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"Hurensöhne" – Trump-Attacke gegen NFL

Der knieende Protest der New England Patriots ist Donald Trump ein Dorn im Auge.
Der knieende Protest der New England Patriots ist Donald Trump ein Dorn im Auge. FOTO: dpa
Washington. Immer mehr Spieler in der National Football League beteiligen sich am Nationalhymnen-Protest gegen soziale Ungerechtigkeit. Der US-Präsident reagiert mit drastischen Äußerungen und wird heftig kritisiert. dpa/jam

Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und den US-Sportstars geht weiter. Immer mehr NFL-Spieler beteiligten sich am Sonntag (Ortszeit) vor ihren Partien an den Nationalhymnen-Protesten gegen soziale Ungerechtigkeit und reagierten damit auch auf die verbalen Attacken von Trump. Auch Trainer, Funktionäre und Sportler aus anderen US-Profiligen stellten sich gegen Trump und dessen umstrittene Äußerungen am vergangenen Wochenende.

Dieser verteidigte seine Aussagen. Seine Angriffe gegen NFL-Topspieler, die sich weigern, während der Nationalhymne zu stehen, hätten nichts "mit Rassen oder irgendetwas anderem zu tun", sagte der Republikaner am Sonntag vor Journalisten. "Das hat etwas mit Respekt für unser Land zu tun und mit Respekt für unsere Fahne." Er glaube, dass die Teambesitzer "etwas dagegen tun sollten".

Vor den NFL-Partien am Sonntag gingen knapp 200 Spieler aus der amerikanischen Football-Liga beim Abspielen der US-Nationalhymne auf die Knie oder blieben auf der Spielerbank sitzen. Drei Teams kamen erst nach der Hymne aus ihren Umkleidekabinen. Ein Großteil der Spieler zeigte sich als geschlossene Einheit an den Seitenlinien der 14 Spielstätten von London bis Los Angeles. Noch vor einer Woche hatten sich nur sechs NFL-Spieler an den Protesten beteiligt.

Beim Spiel zwischen den Tennessee Titans und den Seattle Seahawks weigerten sich beide Mannschaften, vor dem Ende der Nationalhymne das Spielfeld zu betreten. "Wir werden für die Ungerechtigkeit, die farbige Menschen in diesem Land erfahren, nicht stehen", schrieben die Profis der Seahawks. Man verbünde sich, "um gegen die vorzugehen, die uns unsere grundlegenden Freiheiten verbieten wollen". New Orleans Saints Trainer Sean Payton ging den US-Präsidenten am härtesten an. "Ich will, dass dieser Kerl einer der klügeren Menschen im Raum ist, und es scheint, wie jedes Mal, wenn er seinen Mund aufmacht, ist es etwas, das unser Land teilt und nicht zusammenführt."

Einige Spieler nahmen auch Bezug auf Trumps Äußerung, der die protestierenden Sportler als "Hurensöhne" bezeichnet hatte. Dean Jackson von den Tampa Bay Buccaneers nannte die Beschimpfung eine "eklatante Respektlosigkeit".

Das Magazin "The Atlantic" sieht Trump vom harten Polit-Alltag gelangweilt, er habe wohl ein neues Thema gebraucht. Nordkorea, UN-Debatte, der US-Senat, das mache ihn alles eigentlich fertig. Dann lieber brüllen, streiten und pöbeln - da kenne er sich aus.