sie gerne zur Polizei gehen: "Durch die Sportförderung dort könnte ich Beruf und Judo vereinen."

Nach den ersten zwei Unterrichtsstunden schnürt sich Lena-Sophie Grulich dann die Sportschuhe. Für zwei Stunden geht es in den Kraftraum oder zum Laufen. Danach heißt es umziehen und wieder ins Klassenzimmer. Wenn die Köpfe dann so richtig qualmen, steht am Nachmittag die zweite Sporteinheit an. "In Trainingskämpfen arbeiten wir dann vor allem an der Technik", erklärt Lena-Sophie Grulich. Hier sieht sie selbst eine ihrer Schwächen. "Meine Technik ist noch nicht perfekt, sie ist unsauber. Daran muss ich arbeiten", gesteht sie selbstkritisch. Aber auch diese Eigenschaft zeichnet einen guten Judoka aus: Bescheidenheit.

Nach Schulunterricht und Sporteinheiten ruft das Bett manchmal schon ganz laut nach Lena-Sophie Grulich, aber dann stehen die Hausaufgaben auf dem Plan. Nach vier Jahren ist die Judoka dieses Programm allerdings gewöhnt. Außerdem weiß sie auch genau, warum sie all diese Anstrengungen auf sich nimmt. "2017 möchte ich wieder international angreifen. Die EM und die Olympischen Jugendspiele sind mein Ziel", sagt die Kämpferin. Olympia 2024 hat sie fest im Blick. "Das wäre ein Traum, aber bis dahin ist es noch ein langer Weg."

Zum Thema:
Die RUNDSCHAU will es wissen: Wo sind in der Lausitz die Talente versteckt, die eines Tages für Deutschland die olympischen Medaillen aus dem Feuer holen werden? Haben Sie in Ihrem Verein ein Mädchen oder einen Jungen, die schon früh erkennen lassen, dass sie eines Tages die erfolgreichen Nachfolger von Diskus-Olympiasieger Christoph Harting, Bahnrad-Weltmeister Maximilian Levy oder Leichtathletik-Europameisterin Antje Möldner-Schmidt werden könnten? Wir wollen diese Talente kennenlernen. Bitte schreiben Sie uns eine E-Mail an die Adresse sport@lr-online.de. Betreff: Lausitzer Talente.