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Huck träumt vom Überraschungssieg

Marco Huck steht vor seinem wahrscheinlich letzten großen Kampf.
Marco Huck steht vor seinem wahrscheinlich letzten großen Kampf. FOTO: dpa
Berlin. Die Karriere von Ex-Box-Weltmeister Marco Huck neigt sich dem Ende. Jetzt steht der Berliner zumindest noch einmal vor einem größeren Zahltag. Andreas Zellmer

Ein neues Geschäftsmodell, das den flauen Box-Betrieb ankurbeln soll, beschert Marco Huck den wahrscheinlich letzten großen Zahltag. Im ersten Kampf der World-Boxing-Super-Series, die die Muhammad-Ali-Trophy auslobt, kämpft der Ex-Weltmeister am Samstag gegen den Titelträger im WBO-Cruisergewicht, Alexander Usyk (23 Uhr/Sat.1). Der 32-jährige Marco Huck, der zuletzt sang- und klanglos gegen den Letten Mairis Briedis untergegangen war, ist haushoher Außenseiter.

Trotzdem gibt der Berliner mit den bosnischen Wurzeln vor dem Viertfinalkampf in der Berliner Max-Schmeling-Halle den unerschrockenen Streetfighter: "Ob Fans oder Experten an mich glauben, interessiert mich nicht. Usyk ist zwar Olympiasieger und mit zwölf Kämpfen bereits Profi-Weltmeister, aber er ist noch ein Amateur." Bei der ersten Pressekonferenz hatte Huck sogar ein kleines Gerangel mit dem Ukrainer angezettelt und dem Gegner an Ort und Stelle Prügel angedroht.

Haudegen Huck hat sich à la Sylvester Stallone in den Rocky-Filmen in einer Fleischfabrik fit gemacht und erinnert an eine ähnliche Ausgangslage vor fünf Jahren. "Gegen Schwergewichts-Weltmeister Powetkin, der wie Usyk als Amateur alles gewonnen hatte, trat ich als Außenseiter an. Das Ende vom Lied war, dass ich den damaligen Titelträger auseinandergeschraubt habe und nur durch ein Fehlurteil verlor", sagte Huck, der am Samstag zumindest die 400 000 Euro Antrittsgage, die laut WBSS alle Teilnehmer des Turniers der weltbesten Cruiser- und Supermittelgewichtler einstreichen dürfen, kassiert. Angeblich liegen für die gesamte Turnierserie 50 Millionen Dollar (41,8 Milionen Euro) bereit.

Der mit 1,91 Metern einen halben Kopf größere und zwei Jahre jüngere Usyk wurde bereits in seinem zehnten Profikampf Weltmeister. Seitdem ist der Ukrainer mit dem angsteinflößenden Blick ungeschlagen und einigermaßen gefürchtet. Der Rechtsausleger hat eine K.o.-Quote von 83 Prozent zu bieten, gilt aber nicht nur als dröger, harter Schläger. Ex-Weltmeister Huck, der seine besten Zeiten womöglich hinter sich hat, verlor von 40 Kämpfen vier.

Im Siegfall zieht Huck nicht nur ins Halbfinale, in dem die Sieger der Begegnungen zwischen dem kubanischen WBA-Weltmeister Yunier Dorticos gegen Dimitri Kudrjaschow (Russland), WBC-Titelträger Briedis (Lettland) gegen Mike Perez (Kuba) und Murat Gassijew (Russland) gegen IBF-Weltmeister Krzysztof Wlodarczyk (Polen) warten. Er übernähme auch Usyks Titel und würde zum WBO-Superchampion erklärt. Diese Ehre wird nur Boxern zuteil, die verschiedene Kriterien erfüllen, darunter mindestens zehn Mal ihren Titel verteidigt zu haben. Die Ali-Trophy soll im Mai 2018 entschieden sein.