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| 23:00 Uhr

Leichtathletik
Jetzt gilt es auf dem „guten Pflaster“

Die blaue Berliner Bahn liegt Antje Möldner-Schmidt. Nicht nur an das Istaf, wie hier 2014, hat sie dabei gute Erinnerungen, sondern vor allem an die WM 2009.
Die blaue Berliner Bahn liegt Antje Möldner-Schmidt. Nicht nur an das Istaf, wie hier 2014, hat sie dabei gute Erinnerungen, sondern vor allem an die WM 2009. FOTO: Imago Sportdienstfoto GmBH / imago sportfotodienst
Cottbus/Berlin. Mit dem Vorlauf über 3000 Meter Hindernis beginnt an diesem Freitag auch für Antje Möldner-Schmidt die EM. An die blaue Bahn im Berliner Olympiastadion hat die 34-Jährige vom LC Cottbus beste Erinnerungen. Von Mirjam Danke

Wenn an diesem Freitag um 12.25 Uhr der Startschuss für das Qualifikationsrennen über 3000 Meter Hindernis im Berliner Olympiastadion fällt, ist das ­Comeback von Antje Möldner-Schmidt auf der großen, internationalen Bühne vollzogen – ziemlich genau vier Jahre nach ihrem letzten großen Lauf. Damals wurde die Athletin des LC Cottbus in Zürich Europameisterin. Welcher Platz diesmal im angepeilten EM-Finale (Sonntag, 20.55 Uhr) herausspringt, ist völlig offen.

Denn hinter der 34-Jährigen, die im Frühjahr 2016 Mutter wurde, liegt eine längere Pause. Mit hartem Training in den vergangenen Monaten, und das in der Doppelrolle als Mutter und Leistungssportlerin, hat sich Antje Möldner-Schmidt wieder auf Wettkampfniveau gebracht.

Was nun bei der Heim-EM in Berlin möglich ist, darüber mochte die Cottbuserin keine Prognose abgeben. „Man wird dann immer sehr schnell auf solche Dinge festgenagelt“, erklärte sie lächelnd gegenüber der RUNDSCHAU. „Erstmal den Endlauf erreichen, dann ist alles möglich“, sagte sie.

Tatsächlich ist es schwer vorherzusagen, wie sich der Vorlauf am Freitag wohl gestalten wird. Wer ist mit dabei? Stürmen die Favoritinnen gleich los? Oder wird es ein mittelmäßiges, ja sogar langsames Rennen, das in einem Massenspurt gipfelt? „Es gibt so viele Eventualitäten“, weiß die erfahrene Läuferin des LC Cottbus. „Im Endeffekt muss ich mich auf mich selbst konzentrieren und lasse das einfach auf mich zukommen.“

Im Bundesleistungszentrum Kienbaum bei Berlin hat sich Antje Möldner-Schmidt in den vergangenen Tagen mit ihrer Trainerin Beate Conrad final gerüstet für ihr Comeback. „Abschlussprogramm, fokussieren – viel kann man nicht mehr machen“, beschreibt sie diese letzten Tage vor dem heißen Start auf der markanten blauen Bahn.

Zum Berliner Olympiastadion hat die Cottbuserin eine ganz besondere Beziehung. Hier feierte sie bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 ihren internationalen Durchbruch. Hier stellte sie damals mit einer Zeit von 9:18,54 Minuten einen neuen deutschen Rekord über 3000 Meter Hindernis auf. Bis zum vergangenen Jahr hatte dieser Bestand, bevor er von Gesa Felicitas Krause (9:11,85) geknackt wurde.

„Ja, hier fing alles an“, erinnert sich Antje Möldner-Schmidt und sinniert: „Entweder endet hier auch alles – oder es geht weiter.“ Gedanken an die Zeit nach der EM will sich die 34-Jährige so kurz vor dem Wettkampf nicht machen. Stattdessen freut sie sich auf das euphorische Publikum bei der Heim-EM und den Lärm im Berliner Rund („Da bekommt man Gänsehaut“). Mit der Gewissheit „Berlin ist ein gutes Pflaster“ geht die Cottbuserin in den Vorlauf an diesem Freitag.

Natürlich hat sie zuletzt sehr genau beobachtet, wie die Konkurrenz so drauf ist, die Norwegerin Karoline Bjerkeli Grovdal zum Beispiel, welche die europäische Jahresbestenliste mit einer Zeit von 9:18,36 anführt. Oder Luiza Gega aus Albanien (9:22,00) als Zweitplatzierte. Und natürlich ihre große deutsche Konkurrentin Gesa Krause (9:34,58), aktuell Sechstschnellste Europas. Möldner-Schmidt findet sich in dieser Liste auf Rang zwölf wieder. 9:39,25 ist sie Mitte Juni beim Meeting im polnischen Goleniow gelaufen. Bei der deutschen Meisterschaft vier Wochen später waren es 9:45,82, womit sie Silber holte. „Mehr war an dem Tag nicht drin, das war in Ordnung so“, erklärt sie gelassen.

All diese Zeiten sind ohnehin Schall und Rauch, wenn an diesem Freitag der Startschuss ertönt. Dann gilt alle Konzentration dem Sprung ins Finale, wo am Sonntag „alles möglich“ ist, wie Antje Mölder-Schmidt nur zu gut weiß. Auch ein Podestplatz. „Es ist auf jeden Fall ein Traum, eine Medaille mit nach Hause zu nehmen.“