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Im Maracanã geht das Licht aus

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Rio de Janeiro. Im Maracanã-Stadion, wo die deutsche Nationalelf 2014 noch den WM-Pokal in den Abend himmel von Rio reckte, wo 2016 glanzvolle Olympia gefeiert wurde, geht jetzt nichts mehr. Es ist ein Spiegelbild der Krise nach den glanzvollen Spielen. Georg Ismar / dpa/noc

Im legendären Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro ist wegen unbezahlter Rechnungen der Strom abgestellt worden. Der Stromanbieter Light poche auf aufgelaufene Außenstände in Höhe von 2,8 Millionen Reais (822 000 Euro), berichtete das Portal "O Globo". Im August hatten hier noch die prachtvollen Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympischen Spiele stattgefunden. Aber das Organisationskomitee von Rio 2016 ist in akuter Finanznot und konnte das Maracanã, ein Nationalsymbol Brasiliens, im Herbst nicht ordnungsgemäß wieder übergeben, kritisiert die Betreibergesellschaft. Seit Wochen ist es geschlossen - und im Innern gibt es viele Schäden.

Die offenen Stromrechnungen gehen auf das Konto von Rio 2016 und der Betreibergesellschaft. Das sonst hell erleuchtete Stadion mit über 75 000 Sitzplätzen bleibt damit bis auf weiteres dunkel. Im Juli 2014 war Deutschland hier durch einen 1:0-Sieg nach Verlängerung gegen Argentinien zum vierten Mal Weltmeister geworden, für über 350 Millionen Euro war das Fußballstadion für die WM umgebaut worden. Da viele Schäden nach Olympia nicht behoben worden seien und viele Plastiksitze im Stadion fehlen sollen, weigert sich die private Betreibergesellschaft, das Stadion wieder zu übernehmen.

Zudem seien statt der vertraglich vereinbarten 81 Tonnen bis zu 189 Tonnen Feuerwerk eingesetzt worden. Der Rasen ist inzwischen vertrocknet. So fristet das Stadion, neben dem Wembley in London und dem Camp Nou in Barcelona eines der bekanntesten der Welt, ein trauriges Dasein. Einbrecher stahlen im Januar mehrere Fernseher und zwei Büsten, darunter eine Büste des Journalisten Mario Filho, Namensgeber des Stadions, das im Volksmund aber nur als Maracanã firmiert.

Der Bereich bei den Drehkreuzen ist übersät mit Kot, Katzen streunen umher. Ein Länderspiel zwischen Brasilien und Kolumbien fand vor wenigen Tagen im kleineren Engenhão-Stadion in Rio de Janeiro statt. Da auch der Bundesstaat Rio de Janeiro fast pleite ist, ist von dieser Seite keine Hilfe zu erwarten. Die Betreibergesellschaft, die mehrheitlich dem Baukonzern Odebrecht gehört, würde sich am liebsten von dem Stadion trennen. Odebrecht ist in einen landesweiten Korruptionsskandal um Schmiergeldzahlungen an Politiker bei Auftragsvergaben verwickelt und wegen der Strafen zum Sparen gezwungen. Doch angesichts hoher Kosten und der geringen Auslastung bei Ligaspielen stehen Übernahmeinteressenten nicht gerade Schlange. Auch bei anderen Stadien und Sportstätten gibt es nach den Olympischen Spielen erhebliche Probleme, Betreiber zu finden.

Zum Thema:
Das Maracanã gehört zu den bekanntesten Stadien der Welt und hat einen ganz besonderen Mythos. Es wurde zur Fußball-WM in Brasilien im Jahr 1950 eröffnet. Das Fassungsvermögen betrug zunächst gigantische 200 000 Besucher. So viele wie bei keinem anderen Stadion der Welt. Nach Umbauarbeiten blieb eine Kapazität von knapp 80 000 Besuchern übrig. Vorerst letztes Event im Maracanã-Stadion war die Schlussfeier der Sommer-Paralympics 2016.