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| 02:41 Uhr

"Ich habe da richtig Bock drauf"

Nele Schenker moderiert auf Sport1 unter anderem "Bundesliga Aktuell". In ihrer Heimat Cottbus feiert sie an diesem Mittwoch Premiere als Moderatorin des Springer-Meetings – zusammen mit Michael Werling führt die 25-Jährige durch die Veranstaltung.
Nele Schenker moderiert auf Sport1 unter anderem "Bundesliga Aktuell". In ihrer Heimat Cottbus feiert sie an diesem Mittwoch Premiere als Moderatorin des Springer-Meetings – zusammen mit Michael Werling führt die 25-Jährige durch die Veranstaltung. FOTO: Sport1/Nadine Rupp
Das 14. Internationale Springer-Meeting in Cottbus wird an diesem Mittwoch von der Sport1-Moderatorin Nele Schenker mitmoderiert. Für die 25-Jährige ist es eine Rückkehr nach Hause. Denn Nele Schenker stammt aus Cottbus. Im RUNDSCHAU-Interview erzählt sie von ihrer Zeit auf der Sportschule, ihrem früheren "Job" als Körbchenträgerin und räumt mit den Klischees über blonde Sportjournalistinnen im TV auf.

Frau Schenker, fangen wir doch mal mit einem Klischee an. Uns Sport-Journalisten wird nachgesagt: Die Sportkarriere hat nicht geklappt, und nun versuchen wir auf dem zweiten Bildungsweg, doch irgendwie dabei zu sein.

(lacht) Dieses Klischee kannte ich bisher nicht. Das klingt ja etwas böse. Ich würde das anders formulieren: Ich sehe es nicht als verpasste Chance, sondern als großes Glück. Es ist toll, seine Leidenschaft zum Beruf machen zu können.

Aber es stimmt schon, Sie waren einst ein sehr hoffnungsvolles Cottbuser Leichtathletik-Talent.
Ja, ich habe die Eliteschulen des Sports in Cottbus und Potsdam besucht. Aber dann haben mich Verletzungen ausgebremst.

Was war das Problem?

Vor allem der Rücken. Durch die Sport-Prüfung im Abi habe ich mich dann im wahrsten Sinne des Wortes noch durchgequält, dann ging nichts mehr.

Hatten Sie überhaupt einen Plan ohne Sport in der Tasche?

Es gab keinen Plan ohne, aber viele mit Sport. Ich wollte unbedingt dabeibleiben und habe an der Medienakademie in Berlin Sportjournalismus und Sportmanagement studiert.

Wie kam das Engagement bei Sport1 zustande?

Ich habe während des Studiums dort schon Praktika gemacht und wurde dann als freie Mitarbeiterin übernommen. Das lief sehr geradlinig.

Da hätten wir gleich noch ein böses Klischee: Im Sportfernsehen macht man doch als Frau nur Karriere, wenn man jung und blond ist, oder?

(lacht) Da kann ich Sie beruhigen, die meisten Moderatorinnen bei uns sind brünett. Ich kenne dieses Klischee, aber mittlerweile ist das doch überholt. Wir Frauen machen den gleichen Job wie die Männer.

Sie waren im vergangenen Sommer bei den Europaspielen in Baku als Reporterin im Einsatz. Ihr bisheriges Highlight?

Ja, und es war auch meine Premiere als Sport1-Reporterin vor der Kamera. Eine wirklich tolle Aufgabe, bei der ich auch viel dazugelernt habe. Mindestens genauso besonders war 2015 meine erste "Bundesliga Aktuell"-Moderation. Für diese Chance bin ich Sport1 sehr dankbar. Baku war zudem ein schönes Event, weil wirklich Olympia-Feeling aufkam. Bei Olympischen Spielen war ich ja schon dreimal als Zuschauerin dabei.

Bereits dreimal - hatten Sie ein Olympia-Abo?

Ja, sozusagen. Meine Eltern haben mir das glücklicherweise ermöglicht und mir die Reisen zu besonderen Anlässen geschenkt: 2004 Athen zur Jugendweihe, 2008 Peking zum 18. Geburtstag und 2012 London nach dem Abschluss des Studiums. Das waren unvergessliche Erlebnisse für mich.

Sind Sie 2016 in Rio de Janeiro auch dabei - womöglich sogar als Reporterin?

In Rio bin ich wahrscheinlich nicht vor Ort. (Sport1 hat keine Übertragungsrechte/Anm. d. Red.). Natürlich ist es ein großer Traum von mir, von Olympischen Spielen berichten zu dürfen. Für jemanden, der aus einer olympischen Kernsportart wie der Leichtathletik kommt, bleiben die Spiele einfach das Größte - und haben für mich denselben Stellenwert wie eine Fußball-WM.

Erst einmal kommen Sie am Mittwoch als Moderatorin zum Springermeeting nach Cottbus. Wann waren Sie zuletzt in der Heimat?

Weihnachten war ich bei meiner Familie, zu Geburtstagen bin ich auch noch manchmal da. Leider schaffe ich es nicht mehr so oft nach Hause. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass ich nun beim Meeting dabei sein darf.

Was verbinden Sie mit dieser Veranstaltung?

Sehr viel. Das war für uns als kleine Leichtathleten immer ein absolutes Highlight, ebenso wie das Freiluft-Meeting im Sommer. Ich sehe mich noch als Körbchenträgerin dastehen, mit dem wir den Athleten ihre Sachen hinterhergetragen haben. Das sind wunderbare Erinnerungen. Und ich bin wirklich stolz, dass ich nun das Springer-Meeting präsentieren darf. Wahnsinn, dass es schon die 14. Auflage ist.

Wie schätzen Sie das Starterfeld ein?

Das ist echt hochklassig. Ich glaube, dass dieses Mal der Meeting-Rekord von Björn Otto geknackt wird (5,90m/Anm. d. Red.). Ich tippe auf Shawn Barber, der die magischen 6 Meter vor wenigen Tagen ja bereits gesprungen ist.

Fernsehen und Live-Veranstaltungen sind zwei verschiedene paar Schuhe. Wie hoch liegt die Latte in Cottbus für Sie?

Es ist meine Premiere als Moderatorin eines solchen Events, aber ich habe da richtig Bock drauf.

Werden auch Ihre Familie und Freunde vor Ort sein?

Meine Familie wird natürlich in der Lausitz-Arena sein, meine Oma geht sowieso jedes Jahr zum Springer-Meeting. Es ist total süß, wie sehr sie sich jetzt darauf freut. Und natürlich sind auch viele Freunde dabei.

Mit welchen Athleten sind Sie damals zur Sportschule gegangen?
Mit dem "kleinen Harting", also Diskuswerfer Christoph Harting, und Speerwerfer David Golling war ich in einer Klasse. Darüber hinaus kenne ich noch viele Lausitzer Sportler wie Radprofi Nico Heßlich oder Turner Christopher Jursch. Natürlich verfolge ich den Sport in meiner Heimat und freue mich immer, bekannte Gesichter wiederzutreffen.

Mit Nele Schenker

sprach Jan Lehmann

Als Leichtathletin des LC Cottbus war Nele Schenker (v.) bei so manchem German Meeting als Körbchenträgerin dabei, hier 2004.
Als Leichtathletin des LC Cottbus war Nele Schenker (v.) bei so manchem German Meeting als Körbchenträgerin dabei, hier 2004. FOTO: privat