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| 02:42 Uhr

Im Rausch der Geschwindigkeit

Mehrmals in der Woche schwingt sich der 17-jährige Friedrich Freytag auf sein Tricycle – ein Rennrad mit drei Rädern.
Mehrmals in der Woche schwingt sich der 17-jährige Friedrich Freytag auf sein Tricycle – ein Rennrad mit drei Rädern. FOTO: privat
Cottbus. Die RUNDSCHAU stellt in einer neuen Serie hoffnungsvolle Lausitzer Talente vor. Heute: Paracycler Friedrich Freytag aus Cottbus. Anja Brautschek

Wenn Friedrich Freytag in die Pedale tritt, fliegen seine Haare lässig im Wind. Geschickt legt er sich in die Kurve und schießt anschließend wie ein Pfeil bergab. Die Geschwindigkeit ist sein Metier.

Seit fast drei Jahren widmet er sich dem Dreirad-Sport. Streckenweise erreicht der 17-Jährige dabei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 50 Kilometern pro Stunde. "Das ist einfach ein tolles Gefühl", erzählt Friedrich Freytag. Es ist genau diese Schnelligkeit, die ihn so am Paracycling fasziniert. "Davor habe ich drei Jahre Fußball gespielt. Doch das Rennen fällt mir aufgrund meiner Behinderung schwer. Und der Radsport macht mir viel mehr Spaß", sagt der Cottbuser. Von Geburt an leidet er an einer Tetraspastik, wodurch Bewegungen der Beine eingeschränkt sind. Für Friedrich aber kein Grund zum Rumsitzen. Im Gegenteil. "Den ganzen Tag auf der Couch hocken ist für mich absolut nichts", sagt er.

Zum Dreirad-Sport ist der Cottbuser aber eher zufällig gekommen. Seine damalige Sonderpädagogin hat ihm davon erzählt. Kurz danach hat er ein erstes Probetraining absolviert. "Am Anfang habe ich mich schwer getan. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich umfalle. Doch das ist mit so einem Dreirad nur schwer möglich", sagt er. Mittlerweile kann Friedrich sich das Tricycle - ein Rennrad mit drei Rädern - nicht mehr wegdenken.

Mehrmals die Woche trainiert er und überwindet Distanzen von bis zu 60 Kilometern. Trainer Reneé Schmidt vom Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportverein (BPRSV) in Cottbus bringt ihn bis an seine Grenzen. Und darüber hinaus. Mit Erfolg. Trotz geringer Wettkampferfahrung - er ist 2015 zum ersten Mal angetreten - hat Friedrich Freytag bereits die ersten Medaillen eingefahren. Im vergangenen Jahr hat er den zweiten Platz bei den Deutschen Meisterschaften belegt und ist aus Europa-Cup-Rennen in der Schweiz und in Tschechien als Sieger bei den Massenstarts hervorgegangen.

Das kann für Friedrich bislang nur von einem Erlebnis getoppt werden: Während der Deutschen Meisterschaften im vergangenen Jahr konnte das Nachwuchstalent kurzzeitig sein großes Idol Hans-Peter Durst überholen. Der 58-jährige Paracycler hat bei den Paralympics in Rio 2016 gleich zwei Goldmedaillen abgeräumt. "Ich glaube, er hat mich vorbeigelassen. Aber für mich war es unbeschreiblich", erzählt Friedrich. Er hofft, irgendwann in diese Fußstapfen zu treten und die nächste Medaillenhoffnung zu werden. Doch dafür müssen noch einige Hürden überwunden werden.

Vor allem beim Zeitfahren sieht der Paracycler noch Schwächen. "Wenn ich die Konkurrenz vor mir sehe, kann ich mehr Kräfte freisetzen. Beim Zeitfahren tue ich mich noch schwer", sagt er. Für sein Ziel, eine Teilnahme bei den Paralympischen Spielen, sieht er dennoch Chancen. Denn als Jüngster bei den Rennen kann er noch viel Erfahrungen sammeln. "Aber dafür muss ich dranbleiben."

Alle bisher vorgestellten Nachwuchstalente finden Sie im Internet unter www.lr-online.de/talente

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Alter: 17Verein: BPRSV CottbusTrainer: Reneé SchmidtVorbilder: Paracycler und Olympia-Sieger Hans-Peter Durst sowie die Basketballer LeBron James und Dirk NowitzkiGrößte Erfolge: amtierender Deutscher Vizemeister, zweifacher Europa-Cup-Sieger (Schweiz und Tschechien)Größtes Ziel: Olympia 2020 in TokioWeitere Hobbys: Fußball, BasketballLieblingsessen: Steak mit Pommes und SalatIn diesen sozialen Netzwerken zu finden: Facebook

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