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Jahrelange quälende Konflikte

Erik Balzer arbeitet zurzeit im 24-Stunden-Dienst bei der Berufsfeuerwehr in Cottbus. Er sagt: "Ich bin froh, dass ich einen Beruf gefunden habe, in dem ich mich wohlfühle und in der Heimat arbeiten kann."
Erik Balzer arbeitet zurzeit im 24-Stunden-Dienst bei der Berufsfeuerwehr in Cottbus. Er sagt: "Ich bin froh, dass ich einen Beruf gefunden habe, in dem ich mich wohlfühle und in der Heimat arbeiten kann." FOTO: Thomas Juschus/tus1
Cottbus. Ganze 16 Jahre lang bestimmte der Leistungssport das Leben von Erik Balzer. Seit einigen Wochen ist alles anders. Thomas Juschus / tus1

Sport steht zwar immer noch in seinem Tagesablauf, Balzer trainiert aber nun nicht mehr für Europa- und Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele. "Ich gehe laufen, mache Krafttraining, halte mich einfach fit", erklärt der Cottbuser. Ende Juli beendete der Bahnrad-Sprinter vom RSC Cottbus seine Laufbahn, treibt seitdem seine beruflichen Pläne mit Vehemenz voran.

Nachdem Balzer Anfang August erfolgreich die Ausbildungan der Landesschule und Technische Einrichtung für Brand und Katastrophenschutz (LSTE) zum Feuerwehrmann (im Amtsdeutsch Brandmeister) abgeschlossen hat, sammelt er derzeit erste Berufserfahrung. Von Eisenhüttenstadt ist er bis Mitte Oktober zur Berufsfeuerwehr Cottbus abgeordnet, in die Wachabteilung 1 im 24-Stunden-Dienst. "Ich bin froh, dass ich einen Beruf gefunden habe, in dem ich mich wohlfühle und in der Heimat arbeiten kann", sagt der dreimalige U23-Teamsprint-Europameister.

Seinem Entschluss vorausgegangen waren jahrelange quälende Konflikte mit Detlef Uibel. Vor der Bahn-WM im April in Hongkong entschied sich der Sprint-Bundestrainer für den Berliner Robert Förstemann als Anfahrer im Teamsprint - trotz ansprechender Zeiten Balzers beim Weltcup in Los Angeles. Balzer sollte trotzdem die WM-Vorbereitung in Frankfurt (Oder) mitmachen, allerdings ohne Aussicht auf ein Stechen oder einen WM-Einsatz. "Ich hatte nicht mehr die Kraft, in die Vorbereitung zu gehen, zumal parallel für mich ein wichtiges letztes Modul in meiner Ausbildung auf dem Programm stand", erklärt Balzer. Uibel, der sich nicht äußern wollte, wertete das als Affront, kurze Zeit später war Balzer seinen B-Kader-Status im Bund Deutscher Radfahrer los.

Ohne Kader-Status fällt es natürlich deutlich schwerer, Leistungssport und Beruf unter einen Hut zu bringen. So reifte letztlich Balzers Entschluss, mit dem Radsport aufzuhören. "Die Entwicklung ist doppelt bitter, weil ich mich nach Abschluss meiner Ausbildung zum Brandmeister endlich einmal 100-prozentig auf den Sport konzentrieren wollte", erklärt Balzer, der ab 2011 eine vierjährige Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik absolviert hatte. 2015 folgte der Schritt zur LSTE. "Ich war noch nicht am Leistungsmaximum, hatte noch Reserven, die ich nie zeigen konnte", ärgert sich Balzer.

Nachdem der Erfurter Rene Enders nach den Olympischen Spielen international zurückgetreten war und der Leistungszenit des Berliners Robert Förstemann überschritten scheint, schien die Zeit reif für Balzer als Anfahrer im Teamsprint-Trio. Bei den deutschen Meisterschaften im Juni in Frankfurt (Oder) machte er mit dem Titel im Teamsprint nochmals auf sich aufmerksam und hoffte auf ein Gespräch - vergeblich. "Ich hatte einen Traum - das war die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Ich hätte gern selber über das Ende meiner Leistungssportlaufbahn entschieden. Das und die Art und Weise macht es schon sehr schwieri - der Bundestrainer hat mir seine Entscheidungen nie persönlich mitgeteilt", so Balzer.

Rückhalt und Unterstützung hatte Balzer in dieser Phase beim Team Erdgas.2012. Ende August ist der eigentlich bis Ende 2018 laufende Vertrag einvernehmlich beendet worden. "Neben meiner Familie und Freundin Ariane war die Teamleitung um Michael Hübner mir eine große Hilfe und Stütze", so Balzer, der seit 2013 an der Seite von Kristina Vogel und Maximilian Levy für die Chemnitzer fuhr. "Ich wollte immer da fahren, wo ich mich wohlfühle und sportlich weiterentwickeln kann. Das hat man in Brandenburg nie verstanden", bilanziert Balzer. Dem Team und dem Bahnradsport will er erhalten bleiben - vielleicht in der Sportlerbetreuung bei Wettkämpfen. Seine eigene Sportlerkarriere ist aber zu Ende. "Es wächst langsam Gras über die Sache. Manchmal fällt mir noch die Decke auf den Kopf, ich muss erst lernen, mit meiner Freizeit umzugehen", sagt Erik Balzer. Sport ist sicher ein gutes Rezept.

Zum Thema:
Geboren am 14. Juli 1991 in Spremberg. Seit 2005 fuhr der Bahnsprinter für den RSC Cottbus. Er besuchte die Lausitzer Sportschule, in einem Jahrgang mit Bahnsprinter Eric Engler, Paracyclerin Jana Majunke oder Fußballer David Urban (ZFC Meuselwitz). Balzers größte Erfolge waren dreimal Gold bei der U23-EM im Teamsprint sowie einmal WM-Silber. 2017 wurde er nochmal Deutscher Meister im Teamsprint.