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Jena-Paradies fühlt sich wie im "Märchen"

Nach dem Schlusspfiff brachen bei den Spielern um Timmy Thiele (linkes Bild) und auch auf der Jenaer Ersatzbank alle (Jubel-)Dämme.
Nach dem Schlusspfiff brachen bei den Spielern um Timmy Thiele (linkes Bild) und auch auf der Jenaer Ersatzbank alle (Jubel-)Dämme. FOTO: M. Koch
Jena. Energie-Konkurrent Jena ist wieder im bezahlten Fußball. Mittelfristig ist sogar die 2. Liga das Ziel. 2021 soll das neue Stadion der Thüringer fertig sein. Anne Armbrecht

Schon im Stadion erwiesen sich die Kicker des FC Carl Zeiss Jena als trinkfeste Feierbiester. Und die Party zur Rückkehr in den bezahlten Fußball nach fünf Jahren Viertklassigkeit setzten die Schützlinge von Aufstiegscoach Mark Zimmermann bis in die frühen Morgenstunden in der Stadt fort. "Es war ziemlich ausschweifend", sagte der 43-Jährige, der als einer der ersten aufbrach und zwischen 2 und 3 Uhr erschöpft, aber glücklich ins Bett fiel.

Auch ihm hatte das Relegationsrückspiel am Donnerstagabend alles abverlangt. War das 0:1 gegen Viktoria Köln doch am Ende noch zur Zitterpartie geworden. Aber das 3:2 aus dem Hinspiel reichte. "Die Fans, die Spieler, der Verein, die Stadt - wir haben es so ersehnt. Jetzt ist es Wirklichkeit geworden. Es ist einfach der Wahnsinn", sagte Zimmermann nach dem Aufstieg in die 3. Liga.

Jenas Trainer wirkte im Angesicht des Geleisteten in sich gekehrt. Es war sein erstes Jahr als Chefcoach im Männerbereich. "Ich will mich sicher nicht beschweren, dass es gleich mit dem Aufstieg geklappt hat. Dass diese Geschichte so eine Entwicklung nehmen würde, war niemals abzusehen. Das ist schon wie ein Märchen", sagte er mit einem Schmunzeln.

Statt Meuselwitz und Fürstenwalde warten nun volle Arenen und tolle Duelle in Magdeburg und Rostock in der neuen Saison. In den nächsten Tagen will Zimmermann den Sommerfahrplan besprechen, ehe nach dem wohlverdienten Urlaub am 22. Juni der Trainingsauftakt ansteht.

Sein Ziel für die neue Herausforderung: "Wir werden das jetzt nicht als Durchgangsstation ansehen, wir müssen uns dort dauerhaft etablieren und stabilisieren. Das muss unser Ziel sein. Wir müssen immer an unsere Leistungsgrenze gehen, um dort bestehen zu können", sagte er in einem Interview mit "dfb.de".

Abwehrchef Rene Klingbeil wird dann nicht mehr dabei sein. Der 36-jährige Routinier erklärte noch während des Jubels im Stadion sein Karriereende. Er mache nun für die Jungen Platz. Entsprechende Personalplanung trieb der Verein bereits in den vergangenen Wochen voran. So verlängerten etwa Eigengewächs Dominik Bock, Stefan Schmidt und Tom Krahnert ihre Verträge. Dazu kommen zwei Rückkehrer: Marius Grösch (von Kaiserslautern) und Justin Schau (Dynamo Dresden) schnüren künftig wieder für ihren Heimatverein die Schuhe. Leihgabe Firat Sucsuz (VfR Aalen) wurde zudem fest verpflichtet.

Für die Lizenz müssen die Thüringer im Stadtteil Paradies jedoch nachbessern - vor allem in Sachen Flutlicht. Das ist Pflicht im Profifußball. In Jena aber fehlt es, seit die verrosteten Masten 2013 nach einem Hochwasser an der Saale abgetragen werden mussten. Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter, der das Spiel auch vor Ort verfolgte, sagte dem MDR: "Als erstes das Flutlicht, dann das Stadion und dann mittelfristig auch die 2. Liga, das schaffen wir. Die Ausschreibung für das Stadion steht kurz vor dem Abschluss und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir 2021 das neue Stadion haben."

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Beim Spiel in Jena gab es aber auch unschöne Begleiterscheinungen: Fans randalierten im Stadion und in der Stadt. 23 Menschen wurden verletzt, sechs von ihnen mussten im Krankenhaus versorgt werden. Es wurden Rasenstücke herausgerissen, Sitzbänke demoliert, Tore aus der Verankerung gerissen. Bis zu 400 Fans von Jena zogen danach durch die Stadt. Sie bewarfen Einsatzfahrzeuge der Polizei und Beamte mit Flaschen und Pyrotechnik. Polizisten seien massiv beleidigt worden.