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| 01:02 Uhr

Hoyzer gibt Manipulation zu und kündigt Enthüllungen an

In einem überraschenden Geständnis hat Schiedsrichter Robert Hoyzer gestern die gegen ihn erhobenen Betrugsvorwürfe zugegeben und weitere Enthüllungen im größten Manipulationsskandal des deutschen Fußballs seit 34 Jahren angekündigt. Der 25 Jahre alte Berliner, der seit knapp einer Woche verdächtigt wird, Fußballspiele verschoben zu haben, hat in der Essener Anwaltskanzlei seines Rechtsbeistands Stephan Holthoff-Pförtner die Manipulationen bestätigt und weitere, nicht genannte Personen beschuldigt. Von Morten Ritter <br> und Eric Dobias

"Die in der Öffentlichkeit erhobenen Anschuldigungen gegen mich sind im Kern zutreffend. Ich bedauere mein Verhalten zutiefst und entschuldige mich gegenüber dem DFB, meinen Schiedsrichterkollegen und allen Fußball-Fans", hieß es in einer schriftlichen Erklärung Hoyzers. Der 25-Jährige will sich nun als Kronzeuge zur Verfügung stellen und weitere Details bekannt geben. "Die Sache hat ein sehr, sehr immenses Ausmaß für den deutschen Fußball", sagte Hoyzer in einem Interview dem Nachrichtensender "N24".
Der Kontrollausschuss reagierte auf die Nachricht mit der Vorladung von weiteren 14 Zeugen aus dem Kreis der Schiedsrichter und Assistenten, die vornehmlich in der 2. Bundesliga und der Regionalliga Nord zum Einsatz gekommen waren. "Wir gehen weiter davon aus, dass es ein Einzelfall ist. Ich habe bislang kein zweites schwarzes Schaf ausgemacht", erklärte der Kontrollausschuss-Vorsitzende Horst Hilpert. Dies gelte auch für den Berliner Unparteiischen Dominik Marks, der bereits am Dienstag zum Selbstschutz von der Leitung des Zweitligaspiels Alemannia Aachen gegen LR Ahlen entbunden wurde. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Hoyzer waren in der Öffentlichkeit auch gegen ihn Anschuldigungen erhoben worden.
"Ich habe heute vollständig und schonungslos mein Verhalten und mein gesamtes Wissen über alle mir in diesem Zusammenhang bekannten Sachverhalte und Personen dokumentiert und stehe der Staatsanwaltschaft und dem DFB zur vollumfänglichen Aufklärung zur Verfügung", kündigte Hoyzer in der von seinen Rechtsanwälten verbreiteten Erklärung an. Die Berliner Staatsanwaltschaft will die Hilfe annehmen. "Wenn er das in die Tat umsetzt, wird uns das helfen", sagte Sprecher Michael Grunwald.

Hoyzer bekam fünfstelligen Betrag
Wer außer ihm in die Affäre verstrickt sein soll, ließ Hoyzer offen. Genauso, ob es sich dabei um Schiedsrichterkollegen, Spieler, Funktionäre oder Außenstehende handelt. Dem Fernseh-Regionalsender TV.BERLIN sagte Hoyzer, er habe für die Manipulation von Spielen einen fünfstelligen Betrag bekommen. Nach Ansicht seines Anwaltes Holthoff-Pförtner sei er nur ein "kleines Rädchen". Der Fall selbst habe ein viel größeres Ausmaß. "Da geht es um ein Zusammenwirken mehrerer Personen in unterschiedlichen Positionen", erklärte er.
Schiedsrichter-Chef Volker Roth war sichtlich geschockt. "Dieser ganze Vorgang geht mir schon unglaublich nahe. Das ist unverzeihlich", sagte der frühere Fifa-Referee. Es seien ideelle Werte verraten und verkauft worden, "und das ist unentschuldbar", meinte Roth. Er befürchtet, dass das Vertrauen in die Schiedsrichter "über Jahre" gestört sein werde.
In der Frankfurter Verbandszentrale hatte man bereits seit Sommer Hinweise auf Unregelmäßigkeiten beim DFB-Pokalspiel der ersten Runde zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV. Erste Ermittlungen nach hohen Wetteinsätzen verliefen aber im Sande, nachdem der Anzeiger seine Anschuldigungen zurückgezogen hatte. Erst am Mittwoch vergangener Woche hatten sich vier Schiedsrichter als Zeugen beim DFB gemeldet, daraufhin nahm der Kontrollausschuss unter Vorsitz von Hilpert die Ermittlungen auf. Bis gestern hatte Hoyzer alle Vorwürfe bestritten.
Der DFB will künftig mit einem "Frühwarnsystem" und einem Wettverbot für die Referees Manipulationen vorbeugen. Außerdem sollen die Schiedsrichteransetzungen künftig nicht zehn, sondern erst zwei Tage vor der Partie bekannt gegeben werden.