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| 20:03 Uhr

Breitensport
Im Laufschritt immer wieder um die Erde

 Nach vielen Jahren ohne Wettkämpfe mischt Frank Konzack nun wieder die regionale Laufszene auf, mit fast 60 Jahren.
Nach vielen Jahren ohne Wettkämpfe mischt Frank Konzack nun wieder die regionale Laufszene auf, mit fast 60 Jahren. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Als Ex-Leistungssportler hat Frank Konzack (59) schon viele Kilometer abgespult. Beim Spreewaldmarathon kommen weitere dazu. Von Mirjam Danke

Dreimal um die Erde ist er schon gelaufen – und unterwegs in Runde vier. Auf dieser macht der Cottbuser Frank Konzack an diesem Sonntag beim Spreewaldmarathon Station. In Burg wird er seiner imposanten Laufkilometer-Liste weitere 21,1 Kilometer hinzufügen.

120 000 Trainingskilometer – in etwa dreimal um die Erde – diesen Meilenstein hatte Konzack schon Anfang der 1990er-Jahre erreicht. Er hat das zusammengerechnet, damals, als er mit dem Leistungssport aufgehört hat. „Von ´72 bis ´89 Leistungssport, danach drei, vier Jahre abtrainiert – insgesamt dreimal um die Erde.“ Es soll ganz nüchtern klingen, aber ein bisschen Stolz schwingt da durchaus mit in der Stimme des 59-Jährigen.

Viele Jahre hat Konzack die Laufszene in der Region geprägt, startete 1985 beim 1. Marathon-Weltcup in Hiroshima und hält mit Jörg Peter und Michael Heilmann noch immer den deutschen Team-Rekord. Zudem begleitete er als Trainingspartner keinen Geringeren als den acht Jahre jüngeren Stephan Freigang beim Einstieg in den Marathon. Der holte 1992 bekanntlich Olympia-Bronze über diese Distanz.

Zu dieser Zeit hat Frank Konzack schon abtrainiert, aber nie ganz abgeschlossen mit dem Laufen. Auch danach hat der ehemalige Leichtathlet des SC Cottbus mehrmals wöchentlich die Laufschuhe geschnürt, um ein paar lockere Runden zu drehen. Doch vor einiger Zeit hat ihn wieder der Ehrgeiz gepackt, nach einer wegweisenden Begegnung. „Ich bin oft auf dem Spreedamm Richtung Saspow, Döbbrick unterwegs. Und da bin ich vor eineinhalb Jahren mal mit einer Gruppe von Läufern ins Gespräch gekommen, die mich eingeladen haben, auch mal gemeinsam mit ihnen zu laufen“, erzählt Frank Konzack.

So schloss er sich kurz darauf den Laufenthusiasten vom SV Motor Saspow an, wo Konzack heute selbst Mitglied ist. Besonders die Begegnung mit Ingo Stenzel ist für den Cottbuser dabei von großer Bedeutung. „Der hat mich animiert, wieder an Wettkämpfen teilzunehmen“, erinnert sich Konzack. „Ohne ihn hätte ich das nicht gemacht.“

Tragischerweise ist Stenzel im März 2018 beim Laufen im Branitzer Park tot zusammengebrochen. „Eine traurige Geschichte“, sagt Konzack. „Das war ein ganz toller Mensch.“ Am 14. Juli gibt es ihm zu Ehren einen Gedenklauf.

Ingo Stenzel war es also, der den Leistungssportler in Frank Konzack wieder wachgekitzelt hat. Und der hatte nichts verlernt. Auf Anhieb wurde der Cottbuser bei seiner Rückkehr auf die – regionale – Wettkampfbühne Zweiter bei einem 20-Kilometer-Lauf. „Und dann beginnt natürlich der Ehrgeiz“, räumt Konzack ein, der seitdem wieder „richtig konsequent“ trainiert, bis zu 100 Kilometer pro Woche. „Letzte Woche waren es nur 80“, schränkt er augenzwinkernd ein.

Logisch, dass Konzack mit derartigen Trainingsumfängen die regionale Laufszene ordentlich aufmischt. In der Laufserie „Niederlausitzcup“ wurde der fast 60-Jährige im vergangenen Jahr nicht nur Gesamtsieger seiner Altersklasse, sondern altersklassenbereinigt – wobei ein bestimmter Altersfaktor miteinbezogen wird – sogar Gesamtsieger aller Altersklassen. Und auch in der laufenden Serie führt nach absolvierten sieben Wettkämpfen hier wie da aktuell kein Weg vorbei an Frank Konzack. „Darauf bin ich schon ein bisschen stolz“, sagt er.

Keine Frage, da hat einer wieder Blut geleckt – 30 Jahre nach dem Ende der Leistungssportkarriere. Der Knirps von einst, der schon beim Schulsport in Sielow auf der Stadionrunde immer weit voraus war und selbst heute noch den deutschen Rekord über 3000 Meter in der Altersklasse 15 hält (8:35,8 Minuten – 29. Juni 1974 Erfurt), läuft immer noch gern vorneweg. Zwar sagt er: „Ich werde 60, da kann man keine Bäume mehr ausreißen“ – macht es dann aber doch irgendwie immer noch.

Einer, der das mit Wohlwollen sieht, ist Dietmar Bittermann. Der war damals zu Leistungssportzeiten Konzacks letzter Trainer und erkärt stolz: „Frank war mein erster Star.“ Heute haben der letzte Trainer und der erste Star wieder zusammengefunden – in der Laufgruppe des Sana-Herzzentrums, die Bittermann jeden Dienstag um 17.30 Uhr anleitet. An diesem Sonntag nun begleitet der Coach seine Schützlinge, auch jene vom SV Olympia Cottbus und Kimbia Sports, zum Spreewaldmarathon. Dort startet Frank Konzack beim Halbmarathon. Unter 1:30 Stunden kann er den durchaus laufen. Sein Ziel? „In meiner Altersklasse will ich vorne sein.“

Da ist er wieder, der Ehrgeiz des einstigen Leistungssportlers, der in seinem Leben noch viele Kilometer in Laufschuhen absolvieren will – und nebenbei wohl auch noch die vierte Runde um die Erde vollmacht.

 Dietmar Bittermann (l.), Trainer von Frank Konzack (4.v.r.) zu DDR-Zeiten, coacht den Cottbuser auch heute wieder – in einer Laufgruppe.
Dietmar Bittermann (l.), Trainer von Frank Konzack (4.v.r.) zu DDR-Zeiten, coacht den Cottbuser auch heute wieder – in einer Laufgruppe. FOTO: Michael Helbig